(København) – Die Socialdemokraterne, die Vensttre (Rechtsliberale Partei) und Det Konservative Folkeparti unterstützen Vorschläge der linksliberalen Radikale Venstre und der Centerpartiet (Zentrumspartei) in Schweden, den Øresund in einen marinen Nationalpark zu verwandeln. Damit ist der Øresund dem Ende von der Einleitung ungereinigten Abwassers einen Schritt näher gekommen.

Dieses ist klar, nachdem sich eine parlamentarische Mehrheit des Folketings auf Christiansborg dafür entschieden hat, um das Meeresgebiet zu einem Meeresnationalpark zu machen. So unterstützen die Socialdemokraterne, die Venstre und Det Konservative Folkeparti den ursprünglichen Vorschlag der linksliberalen Radikale Venstre und der Centretpartiet (Zentrumspartei) in Schweden, den Øresund zu einem Meeresnationalpark mit dem höchsten Schutz der UNESCO als Biosphärenreservat zu machen.

„Wir denken, es klingt nach einem sehr zukunftsweisenden Vorschlag und wir sehen es sehr positiv. Wir freuen uns darauf, mehr darüber zu erfahren, wie sie (Radikale Venstre, Hrsg.) es sich vorstellen, dass das Projekt zu einem Nationalpark entwickelt werden kann. Sicherlich ist es ein willkommener Vorschlag in der aktuellen Debatte“, sagt die umweltpolitische Sprecherin der Socialdemokraterne, Mette Gjerskov.

Jacob Jensen, umweltpolitischer Sprecher der Venstre, schreibt: „Wir denken, dass dieses interessant sein könnte, und wir möchten es genauer mit der Radikale Venstre besprechen, damit wir über den Vorschlag genauer urteilen können. Wir möchten unsere einzigartige aquatische Umwelt bestmöglich schützen, damit wir die bestmöglichen Umweltbedingungen für unsere Bürger erreichen.“

Die Umweltsprecherin der Konservativen Volkspartei, Mette Abildgaard, hält den Vorschlag ebenfalls für eine gute Idee. „Es ist definitiv. In der Vergangenheit haben wir in der EU hart für Schutz gearbeitet, den der Øresund schon erhalten hat“, sagt sie.

Daher gibt es im Folketing eine Mehrheit für den Vorschlag, über den voraussichtlich nach den Sommerferien in Christiansborg abgestimmt wird.

Abwasser im Øresund

  • Medien haben sich kürzlich auf die große Einleitung von ungereinigtem Abwasser in den Øresund konzentriert.
  • Der Fall begann, als über die Medien bekannt wurde, dass die Kommunen København und Gentofte im Mai im Rahmen eines Bauprojektes in Nordhavn die Erlaubnis erteilt hatten, 290 Millionen Liter ungereinigtes Abwasser direkt ins Meer zu leiten.
  • Nachdem der Fall nationale und internationale Aufmerksamkeit erhalten hatte, haben die Parteien – die Kommunen und die Versorgungsunternehmen Hofor und Novafoss die Einleitung auf den Oktober verschoben, wenn die Badesaison vorbei ist und die Umweltfolgen der Einleitung geringer sind.
  • Später zeigte eine Indiskretion, die an die Öffentlichkeit drang, dass die 290 Millionen Liter Abwasser nur ein „Tropfen im Meer“ sind, verglichen mit der großen Abwasserableitung, die die Kommunen jedes Jahr in den Sund einleiten. Über einen Zeitraum von vier Jahren zwischen 2014 und 2018 hat allein die Stadt København 35 Milliarden Liter ungereinigtes Abwasser eingeleitet. Für Gentofte sind es 10 Milliarden Liter.
  • Die Offenlegungen haben dänische sowie schwedische Politiker sowie Umweltorganisationen und Fachleute dazu veranlasst, dafür zu sorgen, die Emissionen zu reduzieren.
  • Mehrere Experten weisen darauf hin, dass die Einleitung großer Abwassermengen schädlich für die Meeresumwelt ist, insbesondere im Sommer, wenn die Nährstoffe aus dem Schmutzwasser Algenwachstum erzeugen.

Politische Aufmerksamkeit erhielt die Abwassereinleitung, nachdem durch Medien in den letzten Wochen herausgefunden wurde, wie die große Mengen ungereinigten Abwassers in den Sund eingeleitet werden können. Allein aus zwei Kläranlagen in København wurden im Zeitraum von 2014 bis 2018 ca. 35 Milliarden Liter ungereinigtes Abwasser in den Sund eingeleitet.

