(Jyderup) – Frauen sind eine gefährdete Gruppe in Gefängnissen, sagt der Gefängnis- und Bewährungsdienst. Jetzt sucht die Justiz nach einem Bauunternehmen, das Dänemarks erstes Frauengefängnis bauen kann.

In einigen Ländern sind die Gefängnisse nach Geschlechtern getrennt, so dass Männer und Frauen nicht in Verbindung treten können. Dieses ist in Dänemark bislang nicht der Fall – aber das wird sich 2021 ändern, wenn nach der Planung Dänemarks erstes Frauengefängnis in Jyderup nahe Holbæk im Nordwesten von Sjælland (Seeland) fertig sein wird.

Die eigentlichen Bauarbeiten, um das Gefängnis in ein Frauengefängnis zu verwandeln, sollen im März 2020 beginnen, und die Kriminalforsorgen (Kriminalvorsorge) hat nun die Ausschreibung veröffentlicht, damit für den Bau das geeignete Bauunternehmen gefunden werden kann. Dieses ist keine sehr einfache Aufgabe, da der Umbau des bestehenden Gefängnisses in Jyderup während der Bauphase nicht geschlossen wird.

„Der Umbau wird während des Betriebs des Gefängnisses erfolgen, und das bedeutet, dass unsere Fachkräfte in Jyderup unter bestimmten Sonderbedingungen während der Bauarbeiten arbeiten werden“, heißt es in einer Pressemitteilung des Gefängnisdirektors in Jyderup, Ole Hansen, und er fährt fort: „Deshalb werden wir auch den Bauprozess genau verfolgen und einen guten Dialog mit den Mitarbeitern sicherstellen, damit wir uns den Herausforderungen stellen können, die sich während des Umbaus zwangsläufig ergeben.“

Das Jyderup-Gefängnis hat heute 24 Plätze, die für Frauen in einer geschlossenen Abteilung reserviert sind. Ab 2021 wird es jedoch ein reines Frauengefängnis. Foto: Kriminalforsorgen

In vielen Ländern, mit denen Dänemark sich normalerweise vergleicht, sind geschlechtsspezifische Gefängnisse üblich. Deshalb gibt es Frauengefängnisse in Ländern wie Norwegen, Schweden, Deutschland und den Niederlanden. Im Gefängnis- und Bewährungsdienst sind jedoch unter anderem die inhaftierten Frauen sexueller Belästigung und Nötigung durch die männlichen Mithäftlinge ausgesetzt – und dieses soll ein Gefängnis ausschließlich für Frauen verhindern.

Gleichzeitig kann in einem reinen Frauengefängnis die Sozialarbeit gezielter angegangen werden. „Bei der Sanierung in Jyderup geht es nicht nur um Ziegel und Sicherheit. Indem wir die Gruppe weiblicher Insassen im Land zusammenbringen, können wir die Professionalität der Resozialisierung gegenüber dieser Gruppe stärken“, so der Direktor der Kriminalforsorgen, Thorkild Fogde, in einer Pressemitteilung.

„Zum Beispiel können wir gezielter mit den weiblichen Insassen arbeiten, die Kinder haben und oft alleinige Versorger sind. Dies ist eine besonders schutzbedürftige Gruppe, die wir in Zukunft besser unterstützen können“, sagt Thorkild Fogde.

Landesweit gibt es ungefähr 4.000 Insassen und Häftlinge in dänischen Gefängnissen und Haftanstalten. Davon sind nur vier Prozent Frauen, die sowohl in offenen als auch in geschlossenen Abteilungen auf vier verschiedenen Einrichtungen verteilt sind. Mit anderen Worten, Frauen sind eine klare Minderheit.

Als die Pläne zum ersten Mal vorgestellt wurden, waren jedoch nicht alle begeistert. Der Landesverband KRIM, der sich für die Unterstützung der Insassen in den Gefängnissen einsetzt, argumentierte: „Für manche bedeutet es viel. mit Männern zu sprechen und soziale Kontakte mit Männern zu haben. Es gibt auch gute Freundschaften unter Frauen und Männern.“

„Es versteht sich fast von selbst, dass es pervers ist, Menschen nach Geschlecht zu trennen, damit man nicht mit dem anderen Geschlecht zusammen sein kann. Es widerspricht der Resozialisierung, es entmutigt diese gesunden, gut funktionierenden Menschen, wenn sie am Ende drr Haft herauskommen“, sagt der KRIM-Landesvorsitzende Claus Bonnez.

Wenn das Jyderup Gefängnis fertig ist, sollen alle weiblichen Gefangenen und Insassen von Strafanstalten dahin verlegt werden. Es wird Platz für 143 Inhaftierte und Insassen im offenen und geschlossenen Strafvollzug bieten. Das Frauengefängnis wird auch über Einrichtungen für Familien und Besuche verfügen.

Dem Plan zufolge soll der erste Spatenstich um den 1. März 2020 erfolgen, und das Frauengefängnis von Jyderup wird bis 2021 voll funktionsfähig sein.

von

Günter Schwarz – 05.09.2019

Fotos: Kriminalforsorgen