Ein Unternehungsberater nennt es sowohl ernst als auch peinlich, wenn Greta Thunberg ihre Anhänger auf die Abwasserableitung in København aufmerksam macht. „Es erschüttert unser Selbstwertgefühl“, sagt er.

Wenn die 17-jährige schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg sich darüber äußert, ist es nicht nur eine Frage einer Person, die sich auf Twitter über den Umgang Dänemarks mit Abwasser ärgert. Das ist die Meinung des Unternehmensberaters Frederik Preisler.

„Es ist ernst, wenn eine so prominente Persönlichkeit wie sie, die wir alle vor einem Jahr auf Christiansborgs Slotsplats gewürdigt haben, auf das aufmerksam macht, was wir tun, erzählt er.

Am Mittwoch schrieb Greta Thunberg an ihre 4,1 Millionen Anhänger: „Dänemark leitete 290 Millionen Liter ungefiltertes Toilettenwasser ins Meer ein. Es stellt sich heraus, dass København seit 2014 bereits 35 Milliarden Liter Abwasser in den Sund eingeleitet hat. Es ist peinlich!“

„Es ist ein wenig beschämend für uns, dass jedes Mal, wenn wir das ,grüne Fahrertrikot‘ erobern wollen, etwas in unserem System passiert, das zeigt, dass das allgemeine Bewusstsein der Dänen, klimabewusst zu handeln, nicht vorhanden ist“, sagt er.

Der Unternehmensberater verweist auf Københavns Bestreben, 2025 klimaneutral zu sein, sieht aber auch kein Problem darin, eine große Menge Abwasser in den Øresund zu leiten.

Greta Thunberg schreibt auch auf Twitter über das Ziel der Klimaneutralität. „Ja, dasselbe København, das sagt, dass es 2025 ,klimaneutral‘ sein will“, schreibt sie in Bezug auf die Emission.

Die Frage der geplanten Einleitung von 290 Millionen Litern Abwasser hat erhebliche politische Aufmerksamkeit erhalten. Erstens kam die Nachricht, dass die Einleitung nicht gestoppt werden konnte, und später wurde dann das Ende der Einleitung auf den Oktober verschoben.

Ninna Hedeager Olsen, Bürgermeisterin für Technologie und Umwelt in der Stadt København, teilte Anfang dieser Woche mit, dass die politische Abwasserentsorgung zu wenig im Fokus stehe.

Genau auf diesen Mangel an Fokus legt auch Frederik Preisler Wert. „Niemand hat jemals darüber nachgedacht und wie es mit unserer allgemeinen Einstellung zum Klima zusammenhängt. Es tut am meisten weh, weil sich herausstellt, dass wir diesen Teil des Geschäfts nicht wirklich kontrollieren. Wir beginnen zu bezweifeln, ob die von den Behörden gepredigten Klimabestrebungen wirklich auch geteilt werden“, erklärt Frederik Preisler und fährt fort: „Wenn wir mit unseren Klimabestrebungen Erfolg haben wollen, muss es überall einen kulturellen Wandel geben. Man kann nicht sagen, dass wir dieses Klima momentan für einen Moment vergessen“, schließt er.

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Günter Schwarz – 29.05.2020