(Hemmingstedt / Lieth) – Die Experten vom Kampfmittelräumdienst Schleswig-Holstein haben in diesen Tagen viel zu tun. Erst am Wochenende mussten sie eine Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg in Kiel-Dietrichsdorf entscärfen. Heute müssen sie einen Blindgänger in der Gemeinde Lieth bei Heide im Kreis Dithmarschen nahe der Raffinerie unschädlich machen.

Die Bombe liegt nach Angaben der Polizei in etwa drei Metern Tiefe unter einem Feldweg direkt neben der Erdöl-Raffinerie Hemmingstedt. Seit Montag bereiten Arbeiter das Gelände für die Entschärfung vor. Seit dem heutigen Vormittag läuft die Evakuierung des Sperrgebiets.

Mitarbeiter des Kampfmittelräumdienstes hatten den Blindgänger auf alten Luftbildern entdeckt, sagte ein Sprecher der Polizeidirektion Itzehoe. Um was für eine Bombe es sich handelt, gab er noch nicht bekannt.

Direkt neben dem Fundort am Sicherheitszaun des Werkes befindet sich das Lager der Raffinerie mit etwa 50 großen Tanks. Das Unternehmen produziert nach eigenen Angaben unter anderem Flüssiggas, Treibstoffe für Autos und Flugzeuge, Heizöl und Bitumen.

Um die Anlagen und die Häuser in Lieth zu schützen, soll laut Polizei ein Sandwall aufgeschüttet werden, bevor die Entschärfer am Nachmittag mit ihrer Arbeit beginnen. Etwa 150 Dorfbewohner müssen vorsichtshalber ihre Wohnungen verlassen. Sie wurden mit Handzetteln informiert und können im Seniorenheim an der Dorfstraße unterkommen. Es ist mehr als 500 Meter vom Fundort entfernt und muss deshalb nicht geräumt werden. Auch die nahe gelegene Bundesstraße 5 in Hemmingstedt, die Autobahn 23 und die Bahnstrecke zwischen Hamburg und Sylt befinden sich demnach außerhalb des Sperrbereichs und bleiben am Mittwoch voraussichtlich befahrbar.

Die Raffinerie, die während des Krieges das drittgrößte Kraftsofflager des damaligen Deutschen Reicges war. wurde nach Angaben des jetzigen Betreibers 1944 durch mehrere Luftangriffe der Alliierten zerstört. 1947 begann der Wiederaufbau.

Seit Jahrzehnten wurde rund um das Werk nach Angaben von Lieths Bürgermeister Reimer Witt kein Blindgänger gefunden.

von

Günter Schwarz – 16.10.2019