(Sorø) – Tausende Bienen waren am Samstagmorgen von einem von Michael Furus Bienenstöcke zum Apfelbaum des Nachbarn geflohen, über deren Rettungsaktion der Imker jetzt berichtet.

Am Samstag waren sowohl Michael Furu Nielsen als auch sein Nachbar in Sorø im Herzen Sjællands (Seelands) von den vielen Bienen überrascht, die noch nichts von dem Versammlungsverbot wegen des Coronavirus gehört hatten. Bis zu 20.000 ungebetene Gäste waren beim Nachbarn eingezogen. Die Reisenden kamen aus einem von Michael Furus Bienenstöcken. Die Bienen hatten sich entschieden, über Nacht auszuziehen, und die jetzt hoch oben im Apfelbaum des Nachbarn saßen.

„Es war unser Nachbar, der mich darauf aufmerksam gemacht hat, dass die Bienen zu ihm geflogen sind“, sagt Michael Furu, der im dritten Jahr Bienen züchtet. Er hatte nicht einmal bemerkt, dass die 20.000 Bienen aus dem Stock vertrieben wurden, in der normalerweise bis zu 60.000 Bienen leben.

Der Grund für die wandernden Bienen – in der Fachsprache Bienenschwärmen genannt – muss an der bevorstehenden Honigernte liegen.

Die Bienen sind weggeflogen. „Es liegt in ihrer Natur, dieses zu tun, wenn die Bienen nicht genug Platz haben“, sagt der Imker, der hier hoch geklettert ist, um die Bienen in einem Netz zu fangen.

„Die Bienen flogen weg. Es ist in ihrer Art der Natur, es zu tun, wenn sie nicht genug Platz haben. Dann machen sie sich eine neue Königin, trennen sich vom Schwarm und fliegen zu einem neuen Lebensraum“, sagt er. Es ist nur ein paar Wochen her, seit die Bienen etwas ähnliches getan haben. Hier flogen sie in den Wald und Michael Furu hat sie seitdem nicht mehr gesehen. Daher war er froh, dass sich die Bienen sich dieses Mal in der Nähe niedergelassen hatten.

Hoch oben im Apfelbaum des Nachbarn hatte sich der Bienenwarm versammelt, während Pfadfinderbienen auf der Suche nach einem neuen Wohnort ausschwärmten.

„Die Bienen haben sich vorher gut Honig für die Reise ,eingepackt‘, und deshalb ist ein Bienenschwarm auch nicht gefährlich. Aber man muss den Schwarm finden. Ein anderes Problem ist, die Bienen zurück in einen Stock zu bringen. Einige Überlegungen mussten schon angestellt werden“, sagt Michael Furu.

Hoch oben im Apfelbaum des Nachbarn hatten sich die Bienen in einem großen Stück versammelt. In der Mitte saß die Königin und draußen drumherum alle weiblichen Bienen, die die hilflose Königin beschützten, während Pfadfinderbienen auf der Suche nach einem neuen Staat durch die Gegend schwärmten.

„Ich habe es gelassen, weil ich wusste, dass die Bienen mit den Mägen voller Honig ruhig waren. Hätte ich es nicht gewusst, wäre ich wahrscheinlich nicht so mutig gewesen“, sagt Michael Furu lachend und erklärt weiter: „Ich ging im Garten meines Nachbarn hin und her und überlegte, was hier am klügsten war. Glücklicherweise konnten wir eine Leiter ziemlich nahe an den Schwarm heranstellen, der sich um einen Ast im Apfelbaum versammelt hatte. Es war mir eine große Hilfe.“

Ein mitgebrachter Bienenstock und ein weißes Tuch ermöglichten es, die Bienen nach Hause zu bringen.

Der Ast, auf dem sich die Bienen versammelt hatten, wurde abgeschnitten und anschließend vor einem leeren Stock gelegt, den der Imker in den Garten geholt und auf ein weißes Tuch gestellt hatte. Diese Methode war ihm von einem Imkerkollegen empfohlen worden. „Ich weiß nicht warum, aber sie folgten dem weißen Stoff. Und es hat funktioniert“ berichtet er.

„In dem Stock gab es Wachstafeln – etwas, von dem die Bienen angezogen werden – und nachdem die ersten Bienen wieder mit der neuen Wohnung verbunden wurden, flogen auch die anderen Bienen in Richtung des Stocks“, sagt der Imker.

Nachdem die Bienen den Stock verlassen hatten, war es sehr bewegend.

Wenn die ersten Bienen hereinkommen und sehen, dass es ein schöner Ort ist, fliegen sie zu den anderen, und dann ziehen alle ein. Die Methode des Anziehens ist eine Alternative zum Stoßen der Bienen in den Stock, was laut dem Imker eine brutalere Art ist, die Bienen wieder in den Stock zu bringen.

„Es ist super erstaunlich zu erleben. Als Imker ist das nicht ungewöhnlich, aber es ist das erste Mal, dass ich sie so fliegen und in ihren Stock einziehen sehe. Und für andere Menschen ist es äußerst selten, einen solchen Schwarm zu erleben“, sagt er.

Michael Furu ist sehr zufrieden mit der gestrigen Rettungsmission der 20.000 Bienen.

Der ganze Umzug dauerte ungefähr eine Stunde. Danach konnte Michael Furu seine Bienen nach Hause tragen. Die Anstrengung brachte auch etwas Gutes. „Ich wollte schon drei neue Schwärme gründen, die irgendwo neu stehen müssen. Es erfordert eine neue Königin für jeden Schwarm, und jetzt habe ich eine Königin. Das war also schon wert.“

von

Günter Schwarz – 01.06.2020