(Schleswig) – Mitte Februar dieses Jahres haben die Staatsanwaltschaft Flensburg, die Kriminalpolizei Schleswig und das Kreisgesundheitsamt die Praxisräume einer Ärztin im Kreis Schleswig-Flensburg durchsucht.

Gegen die Ärztin war ein Ermittlungsverfahren wegen Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz eingeleitet worden, nachdem es im Zeitraum von Januar 2019 – Januar 2020 im Kreis Schleswig-Flensburg zu vier Todesfällen in Zusammenhang mit einem möglichen Missbrauch des Wirkstoffs Fentanyl gekommen war. Erste Ermittlungen haben ergeben, dass der Verbrauch an verschreibungspflichtigen Betäubungsmittelrezepten durch die tatverdächtige Ärztin stark angestiegen war.

Im Rahmen der Durchsuchung wurde umfangreiches Aktenmaterial beschlagnahmt. Die Auswertung der Unterlagen dauert an. Zudem offenbarte die Durchsuchung Verstöße gegen datenschutzrechtliche Bestimmungen, da auf dem Grundstück frei zugängliche Patientenakten in einem Schuppen und einem Carport gefunden wurden. Die weiteren Ermittlungen werden sich daher auch auf etwaige Datenschutzverstöße erstrecken.

Darüber hinaus sind gesonderte Ermittlungsverfahren gegen zahlreiche Konsumenten eingeleitet worden. Es besteht der Verdacht, dass sie unerlaubt Betäubungsmittel durch unrichtige Angaben erlangt haben.

Die Ermittlungen von Polizei und Staatsanwaltschaft dauern an.

Anmerkung: Der Wirkstoff Fentanyl gehört zu den wichtigsten Mittel gegen starke bis sehr starker akuter und chronischer Schmerzen, und er wird in der Anästhesie eingesetzt. Er ist etwa 50- bis 100-mal stärker wirksam als Morphin. Anwendung findet Fentanyl besonders bei stärksten Durchbruchschmerzen bei Krebserkrankungen.

Quelle: Pressemitteilung der Polizeidirektion Flensburg vom 10.03.2020 um 15:10 Uhr

überarbeitet und veröffentlicht von

Günter Schwarz – 10.03.2020