Martin Lidegaard (Radikale Venstre)

Am vorigen Mittwoch gingen Martin Lidegaard von der Radikale Venstre und Niels Paarup-Petersen von der Centerpartiet des schwedischen Parlaments mit dem gemeinsamen Beschluss zur Eindämmung der Emissionen in den Sund in ihre jeweiligen Parlamente in København und Stockholm. „Wir wollen der massiven Abwasserentsorgung ein Ende setzen, die wir in letzter Zeit festgestellt und dokumentiert haben“, sagt Martin Lidegaard.

In Biosphärengebieten gibt es besonders strenge Regeln für das, was in dem betreffenden Naturgebiet abgeleitet werden darf.

Biosphärenreservate der UNESCO

  • Die UNESCO ist die Organisation der Vereinten Nationen für Bildung, Wissenschaft, Kultur und Kommunikation.
  • Biosphärenreservate der UNESCO sind Weltnaturerben und zeichnen sich durch abwechslungsreiche Landschaften mit einer Fülle gefährdeter und gefährdeter Tier- und Pflanzenarten aus. In einem Biosphärengebiet steht die Interaktion zwischen Mensch und lebender Natur sowie die biologische Vielfalt im Mittelpunkt.
  • Biosphärengebiete sind Modellgebiete für eine nachhaltige Entwicklung, in denen Bürger, Unternehmen und Institutionen zusammenkommen, um ein Gleichgewicht zwischen Mensch und Natur herzustellen und lokale Lösungen für eine nachhaltige Entwicklung zu schaffen.
  • Die Insel Møn und die umliegenden Inseln werden – als erster Ort in Dänemark – zum Biosphärenreservat der UNESCO ernannt. Das Gebiet auf Møn bringt viele verschiedene Akteure in einer lokalen Gesellschaft zusammen, und durch die Ernennung entstehen neue Netzwerke und Kooperationen. Weltweit gibt es 686 Biosphärengebiete der UNESCO.

Quelle: Børne- og Undervisningsministeriet (Kinder- und Bildungsministerium)

Neben den Abwassereinleitungen wollen die dänischen und schwedischen Politiker die umstrittene Sandabsaugung im Sund, die demnächst ausläuft, ebenfalls sofort stoppen, indem sie die Meerenge zu einem Meeresnationalpark ernennen. Sowohl die Abwasserableitung als auch das Absaugen von Sand wirken sich negativ auf die Meeresumwelt aus.

Wenn der Øresund ein Biosphärenreservat werden soll, plant Martin Lidegaard, in bessere Abwassersysteme zu investieren, die die großen Regenwassermengen bewältigen können, die derzeit die Kapazität beispielsweise von Københavns Kläranlagen in Frage stellen. Kurzfristig will er sogenannte Delay-Pools (Rückhaltebecken) anlegen, die das Wasser speichern können, bevor es zur Reinigung weitergeleitet wird.

Martin Lidegaard möchte, dass sowohl die Kommunen als auch der Staat für die notwendigen großen Investitionen aufkommen.

Der Biosphärenvorschlag stieß bei Jens Peder Jeppesen, Meeresbiologe und Aquarienmanager im Øresund-Aquarium in Helsingør, auf Begeisterung. „Es ist eine großartige Idee. Ich kann es nur mit lobenden Worten begrüßen. Denn darum kämpfen wir seit Jahrzehnten“, sagt Jens Peder Jeppesen, der glaubt, dass ein Meeresnationalpark der Tierwelt im Øresund zugute kommt. „Die Tiere werden den Sund besser machen. Im Laufe der Jahre werden weitere Arten auftauchen. In zehn bis zwanzig Jahren würde ich fast schätzen, dass die Zahl der Arten wieder zunehmen wird“, meint er.

Jens Peder Jeppesen, Meeresbiologe am Øresund-Aquarium der Universität København in Helsingør.

Auch die Lokalpolitiker in Helsingør befürworten den Vorschlag. Kristina Kongsted (Det Konservative Folkeparti) ist Vorsitzende eines Sonderausschusses der Kommune, der festlegt, wie der Øresund am besten geschützt wird. „Grundsätzlich halte ich das für eine wirklich gute Idee. Ich bin mir ziemlich sicher, dass der Ausschuss dieses auch empfiehlt, auch wenn wir einfach noch nicht dort angekommen sind“, sagt Kristina Kongsted.

Über einen Zeitraum von fünf Jahren hat die Kommune Helsingør rund 2,3 Milliarden Liter ungereinigtes Abwasser in den Sund eingeleitet. Kristina Kongsted räumt ein, dass dieses alles andere als ideal ist. „Früher war es egal, wenn man etwas in ein Moor, in einen Wald oder in den Sund geworfen hat. Wir wissen jetzt gut, dass dem nicht so ist. Doch obwohl wir umweltbewusster geworden sind, werden wir nicht in der Lage sein, alle Herausforderungen von einem Tag auf den anderen zu lösen, aber wir arbeiten daran“, sagt Kristina Kongsted.

von

Günter Schwarz – 04.06.2020