Eine Urkunde des römischen Kaisers Konstantin aus dem Jahr 321 gilt als erster Nachweis, dass Juden auf dem Gebiet nördlich der Alpen, dem heutigen Deutschland, lebten. Sie gilt als ältester Beleg jüdischen Lebens im heutigen Deutschland, das seinerzeit noch nicht als Staat, Nation oder noch nicht einmal dem Namen nach gab.

Somit war der jüdische Glaube bereits vor der Christianisierung der Germanen im Land, die im fränkischen Reich erst vom Ende des 5. Jahrhunderts an erfolgte, und sie dauerte bis zum frühen 9. Jahrhundert, und die Christianisierung der Angelsachsen reichte vom Ende des 6. bis zum 7. Jahrhundert. Die Christianisierung des Nordens Europas wie z. B. Dänemarks und Schwedens fand dann erst im 10. und 11. Jahrhundert statt.

Geplant sind für das kommende Jahr bundesweite Jubiläums-Veranstaltungen, zum Beispiel Ausstellungen und Feste in Synagogen. Organisiert wird das Festjahr vom Verein „321 – 1.700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“, der vom Zentralrat der Juden in Deutschland, das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) und der Deutsche Evangelische Kirchentag gegründet wurde. In den Veranstaltungen soll gezeigt werden, welchen Beitrag Juden zur kulturellen Entwicklung des Deutschlands geleistet und welche Bedeutung die jüdische Kultur und Geschichte für Deutschland und Europa haben.

Deutschland und das Abendland seien christlich-jüdisch geprägt, heißt es derzeit häufig. Das klingt so, als sei jahrhundertelang alles ganz wunderbar gelaufen zwischen Christen und Juden. Manche Juden wie der Historiker Michael Wolffsohn reagieren darauf allergisch. Es gab Zeiten der Blüte, aber genauso Zeiten der brutalen Verfolgung und Ausgrenzung. Der älteste schriftliche Nachweis stammt aus dem Jahr 321 aus Köln. Damals erlaubte der römische Kaiser Konstantin seinem Statthalter in Colonia (Köln), auch Juden in den Rat zu berufen.

Im Karolingerreich tauchten Juden vor allem als einzelne Händler oder Diplomaten auf. Die ältesten urkundlich bezeugten jüdischen Gemeinden siedelten seit dem 10. Jahrhundert in Bischofsstädten wie Mainz, Trier, Worms und Speyer. Auch in Regensburg sind bereits für das Jahr 981 Juden als Einwohner bezeugt.

Im ausgehenden 10. Jahrhundert gab es nach Schätzungen rund 4.000 bis 5.000 jüdische Einwohner im Reich. Bis 1350 erreichten die Gemeinden ihren zahlenmäßigen und kulturellen Höchststand. Fürsten und Bischöfe stellten die Juden unter Schutz und verliehen ihnen Handelsprivilegien. Händler, Geldverleiher oder Verwalter von Münzstätten: Die wirtschaftliche Bedeutung der Juden in den neu entstehenden Städten des ausgehenden 12. und des 13. Jahrhunderts dokumentiert sich in der marktnahen Lage des jeweiligen Judenviertels. In Mainz, Worms und Speyer entstanden im 11. Jahrhundert zudem bedeutende Gelehrtenschulen.

von

Günter Schwarz – 29.05.2020