Immer wieder wandert das Thema „Meinungsfreiheit“ durch die Medien und nicht selten wird Medien und Staat eine Einschränkung der grundgesetzlich geregelten Meinungsfreiheit vorgeworfen, die in Artikel 5 des Grundgesetzes geregelt ist, wonach die freie Äußerung und (öffentliche) Verbreitung einer Meinung in Wort, Schrift und Bild sowie allen weiteren verfügbaren Übertragungsmitteln gewährleistet ist.

„Man dürfe nicht mehr alles sagen“, lautet der kollektive Vorwurf.

Bei genauer und objektiver Betrachtung stimmt dieser Vorwurf auch. Allerdings zeichnet sich in erster Instanz nicht der Staat verantwortlich für diese „Meinungsdiktatur“, sondern vielmehr ein pöbelnder Mob selbsternannter „Sittenwächter“ etablierter Meinung(en). 

Sofern man z. B. in den sozialen Medien eine nicht gängige Meinung vertritt, so hat man keine Repressalien oder Stafen seitens des Staates zu erwarten, sehr wohl aber einen Fackeln und Mistgabeln schwingenden Mob, der zu allem bereit ist und was in dem wohlbekannten „Shitstorm“ auswirkt. 

Selbst wenn eine Aussage keine strafrechtliche Relevanz hat und aus rechtsstaatlicher Sicht komplett unbeachtet bliebe, so zögert „der Mob“ keine Sekunde, den Urheber massiv zu beleidigen, zu beschimpfen und gar zu bedrohen oder in einigen Fällen auch das soziale Umfeld wie Wohnungs- und Arbeitgeber über die „schändlichen Missetaten“ zu informieren. – von Morddrohungen ganz abgesehen

Solche „Shitstorms“ setzen Privatpersonen oftmals psychisch dermaßen unter Druck, dass diese sich dann komplett aus einem Medium zurückziehen, Accounts löschen, oder sich jedenfalls aus Angst in Zukunft nicht mehr zu bestimmten Themen „frei äußern“. 

Wir finden die Erkenntnis von Michail Afanassjewitsch Bulgakow ganz amüsant, der bereits in dem 1940 erschienenen Roman „Meister und Margarita“ die These vertrat, dass die „Natur“ des Menschen sich nicht ändern würde. 

Zwar behaupten wir, zivilisiert und modern zu sein… auf der anderen Seite werden da (virtuell) Fakeln und Mistgabeln geschwungen wie in den Glanzzeiten der Selbstjustiz im Mittelalter und der Steinzeit. Zwar dürfen wir niemanden mehr auf dem Marktplatz anzünden… wir können aber wenigstens dafür sorgen, dass er/sie Arbeitsplatz und Wohnung,, das soziale Umfeld, bzw die Existenzgrundlage verliert! Das ist man der korrekten Meinung schuldig! 

Bevor man also dem ÖRR Meinungsdiktatur vorwirft, sollte man sich an die eigene Nase fassen – und da ist EINIGES an Nase da, wie man mit all denen umgeht, die eine andere Meinung vertreten, als die eigene. 

Wir halten uns aus solchen „Diskussionen“ inzwischen auch vollständig heraus. Frei nach Bulgakow: „Manchmal ist die beste Art, einen Menschen zugrunde zu richten, ihn sein Schicksal selbst wählen zu lassen.“