(København) – Die Regierung lässt Pläne zur vorsichtigen Öffnung der Kirchen unter bestimmten Sicherheitsvorkehrungen zu Ostern fallen, nachdem die Geistlichen der dänische Folkekirken ihre Besorgnis zum Ausdruck gebracht haben.

Ostern ist das größte und wichtigste Fest der gläubigen Christen, aber dieses Jahr werden die Kirchenbänke wahrscheinlich leer sein – obwohl Kultur- und Kirchenministerin Joy Mogensen (Socialdemokraterne) noch am Mittwoch sagte, die Regierung arbeite daran, den ansonsten geschlossenen Kirchen zu erlauben, in begrenztem Umfang Ostergottesdienste abzuhalten.

Jetzt werden diese Überlegungen von der Kirchenministerin fallengelassen. Das veröffentlichte das Kirchenministerium in einer Pressemitteilung am Donnerstagabend. Es geschieht, nachdem die Pastoren des Landes Bedenken geäußert hatten, ob es gesundheitlich vertretbar wäre, die Beschränkungen zu lockern und die Kirchen zu Ostern teilweise wieder zu öffnen.

„Es bleibt schmerzhaft, dass wir Ostern feiern müssen, ohne in die Kirche gehen zu können. Ich bin jedoch froh, dass die Folkekirken in voller Übereinstimmung zu dem Rest der Gesellschaft steht“, sagte Joy Mogensen in der Pressemitteilung.

Wie viele Teile des öffentlichen Dänemarks sind die Kirchen seit dem 11. März geschlossen, um die Ausbreitung des Coronavirus zu verhindern. Es können jedoch noch Bestattungen stattfinden – abhängig von der Größe der Kirche gibt es jedoch strenge Einschränkungen hinsichtlich der Anzahl der Teilnehmer.

Joy Mogensen traf sich am Donnerstag mit den Bischöfen des Landes. Der Bischof der Diözese København, Peter Skov-Jakobsen, erklärt: „Die Bischöfe verstehen und schätzen, dass die Politiker und die Regierung die Kirche in diesem Punkt behilflich sein wollten“, sagt er und fügt hinzu: „Bei näherer Betrachtung sind die Bischöfe jedoch nicht der Ansicht, dass die Kirche in Bezug auf die Gesellschaft, zu der die Kirche gehört, eine Sonderbehandlung erhalten sollte. Deshalb müssen wir dieses Jahr Ostern anders feiern: Gemeinsam – aber getrennt.“

Mehrere Parlamentssprecher aus den Parteien im Folketing hatten den Wunsch geäußert, die Öffnung der Kirchen zumindest in Erwägung zu ziehen und zu erörtern. Joy Mogensen wird den Parteien nun empfehlen, die Beratungen darüber nicht fortzusetzen.

Die Vorsitzende der rechtspopulistischen Dansk Folkeparti (Dänische Volkspartei), Marie Krarup, ist enttäuscht. „Es ist eine Zeit, in der Menschen ihre Angehörigen vermissen und Angst haben zu sterben. Und gerade jetzt wäre es schön, wenn sie die Osterbotschaft hören könnten“, sagt sie.

Statsministerin Mette Frederiksen (Socialdemokraterne) hat jedoch sowohl auf der Pressekonferenz am Montag als auch in einem Facebook-Beitrag erklärt, dass es entscheidend ist, dass wir leider auch zu Ostern Abstand voneinander halten müssen, wenn bald eine schrittweise Öffnung des Landes beginnen soll.

Dazu sagt Marie Krarup: „Ich denke, ein Kirchenbesuch sollte möglich sein. Wenn es möglich ist, bei Føtex coronasicher einkaufen zu gehen, ist es auch sicher, eine Kirche coronasicher zu betreten und zu verlassen.“

von

Günter Schwarz – 03.04.2020