(Viborg / Schleswig) – Jedes Jahr entscheiden sich eine kleine Handvoll dänischer Schüler für einen Austausch nach Sydslesvig (Südschleswig) – nicht nur für ein oder zwei Wochen, sondern für ein ganzes Schuljahr.

Einer derjenigen, die sich dafür entschieden haben, die 10. Klasse südlich der Grenze zu besuchen, ist der 16-jährige Erik Risvig Nordestgaard aus Viborg. „Ich finde Deutsch nicht besonders aufregend, aber ich finde es schwierig, die Sprache zu erlernen“, sagt der 16-jährige Teenager, der nach zwei Monaten auf der A.P. Møller Skolen in Schleswig seinen deutschen Wortschatz schon erheblich erweitert hat.

A.P. Møller Skolen in Schleswig

Denn obwohl die Schule zu der dänischen Minderheit gehört und die fast 600 Schüler auf Dänisch unterrichtet werden, spielt sich ein Großteil ihrer Freizeit auf Deutsch ab. „Ich war zuerst ein bisschen überrascht, dass sie in den Unterkünften Deutsch sprechen. Immerhin ist es eine dänische Schule. „Aber jetzt habe ich mich daran gewöhnt und verstehe 95 Prozent der deutschen Sprache“, sagt Erik Risvig Nordestgaard.Besucht Eure 10. Klasse als Austauschschüler in Sydslesvig

Besucht Eure 10. Klasse als Austauschschüler in Sydslesvig

– Was ist „Besucht Eure 10. Klasse als Austauschschüler in Sydslesvig“?

Es ist ein Angebot für Schüler aus Dänemark. Es ist – so wie es ist – freiwillig. Das heißt, die Schüler erhalten kein Sprach-Diplom für zu Hause, das sie in Dänemark verwenden können. Die Schüler tun dieses aus dem Wunsch heraus, den aufregenden Sprach- und Kulturschatz südlich der Grenze zu erleben. In dem Jahr, in dem sie hier sind, werden die Schüler Teil der dänischen Minderheit in Sydslesvig. Sie erleben einen zweisprachigen Alltag, in dem täglich Deutsch und Dänisch um sie herum gesprochen werden. Und es sind die persönlichen Kompetenzen im kulturellen und sprachlichen Bereich, die die Scüler als Gewinn mit nach Hause bringen. Es ist ähnlich wie bei einem Au-Pair-Mädchen-Jahr, das auf einem Lebenslauf gut aussieht. Konkret gehen die Gäste in eine 10. Klasse in Sydslesvig, leben bei einer Gastfamilie und pflegen in ihrer Freizeit Hobbys und neue Freundschaften. Am Wochenende können sie natürlich jederzeit nach Dänemark zu ihren Eltern zurückkehren.

– Wer kann Austauschschüler werden?

Alle Schüler aus Dänemark, die ein „Sabbatjahr“ in Form eines aufregenden und inspirierenden Jahres als freiwilliger Schüler der 10. Klasse in Sydslesvig zu verbringen wünschen. Sie erwerben ein umfassendes Wissen über Sydslesvig, die dänische Minderheit sowie die deutsche Sprache und Kultur und stärken Ihre kommunikativen und sozialen Fähigkeiten, von denen sie auf Ihrem weiteren Lebensweg profitieren.

– Wer kann Gastfamilie werden?

Wenn Ihre Familie den Raum und den Wunsch hat, einen Austauschschüler zu aufzunehmen, der Ihren Alltag mit dänischer Sprache und Kultur prägt, können Sie leicht eine geeignete Gastfamilie sein. Es ist nicht wichtig, dass es Gleichaltrige im Haushalt gibt, aber es sollten ausreichend Platz in der Wohnung sowie gute Strukturen für den Gastschüler vorhanden sein, damit er/sie sich um seine/ihre Schule kümmern und den Hobbys nachgehen kann. Von den Gastfamilien wird erwartet, dass sie den Schüler mit Essen und Unterkunft versorgen. Von der Gastfamilie wird nicht erwartet, dass sie die Hobbys der Schüler wie Kleidung, Musikunterrricht usw. bezahlen.

Quelle: www.feriebarn.dk

Wenn Erik am Ende des Schuljahres nach Viborg nach Hause zurückgeht, hat er sowohl die deutsche Sprache als auch Kultur im Gepäck, aber hoffentlich hat er auch etwas in der Klasse in Sydslesvig gelassen. Das ist sicherlich der Zweck des Austausches, wenn man den Projektleiter Per Oetzmann vom Grenzverband danach fragt. „Beide Parteien haben etwas davon. Die dänischen Schüler geben den Klassen, in die sie kommen, einen Schuss Dänisch, schließlich gibt es auch Schüler in Sydslesvig an den Minderheitenschulen, die Dänisch nicht als Muttersprache haben“, sagt er.

Das Austauschprojekt ist noch relativ neu und dieses Jahr verlassen erst drei dänische Schüler das Land. Ziel ist es, in den nächsten Jahren zumindest neun Schüler oder Schülerinnen zu erreichen. „ In ein anderes Land zu gehen und bei einer anderen Familie zu leben und für ein ganzes Schuljahr in eine andere Schule zu gehen, ist ein großer Schritt. Wir glauben jedoch, dass es möglich ist, jedes Jahr etwa neun Schüler und Gastfamilien zu finden“, erklärt der Projektmanager.

Wie bereits eingangs erwähnt, war Erik Risvig Nordestgaard von Deutsch nicht sonderlich begeistert, so dass es eigentlich überraschte, dass er ein ganzes Schuljahr in Deutschland zu verbringen wählte. „Ich denke, das verbessert meine Zukunft. Mein Vater arbeitet für ein internationales Unternehmen, in dem er täglich Deutsch und Englisch spricht. Deshalb kann es für mich nur von Vorteil sein, wenn ich nach Hause komme und nach einer Ausbildungsstelle und später nach Arbeit suchen muss“, erklärt Erik Risvig Nordestgaard.

Neben der Sprache, die sich bereits verbessert hat, gibt es noch einen weiteren Vorteil, die Adresse in Viborg durch eine in Schleswig geändert zu haben. „Zu Hause habe ich vier Schwestern und zwei von ihnen sind gerade Teenager. Bei meiner neuen Gastfamilie gibt es einen Jungen fast in meinem Alter, und der ist etwas ruhiger“, schließt Erik mit einem diplomatischen Lächeln.

von

Günter Schwarz – 03.10.2019