Vor oder zurück? – Eine kleine Eselsbrücke hilft beim Drehen an der Uhr: Im Frühjahr werden die Gartenstühle VOR das Haus gestellt – im Herbst wieder ZURÜCK in den Keller.

Der Sommer kehrt zurück – wenn zunächst auch nur auf der Uhr. In der Nacht zum Sonntag werden die Uhren um eine Stunde vorgestellt. Damit gilt dann wieder die Mitteleuropäische Sommerzeit (MESZ). Damit bleibt es morgens länger dunkel, abends länger hell, und die Nacht zum morgigen Sonntag ist 60 Minuten kürzer als üblich – also „schneller shlafen!“

Gemeinsam mit Deutschland wechseln alle EU-Staaten und die meisten europäischen Nachbarstaaten an diesem Wochenende zur Sommerzeit. Schon seit der Einführung 1980 wird über Sinn und Unsinn des Zeitsprungs diskutiert. Nach einer EU-weiten Online-Umfrage hatte sich die EU-Kommission 2018 dafür ausgesprochen, das Drehen an der Uhr bereits 2019 zu beenden.

Bald wurde jedoch deutlich, dass es so schnell nicht geht. Das EU-Parlament plädierte im vergangenen Jahr für das Ende der Sommezeit 2021. Das Problem: Die EU möchte wechselnde Zeitzonen von Land zu Land vermeiden. Daher sollen sich die Mitgliedsstaaten darüber abstimmen, ob künftig dauerhaft die Sommerzeit oder die bisherige Normalzeit, die Mitteleuropäische Zeit, gilt. Eine Einigung ist jedoch nicht in Sicht, obwohl viele Wissenschaftler die Normalzeit empfehlen.

Bei vielen Menschen sorgt die Zeitumstellung für Schlafprobleme. Bei einer Umfrage im Auftrag der Krankenkasse KKH erklärten zwei Drittel der befragten Frauen, sie könnten in den Tagen nach dem Zeitsprung schlechter einschlafen, schlechter durchschlafen oder hätten morgens Probleme beim Aufstehen. 42 Prozent der Männer berichteten ebenfalls von Schlafstörungen. Experten raten, die Schlafzeit über mehrere Tage verteilt zu verschieben – also bereits vor dem Zeitwechsel täglich etwa zehn Minuten früher aufzustehen.

Die Zeitumstellung erfolgt immer am letzten Sonntag der Monate März und Oktober. 2019 endete die Sommerzeit am 27. Oktober. Das zentrale Kommando für alle Funkuhren kommt von der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt in Braunschweig. Bereits seit 1980 werden die Uhren im Frühjahr von der Mitteleuropäischen Zeit auf Sommerzeit umgestellt.

Die Zeitumstellung wurde ursprünglich eingeführt, um Energie zu sparen, da es abends länger hell bleibt. Laut Umweltbundesamt hat sich diese Erwartung allerdings nicht erfüllt: Zwar schalten die Menschen abends seltener das Licht an, dafür heizen sie aber im Frühjahr und Herbst in den Morgenstunden mehr. Das gleiche sich in der Summe aus und spart keine Energie ein.

Erste Versuche, an der Zeit zu drehen, gab es bereits vor mehr als 100 Jahren. Während des Ersten Weltkrieges, führte das Deutsche Kaiserreich 1916 als erstes Land weltweit eine Sommerzeit ein. Mit dem Ende des Krieges 1918 endete das Projekt wieder und die Mitteleuropäische Zeit (MEZ) galt wieder bis 1980.

von

Günter Schwarz – 28.03.2020