(Kiel) – Nach dem deutlichen Rückgang der Allgemeinkriminalität seit Beginn der Corona-Pandemie verzeichnete das Landeskriminalamt Schleswig-Holstein in der vergangenen Woche erstmals wieder eine Zunahme der Delikte, wenn auch deutlich unter dem Niveau des Vergleichszeitraumes im Vorjahr.

Ein besonderes Augenmerk der Ermittler gilt derzeit der Entwicklung bei einigen Betrugsphänomenen. So besteht der Verdacht, dass Betrüger derzeit auch in Schleswig-Holstein die eigentlich den besonders belasteten Kleinunternehmen vorbehaltenen Corona-Soforthilfen nutzen, um sich zu bereichern.

Staatliche Hilfen könnten ohne Berechtigung zum Beispiel für gar nicht oder nicht mehr existente Unternehmen beantragt und auch ausgezahlt worden sein. Noch liegen zwar nur wenige Anzeigen vor, aber es wird befürchtet, dass diese Zahlen noch zunehmen könnten. Polizei und Staatsanwaltschaft haben vereinbart, diese Subventionsbetrügereien konsequent zu verfolgen. Sie stehen hierzu im Austausch mit anderen beteiligten Behörden und Institutionen, um in solchen Fällen schnell handeln zu können. Diese Variante zeigt, wie die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, die sich im Verlauf der weltweiten Corona-Pandemie täglich ändern, Betrügern vielfältige Tatgelegenheiten bieten.

Bürgerinnen und Bürger, die sich jeden Tag mit neuen Anforderungen wie z. B. der jüngst beschlossenen Maskenpflicht konfrontiert sehen, könnten so leicht verunsichert und Opfer eines Betruges werden. Überall dort, wo eine große Nachfrage, aber nur ein kleines Angebot existiert, haben Betrüger leichtes Spiel. Die Fallzahlen haben zwar kein besorgniserregendes Ausmaß angenommen, aber dennoch müssen sich die Ermittlungsbehörden auf die Fähigkeit der Betrüger, sich die neue Corona-Lage zunutze zu machen, einstellen.

Auch wenn die Geschäfte teilweise wieder öffnen, sehen viele in Online-Bestellungen derzeit eine Alternative. Mit mehr Onlinehandel geht für den Kunden aber auch die Gefahr einher, an einen Fake-Shop zu geraten. So gehen bei der Polizei vermehrt Anzeigen zu diesem Thema ein. Die Fallzahlen haben sich gegenüber dem Vorjahreszeitraum auf deutlich über 100 mehr als verdoppelt. So hat beispielsweise ein geschädigtes Unternehmen aus Schleswig-Holstein bereits Anfang März bei einem Fake-Shop tausende Anti-Viren-Schutzmasken und hunderte Liter Desinfektionsmittel für mehrere Zehntausend Euro bestellt und bezahlt, dann aber nicht geliefert bekommen.

Auch auf Kleinanzeigen-Portalen oder Auktionsplattformen im Internet finden die Betrüger ihre Opfer. Sie stellen dort in Corona-Zeiten beliebte Waren wie Desinfektionsmittel oder Spielekonsolen zum Verkauf ein, lassen sich die Ware per Vorkasse bezahlen und liefern entweder gar nicht oder nur minderwertige Produkte. Ganz perfide wird diese Masche, wenn die Betrüger dafür fremde Accounts „hacken“ und so von deren bis dahin guten Bewertungen profitieren. Der Polizei in Schleswig-Holstein sind zwar bislang noch keine auf unser Bundesland zugeschnittenen Corona-Phishing-E-Mails oder Corona-Fake-Webseiten bekannt.

Die Gefahr, dass zum Beispiel E-Mails mit Corona-Bezug auftauchen und den Nutzer zum Anklicken von Dateianhängen oder Internet-Links bewegen wollen, ist aber absolut real. Genauso sind in anderen Bundesländern bereits gefakte Webseiten aufgetaucht, die Unternehmern Corona-Soforthilfen versprachen, aber tatsächlich nur die Daten des Antragstellers abgegriffen haben. Mit diesen Daten könnten sich die Betrüger dann Subventionen auf das eigene Konto überweisen lassen. Mittlerweile wird im LKA ein dauerhaftes Internetmonitoring betrieben, um neu auftretende „Fake-Webseiten“ idealerweise frühzeitig erkennen und aus dem Netz nehmen zu können.

Wie können sich Bürgerinnen und Bürger, aber auch Firmen, vor Betrügern schützen? – Wenn ein Angebot auf den ersten Blick zu gut aussieht, um wahr zu sein, sollte man im Zweifel darauf verzichten. – Den Namen eines fremden Webshops sollte man vor der Bestellung mitsamt dem Zusatz „Betrug“ googeln. Das Internet ist manchmal schneller als die Polizei, neue Fake-Shops werden im Netz sehr schnell als mögliche Betrugsquelle entlarvt. – Besondere Vorsicht sollte man beim Bezahlen walten lassen: – Sicher sind Bezahlungen per Rechnung oder mittels Bezahlsystemen mit Käuferschutz wie PayPal und im gewissen Umfang auch per Nachnahme.

Ausländische Shops und insbesondere ausländische Konten müssen nicht zwangsläufig gefährlich sein, sollten aber mit größerer Vorsicht betrachtet werden. Die Anfangsbuchstaben der IBAN geben Auskunft über die Nationalität. Gleiches gilt beim Bezahlen per Vorkasse und insbesondere, wenn unübliche Bezahlwege wie z. B. über Bargeldtransferfirmen wie z. B. Western Union beschritten werden sollen. – In Zusammenhang mit der Beantragung von Corona-Soforthilfen dürfen nur offizielle Webseiten der Bundesregierung, der Bundesländer oder der Landesbanken genutzt werden

Weitere Präventionshinweise bietet die Webseite www.polizei-beratung.de , die sogar eine eigene „Corona-Sektion“ enthält.

Quelle: Pressemitteilung des Landeskriminalamts Schleswig-Holstein vom 04.05.2020 um 09:57 Uhr

überarbeitet und veröffentlicht von

Günter Schwarz – 04.05.2020