(Bornholm) – Die Dorschbestände in der Ostsee gehen weiterhin zurück. Dieses zeigt eine Studie mit dem Meeresforschungsschiff „Dana“, bei der nicht nur kleiner Dorsch im Netz gefangen wurde – das Schleppnetz war vor allem mit Abfällen übersät.

Das Meeresforschungsschiff „Dana“ von Danmarks Tekniske Universitet Aqua (DTU Aqua) aus Lyngby bei København war auf seiner jährlichen Herbstreise in der Ostsee bei Bornholm unterwegs. Und an Deck befand sich ein großer Haufen Abfall und Müll, der für wissenschaftliche Forschungen aufgearbeitet wird.

„Es ist traurig zu sehen, wie viel Müll immer noch ins Meer geworfen wird, wenn sie auf See sind“, sagte Marie Storr-Paulsen, die als Forschungsleiterin an Bord des Seeüberwachungsschiffs „Dana“ fungierte.

Sie fischten nach Dorsch und bekamen aber noch viel mehr ins Netz. Unter den Fängen befanden sich Metall, Ölfilter, Fischernetze, Fässer, Tauwerk, Dosen mit Schiffsfarbe, Plastik, Glas, Kabel und ein einzelner Frauenschuh. Und das waren nur einige der Gegenstände auf dem großen Stapel an Deck des Schiffes, die zu erwähnen wären.

„Es wurde viel Aufmerksamkeit auf Plastik gelegt, aber es ist viel mehr als Plastik, das ins Meer geworfen wird. In vielerlei Hinsicht würde ich sagen, dass Abfälle wie Schiffsfarbe für die Fische und für das Leben auf dem Meeresboden noch etwas schlimmer ist als jeder Plastikmüll“, sagte Marie Storr-Paulsen. Der Abfall wird jetzt ordnungsgemäß entsorgt.

„Erst in den letzten Jahren haben wir begonnen, den Müll, den wir dort finden, systematisch zu registrieren. Wir machen das auf all unseren Reisen, und wir machen das international, um einen Überblick darüber zu bekommen, was wirklich im Meer liegt“, sagte Marie Storr-Paulsen.

Die Untersuchungen in Bezug auf Dorschen haben gezeigt, dass der Fischbestand, wie es bereits bei früheren Forschungsreisen der Fall war, sehr klein geblieben ist.

„Wir haben nicht viele Jahre Zeit, bis es hier in der Ostsee tatsächlich keine Dorsche in einem wirklich guten Zustand mehr geben wird. Das ist also zumindest im biologischen Kontext eine sehr schnelle Entwicklung, Es ist ziemlich traurig, das anzuschauen“, sagte Marie Storr-Paulsen.

Die Herbstreise in die Ostsee zeigte auch, dass sich ein sauerstoffarmes Gebiet östlich von Bornholm vergrößert hat. Auf einer Fläche, die doppelt so groß ist wie die Fläche von Bornholm, befindet sich jetzt am Boden kein Sauerstoff mehr. Und damit lebt dort keines der Bodentiere, von denen der Dorsch lebt.

„Der Grund, warum der Dorsch so rar und in so schlechtem Zustand ist, sehen wir hier in der Ostsee für den wir drei verschiedene Hypothesen haben. Dieses sind die schlechten Sauerstoffverhältnisse in der Ostsee, es gibt einen Mangel an Nahrungsmitteln für den Dorsch, und dann sind da die Parasiten, die von den Robben stammen. Wahrscheinlich verursachen alle drei Gründe den Rückgang des Dorschbestandes“, sagte Marie Storr-Paulsen.

Das Fischen und Angeln sind ebenfalls wichtig, aber laut der Forschungsleiterin Marie Storr-Paulsen sind diese nicht die Hauptgründe, warum es den Dorschen in der Ostsee derzeit so schlecht geht. „Natürlich hat die Fischerei auch einen Einfluss auf die Fischbestände, aber derzeit sind die natürlichen Ursachen in der Ostsee, und hier sprechen wir von Robben, Sauerstoff und Nahrungsmitteln, bedrohlicher als die Fischerei“, meinte Marie Storr-Paulsen.

von

Günter Schwarz – 15.11.2019