(Silkeborg) – Seit 1861 fährt die „Hjejlen“ auf den Seen von Silkeborg. Jetzt könnte die Corona-Epidemie dem ältesten Raddampfer der Welt ein Ende setzen. Seit 159 Jahren transportiert der Raddampfer „Hjejlen“ Touristen auf der Gudenå und den Seen um Silkeborg – 158 Jahre, wenn Sie 2020 nicht zählen.

Der Raddampfer „Hjejlen“ ist der Inbegriff von Silkeborg – und die „Hjejleselskabet“ (Hjejlengesellschaft), die hinter insgesamt neun Schiffen steht, wurde 1861 von Michael Drewsen gegründet.

„Es ist das Gesicht der Stadt, das die „Hjejleselskabet“ geschaffen hat. Es wird ein großes Stück Silkeborg zerreißen, wenn die ,Hjejlen‘ verschwindet“, sagt Steen Vindum (Venstre / Rechtsliberale Partei), Bürgermeister von Silkeborg.

Vor Jahren gab es eine Geschichte, dass die „Hjejlen“ an die westlich gelegene Nachbarstadt Herning verkauft worden war, erzählt der Bürgermeister. „Es stellte sich heraus, dass es ein Aprilscherz war, aber es verursachte in der Bevölkerung eine große Katastrophe und Aufregung“, sagt Steen Vindum. Für die Stadtbewohner ist es nicht unvorstellbar, dass die „Hjejlen“ Silkeborg verlässt, wenn die Gesellschaft in Konkurs geht und das Schiff an den Meistbietenden verkauft werden muss.

„Niemand hat Interesse daran, dass die ,Hjejlen‘ an einen Ölscheich in Dubai verkauft wird oder zukünftig durch die Grachten Amsterdams fährt. Die ,Hjejlen‘ gehört nach Silkeborg, weshalb wir diesen Bankrott vermeiden müssen“, sagt Thomas Klostergaard, Geschäftsführer der „Hjejleselskabet“.

Geschäftsführer der „Hjejleselskabet“, Thomas Klostergaard.

Die „Hjejleselskabet“ braucht dringend Hilfe von außen. In Silkeborg wurde eine Sammlung gestartet, für die JCI (Junior Chamber International) verantwortlich ist. Die Gesellschaft steht unter Druck, weil sie aufgrund der Coronakrise nicht mit Gästen fahren oder das Schiff nicht an Firmen verchartern kann. Im Moment wird geprüft, ob es ab dem 8. Juni wieder mit Gästen fahren kann.

„Mit den bevorstehenden Aussichten werden wir 2020 nicht in der Lage sein, eine vollständige Saison zu fahren. Daher ist unsere Existenzgrundlage bedroht, wenn wir keine Hilfe erhalten“, sagt Thomas Klostergaard.

Wenn die „Hjejlen“ 2020 nicht unter Dampf kommt, wird das dahinter stehende Unternehmen „Hjejleselskabet“ etwa fünf Millionen Kronen (670.700 Euro) Verlust machen.

Das Unternehmen verfügt über ein Eigenkapital von 2,1 Mio. Kronen (281.700 Euro) und wird voraussichtlich im Jahr 2020 fünf Mio. Kronen Verlust machen, wenn sich das schlimmste Szenario ereignet und es überhaupt nicht aufs Wasser kommt. „Jetzt sind wir in der Zeit, in der wir Geld verdienen sollten – stattdessen zahlen wir den Leuten das Geld für ihre gebuchten Touren mit dem Schiff zurück. Die Dinge bewegen sich also völlig in die falsche Richtung“, sagt Thomas Klostergaard.

Die „Hjejlen“ und die anderen acht Schiffe verdienen von Mai bis Ende September ihr Geld. So ist es seit 159 Jahren. Im Winter müssen die Shiffe gewartet werden, und das kostet viel Geld.

Die „Hjejleselskabet“ ist offiziell eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung mit 300 ausgegebenen Anteilsscheinen, von denen jeder einen Wert von 100 kronen (13,41 Euro) hat. Die Gemeinde Silkeborg besitzt 20 Prozent des Unternehmens – insgesamt 60 Anteilsscheine.

An die Anteilseigner werden keine Dividenden gezahlt, und es gibt keinen Wechselkurs, und für viele der Eigentümer wurden die Scheine seit Generationen von Anfang an weitervererbt. „Es ist eine Art Aktie mit einem gewissen Zuneigungswert. Deshalb ist es ein Schatz, den sie haben, weil sie stolz darauf sind, Teil der ,Hjejleselskabet‘ zu sein“, sagt Thomas Klostergaard.

