Verletzte Hirsche liefern neue Gründe für den Kampf der grünen Organisationen gegen Dänemarks umstrittenen Wildschweinzaun. Dänemarks umstrittener Wildschweinzaun von 70 Kilometern Länge an der Grenze zu Deutschland wird voraussichtlich Mitte November fertiggestellt.

Aber der Kampf um den Zaun und seine Auswirkungen auf die Tierwelt in der Region ist noch nicht vorbei. Der World Wildlife Fund (WWF) hat sich gerade über den Zaun nach der Berner Konvention beschwert, die Wildtiere und ihre Lebensräume schützt.

„Wir versuchen jetzt zum ersten Mal, eine echte Einschätzung darüber zu erhalten, wie die Wildtiere vom Zaun betroffen sind. Wir haben in der Vergangenheit erfolglos versucht, die Europäische Kommission und die dänische Regierung zu erreichen“, sagt der leitende Biologe des WWF, Thor Hjarsen.

Die Strategie besteht darin, die dänische Regierung zu einer gründlichen wissenschaftlichen Untersuchung der Auswirkungen des Zauns auf die Tierwelt in der Region zu zwingen.

Der Hofbesitzer Lars Christian Jensen aus Frøslev berichtete kürzlich dem Fernsehsender TV SYD, er hatte ein Reh erschießen müssen, das am Zaun verletzt hatte. „Es war entlang des Zauns unterwegs und hate sich irgendwo verletzt. Es schrie wie ein kleines Kind, und es gab keine andere Möglichkeit, als es zu erschießen“, sagte er am 4. Oktober gegenüber TV SYD. „Wir müssen sicherstellen, dass der Zaun den Tieren keinen Schaden zufügt“, sagt er.

Ein Nachbar hat die gleiche Erfahrung gemacht. Laut dem World Wildlife Fund zeigt sich, dass der Zaun der Tierwelt im Grenzgebiet mehr schadet als nutzt.

„Wir werden nicht noch einmal darüber diskutieren, ob der Zaun die Schweinepest vom Land wirklich fernhält. Unser Fokus liegt allein darauf, dass der Zaun keine anderen Tierarten schädigt. Wenn sie den Zaun nicht entfernen wollen, müssen sie etwas anderes tun, um andere Arten auf andere Weise zu schützen“, sagt Thor Hjarsen.

Die ehemalige VLAK-Regierung unter Lars Løkke Rasmussen beschloss 2018 gemeinsam mit der Populistischen und stets auf Ab- und Ausgrenzung bedachten Dansk Folkeparti (Dänische Volkspartei) und mit Unterstützung der jetzt regierenden Socialdemokraterne, einen Zaun entlang der Grenze zu errichten. Es soll Wildschweine von Dänemark fernhalten, die nahe der deutsch-dänischen Grenze leben.

Es wird befürchtet, dass ein Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest in Dänemark, den Wildschweine verursachen könnten, Milliarden für dänische Schweineexporte kosten könnte. Der Fall wurde bereits damals beim Beschluss von grünen Organisationen und EU-Rechtsexperten heftig kritisiert. Jetzt versucht der WWF einen neuen Weg.

„ Wir beschweren uns bei der Berner Konvention, die die Tierwelt und ihre Lebensräume schützt und vom Europarat verwaltet wird. Wenn wir dort erfolgreich sind, können wir mit der Begründung, dass dies ernst genommen werden muss, zur Europäischen Kommission zurückkehren“, sagt Thor Hjarsen.

Die Professorin für Umweltgerechtigkeit an der Universität Aarhus, Ellen Margrethe Basse, stimmt dem WWF zu und ist der Ansicht, dass das gesamte Wildschweinzaunbaugesetz von entscheidender Bedeutung ist. „Es ist nicht gesetzesgemäß verabschiuedet worden. Es ist beispielsweise nicht dokumentiert, dass der Zaun verschiedenen anderen Wildarten keinen Schaden zufügt – selbst in einem besonders geschützten Natura 2000-Gebiet“, sagt sie.

von

Günter Schwarz – 14.10.2019