Zu allen Zeiten hat Bernstein die Menschen fasziniert. Schon vor 10.000 Jahren stellten unsere Vorfahren Schmuck aus dem fossilen Harz her, Priester verbrannten es wegen des aromatischen Dufts, der dem des Weihrauchs ähnelt.

In der Antike und im Mittelalter, so auch in der Wikingersiedlung Haithabu, war Bernstein ein begehrtes Handelsgut, denn die Menschen schrieben dem Bernstein magische Wirkung zu: Bernstein galt als Beschützer vor Hexen und Dämonen, und noch heute glauben viele Menschen an eine heilsame Wirkung bei Hautkrankheiten und Zahnschmerzen. So soll Kleinkindern eine Bernsteinkette beim Zahnen helfen.

Bernstein: Der honiggelbe Schimmer zieht Menschen seit jeher in seinen Bann.

Ist das Wasser in den Sommermonaten warm, stehen die Aussichten schlecht, bei Strandspaziergängen auf Bernstein zu stoßen, denn nur, wenn das salzhaltige Meerwasser kalt ist und so eine große Dichte besitzt, steigt der Bernstein nach oben an die Wasseroberfläche.

Zwischen Sand und Muscheln verstecken sich manchmal Bernsteine. Wer sie entdecken will, muss genau hinschauen.

Die besten Chancen, Bernstein zu finden, haben Sammler deshalb nach Stürmen mit auflandigen Winden, vor allem im Herbst und Winter. Dann heißt es früh aufstehen, denn sobald es heftig geweht hat, sind an den Stränden meist auch andere Bernsteinsucher unterwegs. Eine Taschenlampe im Gepäck kann sehr nützlich sein. Meist versteckt sich Bernstein zwischen Tang, Holz, kleinen Steinen und Muschelschalen im sogenannten Spülsaum am Strand.

Bernstein ist im Vergleich zu echten Steinen sehr leicht und glänzt in der Sonne. Roh-Bernstein sieht häufig bräunlich bis honiggelb aus, manchmal schimmert er auch weißlich, hellgelb oder rötlich. Wer nicht sicher ist, ob es sich bei einem Fund um Bernstein handelt, kann damit leicht gegen einen Zahn klopfen. Ein weicher Ton deutet auf Bernstein hin – die ähnlich aussehenden gelben Feuersteine klingen wesentlich härter.

Besonders nach Winterstürmen stehen die Chancen gut, das fossile Harz am Strand zu finden.

Auch mit stark salzhaltigem Wasser lässt sich die Echtheit prüfen: Bernstein schwimmt oben. Ein Wolltuch eignet sich ebenfalls für einen Test: Trockener Bernstein lädt sich beim Reiben elektrostatisch auf und zieht Papierschnipsel und dergleichen an.

Gefährlich kann es allerdings werden, wenn Sammler Phosphor mit Bernstein verwechseln: Phosphor kann sich bei Temperaturen ab 20 Grad entzünden und schwere Brandwunden verursachen. Vorsicht ist vor allem an den Ostseestränden rund um Rügen und Usedom geboten – allerdings sind die Phosphorfunde glücklicherweise immer noch sehr selten. Da Phosphor und Bernstein zunächst nur schwer voneinander zu unterscheiden sind, empfiehlt es sich, den vermeintlichen Bernstein zunächst in einer Blechdose oder einem Einmachglas zu sammeln und nichts in die Hosen- oder Jackentasche zu stecken.

Gute Chancen haben Sammler an den Stränden Mecklenburg-Vorpommerns, dort vor allem auf Fischland-Darß-Zingst, Rügen und Usedom. An der schleswig-holsteinischen Ostseeküste gibt es dagegen kaum Bernstein. Schon eher lohnt sich die Suche an der Nordseeküste: auf der Düne von Helgoland, im Watt vor St. Peter-Ording und vor Büsum sowie an den Stränden der Ost- und Nordfriesischen Inseln. In einigen Orten werden Führungen angeboten, um unter fachkundiger Anleitung Bernstein zu finden.

Bei uns kommt Bernstein vor allem an der mecklenburgischen Ostseeküste vor. Aber auch an der Nordsee kann man fündig werden.

Die ältesten Bernsteine der Welt sind 400 Millionen Jahre alt. Baltischer Bernstein, der an Ostsee- und Nordseestränden angespült wird, entstand vor etwa 40 bis 50 Millionen Jahren aus dem Harz subtropischer Nadelwälder.

Karte: Bernstein-Fundorte im Norden

von

Günter Schwarz – 05.10.2019