UPDATE vom 22.09.2019 um 19:20 Uhr

(Brunsbüttel) – Der Schaden an einem Schleusentor in Brunsbüttel sorgt weiter für Probleme am Nord-Ostsee-Kanal. Die vielbefahrene Wasserstraße ist für große Schiffe seit Samstagabend gesperrt.

Das Tor Richtung Elbe in der großen Südkammer der Brunsbütteler Schleuse lässt sich nicht vollständig öffnen, die Nordkammer ist wegen Wartungsarbeiten gesperrt.

Am heutigen Sonntag begannen Taucher damit, den Schaden zu untersuchen. „Sie entdeckten, dass im hinteren Ende der Nische, wo das Tor beim Öffnen reingefahren wird, sich eine massive Schicht aus Schlick, Holz und Steinen befindet“, sagte ein Sprecher des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamts (WSA).

Erste Versuche, mit einem Saugbagger den Schlick zu entfernen, waren nicht erfolgreich. „Wir sind damit nicht herangekommen“, sagte der Sprecher. Am Montag würden sich nun die Fachleute zusammensetzen, um zu beraten, wie sich das Problem lösen lasse.

Erstmeldung vom 22.09.2019 um 12:00 Uhr

(Brunsbüttel) – Es sind keine guten Nachrichten für viele Lotsen, Reeder und Kapitäne am Nord-Ostsee-Kanal (NOK). Die große Südkammer an der Schleuse in Brunsbüttel musste aufgrund eines technischen Defektes gesperrt werden. „Die Kammer lässt sich derzeit nicht bewegen“, sagte Mohamed Abdelkader, Nautiker vom Dienst beim Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt (WSA) am Samstagabend.

Da die große Nordkammer gerade gewartet wird und nicht genutzt werden kann, können große Schiffe den Nord-Ostsee-Kanal derzeit nicht mehr passieren. Sie müssen entweder den Umweg über das Skagerrak nehmen oder warten, bis der Schaden behoben ist. „Wir kennen noch nicht die Ursache“, sagte Abdelkader. Das WSA hat bereits Taucher angefordert. Sie sollen den Defekt lokalisieren. Wie lange die Sperrung dauert, ist laut WSA derzeit nicht absehbar.

Die beiden alten, kleinen Schleusen dagegen sind weiter passierbar. Dort können allerdings nur Schiffe mit einer Länge von maximal 125 Metern sowie einer Breite von 20,5 Metern geschleust werden. Laut WSA ist die Mehrzahl der Schiffe, die den NOK nutzen, deutlich länger. Um Staus auf dem Nord-Ostsee-Kanal zu vermeiden, ist eine große Schleuse in Kiel-Holtenau offen, damit die großen Schiffe, die sich momentan im Kanal befinden, zumindest wieder aus dem NOK herauskommen. Knapp 30.000 Schiffe hatten den Nord-Ostsee-Kanal im vergangenen Jahr genutzt.

Die zuständige Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung hat alle Hände voll zu tun, um den Betrieb auf dem 98 Kilometer langen Kanal zwischen Kiel und Brunsbüttel am Laufen zu halten. Die zum Teil mehr als 100 Jahre alte Technik muss in Schuss gehalten und nach und nach ersetzt werden.

Immer wieder gab es in der Vergangenheit Probleme mit den Schleusenkammern. Deshalb wird derzeit in Brunsbüttel eine neue Schleusenkammer gebaut. Vor sechs Jahren hatte es in Brunsbüttel den ersten Spatenstich zum Bau der fünften Schleusenkammer gegeben. 300 Millionen Euro sollte damals das Bauvorhaben kosten.

Die ersten Schiffe sollten laut Planung bereits Ende 2017 die neue Kammer nutzen können. Doch der Bau der neuen Kammer verzögert sich wie bei deutschen Bauvorhaben üblich erheblich, denn wenn die Deutschen eines inzwischen können, so können sie das: „Nicht mehr bauen!“ – Siehe BER, Elfi in Hamburg, Stuttgarter Hauptbahnhof und nicht zu vergessen die Renovierung des Rendsburger Kanaltunnels, von der Rader Autobahnhochbrücke gar nicht zu reden!

Jetzt soll die neue Schleusenkammer frühestens 2024 für den Schiffverkehr freigegeben werden, so Gott oder Allah will – und deutlich teurer als zuvor berechnet. Die Gesamtkosten sollen nun bei 800 Millionen Euro liegen.

von

Günter Schwarz – 22.09.2019