(Tinglev) – Die Deutsche Minderheit in Dänemark hat gestern am Sonnabend, wie alljährlich am 2. November, den „Deutschen Tag“ im dänischen Tinglev gefeiert. In diesem Jahr stand das Fest unter dem Motto „Minderheit-Brückenbauer“.

Zum Festakt kamen mehr als 500 Gäste, darunter auch Schleswig-Holsteins Justizministerin Sabine Sütterlin-Waack (CDU). Sie hielt eine viel beachtete Rede, in der sie auf neue Herausforderungen in der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit einging, und sie bezeichnete die Minderheiten in der deutsch-dänischen Grenzregion als europäisches Vorbild für regionale friedliche Zusammenarbeit. Für Sabine Süttlerin-Waack ist das gewählte Motto der Feierlichkeiten „Minderheiten – Brückenbauer“ – „richtig gut“ und auch gut gewählt, denn, so die Ministerin, leben wir in politisch bewegten Zeiten – weltweit, aber vor allem auch in Europa.

Schleswig-Holsteins Justizministerin Sabine Sütterlin-Waack (CDU)

Tiefe Risse ziehen sich ihren Worten nach durch die Gesellschaften in Spanien und Großbritannien, wo Brücken zerbrechen, „Vor diesem Hintergrund ist es doch schön, dass es in der Europäischen Union auch Regionen gibt, in denen die Menschen gern Brücken bauen“, sagte die Ministerin, die anmerkte, die Europäische Union braucht Menschen mit dieser Haltung. Sie resümierte: „Wir müssen die Brückenpfeiler der Europäischen Union sturmfest machen und sicher halten!“

Seit Ende 2018 ist die deutsch-dänische Grenzregion mit ihren Minderheiten bereits im nationalen Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes der UNESCO verzeichnet – auf deutscher und dänischer Seite. Ein solches Kulturerbe können Tanz, Theater, Musik, Bräuche, Feste oder Handwerkskünste sein, es „ist lebendig und wird von menschlichem Wissen und Können getragen“, schreibt die UNESCO auf ihrer Homepage. Es präge das gesellschaftliche Zusammenleben und leiste einen Beitrag zu nachhaltiger Entwicklung.

Nun will die Grenzregion es auch auf die offizielle Liste des Immateriellen Kulturerbes der Menschheit schaffen – wie die Genossenschaften oder der Orgelbau. „Wir wollen mit unserem Minderheiten-Modell gerne zeigen, dass man in hundert Jahren von Feindschaft zu Freundschaft kommen kann. Das würden wir gern anderen Regionen demonstrieren und deswegen hoffen wir, dass wir auch international anerkannt werden“, sagte Hinrich Jürgensen, Hauptvorsitzender des Bundes Deutscher Nordschleswiger. Im März kommenden Jahres soll die Bewerbung eingereicht werden.

Die deutsche Minderheit in Dänemark, die mit der Dänische Wiedervereinigung am 15. Juni 1920 nach einer Volksabstimmung über die Zugehörigkeit des ehemaligen Herzogtums Schleswig entstand, umfasst etwa 15.000 Menschen. Im kommenden Jahr feiert der Bund Deutscher Nordschleswiger sein 100-jähriges Bestehen.

von

Günter Schwarz – 03.11.2019