„Die ,Hjejlen‘ bedeutet uns allen sehr viel. Sie ist Teil unseres Stolzes hier in Silkeborg“, sagt Sonja Marie Overgaard, Vorsitzende der JCI in Silkeborg. Sie leitet eine Organisation für junge Führungskräfte und Unternehmer unter 40 Jahren. Bisher hat die Spendenaktion fast 800.000 Kronen (107.300 Euro) von über 400 verschiedenen Spendern gesammelt. „Wir waren von der großen Unterstützung durch die Bevölkerung überrascht. Es gibt viele, die ihre Liebe zum Überleben von ,Hjejlen‘ zum Ausdruck bringen“, sagt Sonja Marie Overgaard.

Da die „Hjejleselskabet“ eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung ist und nur zwischen Mai und Ende September ihre Schiffe fahren lässt, konnten sie nicht wirklich von den Corona-Hilfspaketen profitieren, die das Folketing beschlossen hat – abgesehen davon, dass sie einen Prozentsatz ihrer Fixkosten für eine Zeit erhalten hat.

„Die ,Hjejlen‘ ist eine Touristenattraktion und gehört zur Kulturgeschichte der Stadt. Die Gesellschaft ist kein Unternehmen mit reichen, gewinnhungrigen Aktionären“, sagt Bürgermeister Steen Vindum, der nicht verstehen kann, dass es für den alten Dampfer keine Hilfe geben soll.

Normalerweise sind im Hafen von Silkeborg 65 Mitarbeiter der „Hjejleselskabet“ beschäftigt – vier sind fest angestellt, der Rest sind Saisonarbeiter. „In dieser Zeit wurde allen gekündigt, aber wir arbeiten an einer Lösung“, sagt Thomas Klostergaard, Geschäftsführer der „Hjejleselskabet“.

Es wird erwartet, dass jeder nach dieser Krise wieder eingestellt wird, sagt der Geschäftsführer. „Wir haben ein fantastisches Team, sowohl Festangestellte als auch Saisonarbeiter, was für das Unternehmen von entscheidender Bedeutung ist. Es geht darum, zukünftige finanzielle Verpflichtungen bedienen zu können“, sagt Thomas Klostergaard.

Alle Mitarbeiter sind entlassen – auch die Maschinenbauingenieurin Karen Marie Brøgger.

Im Moment arbeiten sie unter hohem Druck, um eine Lösung zu finden, damit sie wieder fahren können. Die „Hjejlen“ und die verbleibenden acht Schiffe unterliegen nicht nur Einschränkungen der Gesundheitsbehörden und behördlichen Vorschriften, sondern müssen auch die Sicherheitsanforderungen der dänischen Seebehörde berücksichtigen.

„Wir brauchen die Genehmigung, um loszulegen. Wir hoffen, dass es nach dem 8. Juni die Versammlung von bis zu 50 Personen und einer Entfernung von einem Meter sein wird. In diesem Szenario besteht die Hoffnung, dass wir dieses Jahr mit einem sehr begrenzten Plan fahren können“, sagt Thomas Klostergaard.

Aber die Sicherheit und das Wohlbefinden der Gäste müssen in Ordnung sein, bevor die Schiffe wieder fahren, erklärt der Geschäftsführer. Außerdem müssen wir herausfinden, ob es sich auszahlt, zu fahren, und was es am Ende kosten wird. „Es wäre finanziell unverantwortlich von uns in dieser Situation, die Leinen loszuwerfen, wenn die finanzielle Herausforderung damit noch größer wird“, sagt Thomas Klostergaard.

Es ist geplant, das Geld aus der Sammlung für die Einrichtung eines Fonds für die Aktivitäten der Schiffe der „Hjejleselskabet“ auszugeben. In diesem Fall hat die Kommune Silkeborg dem Fonds 1,5 Mio. Kronen (201.200 Euro) Hilfe pro Jahr genehmigt. Wer mehr als 500 Kronen (67 Euro) für die Rettung der „Hjejlen“ spendet, wird auch Mitglied des Fonds bzw. der Stiftung.

„Indem Sie die ,Hjejlen‘ retten, werden Sie auch Teil der ,Hjejlen‘. Die Unterstützung, die wir erhalten, ist entscheidend“, sagt Thomas Klostergaard, Geschäftsfüher der „Hjejleselskabet“. Historisch gesehen ist die „Hjejlen“ seit anderthalb Jahrhunderten jedes Jahr gefahren. Deshalb wollen wie sie dieses Jahr auch wieder auf das Wasser bringen, sagt der Geschäftsführer.

„Die Gesellschaft gibt es seit 159 Jahren, und sie hat zwei Weltkriege und alles andere durchgemacht. Deshalb arbeiten wir hart daran, dass wir auch diese herausfordernde Situation überstehen, die sich auf der ganzen Welt verbreitet hat“, sagt Thomas Klostergaard.

Am Donnerstag, den 21. Mai, wird der Folkrock-Musiker Lars Lilholt ein Unterstützungskonzert für die „Hjejlen“ geben.

von

Günter Schwarz – 19.05.2020