(Nykøbing) – Die dänischen Revueen schreien jetzt gemeinsam im Chor. Sie glauben, dass die Hilfspakete der Regierung so gestaltet sind, dass die Sommerrevueen des Landes nicht davon profitieren.

Seit 1912 gehören Sommerrevueen zu Nykøbing auf Falster. Hier öffnete das „Nykøbing Falster Revyen“ zum ersten Mal seine Türen für die Öffentlichkeit. 108 Jahre später befindet sich das Theater in einer der vielleicht größten Krisen.

Aufgrund der Coronaepidemie wurde nur die Hälfte der diesjährigen Revuetickets verkauft. Darüber hinaus weiß das Team hinter der Revue nicht, ob es dieses Jahr noch überhaupt einen einzigen Gast begrüßen wird.

Es ist weniger als zwei Wochen her, dass Statsministerin Mette Frederiksen (Socialdemokraterne) bei einer Pressekonferenz sagte, dass Großveranstaltungen bis August abgesagt würden.

Aber was ist eine großes Großveranstaltung? Bei der „Nykøbing Falster Revyen“ ist das Theater bei 629 Zuschauer schon ausverkauft. Der Theaterdirektor weiß jedoch noch nicht, ob es legal ist, so viele Zuschauer zu der geplanten Premierenaufführung am 11. Juni versammeln zu dürfen.

„Es ist schrecklich, weil uns die Antworten der Politiker bezüglich Großveranstaltungen fehlen. Und es ist uns sehr wichtig, es zu wissen, wenn wir 629 Personen in Nykøbing Falster zur Aufführung erwarten. Wir fordern eine Antwort auf diese Frage schon seit fast fünf Wochen“, sagt Mickey Pless, Direktor der „Nykøbing Falster Revyen“.

Er ist auch der Vizepräsident des Verbandes „Danske Revyer“, der die 20 professionellen Revueen in Dänemark vertritt. Hier wird nicht angenommen, dass die verschiedenen Hilfspakete der Regierung so gestaltet sind, dass die Revueen davon angemessen unterstützt werden.

„Derzeit gibt es 20 Sommerrwvueen, die keine Ahnung haben, wo sie stehen. Wir haben trotz wiederholter Anfragen an die Folketingsabgeordneten, der Kulturministerin, den Wirtschaftsminister und der Statsministerin noch keine Antwort erhalten. Wir haben an alle geschrieben, aber wir bekommen keine Antwort“, klagt er.

Die Organisatoren anderer Großveranstaltungen im Sommer haben bereits angekündigt, dass ihre Veranstaltungen auf das nächste Jahr verschoben werden.

Laut „Danske Revyer“ ist dieses jedoch keine Option in der Revuebranche, da ein großer Teil des Geldes bereits für beispielsweise Werbung und Requisiten ausgegeben wurde. Zudem sind bereits für 2021 Pläne für neue Aufführungen geplant.

„Es ist ein bisschen so, als würde man sich ins eigene Knie schießen, weil wir das gleiche Geld auf zwei Stücke Brot verteilen sollen. Mit dem Geld, das wir dieses Jahr bereits für die Produktion ausgegeben haben, können wir nicht 2021 produzieren. Das geht einfach nicht!“ sagt Mickey Pless.

Die Konsequenzen werden auch groß sein, wenn die bereits verkauften Tickets für beispielsweise die „Nykøbing Falster Revyen“ an die Käufer zurückgezahlt werden müssen. Gleiches gilt, wenn die Revue vor halb leeren Rängen gespielt werden soll, da nicht alle Tickets verkauft werden dürfen. In beiden Fällen könnte dieses der Konkurs für die Revue bedeuten.

„Ja, ich würde sagen, dass wir bankrott gehen. Und deshalb brauchen wir so viel Unterstützung, um das Hilfspaket in Anspruch nehmen zu können, das abgesagte Ereignisse kompensiert werden“, sagt er.

Laut Mickey Pless passt das Paket für abgesagte Veranstaltungen nicht für die dänischen Revuetheater. Daher arbeitet der Fachverband hart daran, es anzupassen. Laut Mickey Pless sind die meisten Revueen von der Zuteilung von Hilfsgeldern ausgeschlossen, da es nur für einzelne Veranstaltungen mit mindestens 1.000 Zuschauern gilt. Und die einzige Revue in Dänemark mit mehr als 1.000 Zuschauern pro Aufführung ist die „Circus Revue“.

„Wir möchten, dass das Hilfspaket so geändert wird, dass über mehrere Veranstaltungen hinweg 1.000 Zuschauer berücksichtigt werden, da dann allen dänischen Sommerrevueen geholfen wäre“, sagt der Revuedirektor.

Am Freitag war es nicht möglich, einen Kommentar zur Kritik von Kulturministerin Joy Mogensen (Socialdemokraterne) zu erhalten, die an den Verhandlungen der Regierung über die weitere Wiedereröffnung der dänischen Gesellschaft teilnimmt. Sie hat jedoch unter anderem eine Nachricht an die Sommerrevueen auf ihrer Facebook-Seite geschrieben.

„Die Revueen, die Konzerte im Freien, die Sommerspiele, die Zirkusshows, die großen kulturellen Veranstaltungen und die kleineren Festivals – ich weiß, dass sie derzeit auf heißen Kohlen sitzen, um herauszufinden, ob Ihre Veranstaltung während der Sommermonate stattfinden kann. Sie gehören zum dänischen Sommer – und sie werden nicht vergessen. Sie sollen wissen, dass die Regierung und die Parteien im Folketing Schwierigkeiten haben, ihnen jetzt Antworten auf Ihre Fragen zu geben, die mögliche Lösungen für sie in Aussicht stellen“, schreibt Joy Mogensen.

Bei Revuedirektor Mickey Pless wird diese Nachricht mit gemischten Gefühlen aufgenommen. „Es ist schön, dass sie sich Gedanken machen, aber jetzt möchte ich etwas sehen, bevor ich es glauben kann. Aber es wäre schön, wenn sie eine Lösung fänden. Das begrüße ich sehr“, sagt er.

von

Günter Schwarz – 19.04.2020