(Aarhus / Allingåbro) – Ein 12-jähriges Mädchen wurde im Bus abgelehnt, weil sie ihr Ticket mit Bargeld bezahlen wollte. Ein schwieriger Balanceakt, lautet es von der Verkehrsgesellschaft „Midttrafik“ mit Sitz in Aarhus.

Obwohl die überwiegende Mehrheit der Menschen heutzutage Reisekarten oder mobile Tickets verwendet, gibt es immer noch Passagiere, die ein Ticket in bar im Bus kaufen. Aber das geht gerade nicht.

Aufgrund des COVID-19 nimmt „Midttrafik“ kein Bargeld in den Bussen an. Das bekam letzten Montag Karina Elkjær Hansens 12-jährige Tochter zu spüren.

„Der Busfahrer wies sie ab und nahm sie nicht mit, wobei er ihr mitteilte, dass sie in diesen Monaten nicht bar bezahlen könnte“, sagt Karina Elkjær Hansen aus Allingåbro. Die Tochter wollte mit dem Bus zu einer Freundin fahren, aber da das Mädchen nur Münzen für das Ticket hatte, wurden sie abgelehnt.

„Ich war ein wenig erschüttert und dachte: ,Was zum Teufel ist das?‘ Es gibt normalerweise keine Probleme, und sie sagte, sie hatte sogar Geld dabei. In meiner Welt war das noch kein Problem“, sagt Karina Elkjær Hansen.

Karina Elkjær Hansen versteht nicht, warum ihre Tochter nicht mit dem Bus fahren durfte.

Laut dem Seniorenverband „Ældresagen“ in Favrskov musste ein 60-jähriger Mann letzte Woche die gleiche Erfahrung machen. Er wurde am Hadsten Bahnhof abgelehnt, mitgenommen zu werden, da er nur Bargeld hatte.

„Ich denke, es ist eine sehr unwürdige Behandlung eines Mannes, der schwach auf den Beinen ist. Alles in allem ist es ohnehin eine unwürdige Behandlung“, sagt Hugo Strunge Frank, Vorsitzender des „Ældresagen“ in Favrskov.

Wir haben mit dem älteren Mann gesprochen, der nicht mitgenommen wurde, und er sagt, dass er einige Male kostenlos mitfahren durfte. Aber am Donnerstag ging es nicht.

Randi Nørlem ist eine der Busfahrerinnen im Dilemma. Sie hat einige Kinder oder ältere Menschen in den Bus steigen lassen, wenn sie nur Bargeld hatten und nicht daran gewöhnt sind, mit dem Bus zu fahren.

Die Debatte auf Facebook ist seit dieser Geschichte lebhaft. Viele schreiben, dass es in Dänemark nicht legal ist, Bargeld als Zahlungsmittel abzulehnen. Aber der Fall ist wegen der Coronasituation etwas diffiziler. Tatsächlich hat der Verkehrsminister Benny Engelbrecht (Socialdemokraterne) die Busunternehmen direkt aufgefordert, kein Bargeld anzunehmen. Und das ist die Praxis der Gesellschaft „Midttrafik“.

„ Nun ist es wahr, dass jeder bezahlen muss, um mit dem Bus und der Stadtbahn zu fahren. Hier in der Corona-Situation hat der Verkehrsminister die ,Midtrafik‘ und die anderen Transportunternehmen gebeten, den Verkauf von Ticket im Bus einzustellen“, sagt Michael Steinberg, Sprecher von „Midtrafik“.

Derzeit entscheidet der Bürgerbeauftragte in mehreren ähnlichen Fällen, ob Covid-19 als Grund für die Ablehnung der Barzahlung verwendet werden kann, öffentliche Verkehrsmittel nicht benutzen zu dürfen. Bis dieses geklärt ist, hat „Midttrafik“ die Fahrer jetzt aufgefordert, die Passagiere kostenlos mitzunehmen, wenn sie feststellen, dass der Kunde keine anderen Optionen hat.

„Wir sind uns bewusst, dass es für die Fahrer im Moment schwierig ist, sich in einer Situation angemessen zu verhalten. Deshalb haben wir sie angewiesen, einem Kunden, der an erster Stelle steht und ein Ticket mit Bargeld kaufen möchte, Entgegenkommen zu zeigen“, sagt Michael Steinberg.

Michael Steinberg räumt ein, dass es für die Fahrer ein schwieriger Balanceakt sein kann.

„Es ist schwierig, genau zu sagen, wo sich die Ausgewogenheit befindet. Wenn der Kunde erstmals in den Bus steigt und nur Bargeld bei sich hat, kann er kostenlos mitkommen. Aber wenn der Kunde es wiederholt macht, muss er abgelehnt werden“, sagt er.

Um die Ausbreitung von Infektionen zu stoppen, lehnen die Verkehrsunternehmen Kunden mit Bargeld ab. Trotzdem glaubt Karina Elkjær Hansen, dass diese Praxis unmöglich ist.

„Ja sicher wollen sie eine Infektion unter ihren Fahrern vermeiden. Aber überall sonst bekommt man Gummihandschuhe und Desinfektionsmittel, und dann kann man die Leute bitten, ihre Hände zu desinfizieren, bevor man mit Bargeld bezahlt. Oder sie können die Fahrer bitten, Handschuhe zu tragen“, meint Karina Elkjær Hansen.

„Midttrafik“ bittet Kunden, Tickets über andere digitale Dienste zu kaufen oder Periodenkarten oder ähnliches zu verwenden. Darüber hinaus geben sie an, dass nur eine sehr kleine Anzahl von Kunden immer noch ein Ticket mit Bargeld bezahlen möchte.

von

Günter Schwarz – 27.05.2020