(Fanø) – Ein 10 Kilometer langer Meeresabschnitt entlang der Küste von Fanø hat derzeit eine sehr rötliche Farbe, die nachts blau leuchtet. Die ungewöhnliche Farbe ist auf ein kleines Tier zurückzuführen, ein sogenanntes Meeresleuchttierchen mit dem lateinischen Namen Noctiluca scintillans, schreibt das Miljø- og Fødevareministeriet (Umwelt- und Ernährungsministerium) in einer Pressemitteilung.

Peter Michélsen von Ren Strand Fanø, der das Phänomen am Dienstag in Pælebjerg auf Fanø entdeckte, war zunächst besorgt, als er das rotbraune Wasser sah. „Ich dachte, es könnte sich um Öl oder giftige Algen handeln, und forderte die Menschen daher auf, nicht darin zu baden, bis es untersucht wurde“, erklärt er.

Farbe des Wasers tagsüber

Peter Michelsen informierte daraufhin die Behörden, die anschließend sowohl auf Fanø als auch im Ringkøbing-Fjord Wasserproben entnommen haben, wo diese Tierchen ebenfalls gesehen wurden. An einigen Orten ist die Menge so groß, dass sie die Wellen nachts zum Leuchten bringen. Die Miljøstyrelsen (Umweltschutzbehörde) hat jetzt Wasserproben analysiert und kann feststellen, dass die rötliche Färbung des Wassers tagsüber und das Leuchten in der Nacht auf die Flagellaten der Noctiluca scintillans, der Meeresleuchttierchen, zurückzuführen ist.

Noctiluca scintillans sind nicht toxisch – also nicht giftig. Aber sie sind für das natürliche Phänomen verantwortlich, da sie zur Biolumineszenz fähig sind. Das Leuchten tritt auf, wenn die Noctiluca scintillans in kurzen Momenten blaues Licht aussenden, typischerweise wenn sie gestresst sind, indem beispielsweise Steine ins Wasser geworfen werden oder jemand im Wasser schwimmt oder ein Boot durch das Wasser fährt.

„Dieses Ereignisse entlang der Westküste kann eine offensichtliche Gelegenheit sein, etwas Besonderes zu erleben, wenn man bei Dunkelheit großartige Lichterlebnisse entdeckt. Es ist nicht bekannt, warum die Noctiluca scintillans bläuliche Lichtschimmer aussenden, aber es gibt Theorien, dass es sich um eine Art Abwehrmechanismus handelt“, erklärt die Biologin Helene Munk Sørensen in der Pressemitteilung.

Noctiluca scintillans sind ungiftig. Es ist wiederum für das natürliche Phänomen des Leuchtens verantwortlich.

Neben der Noctiluca scintillans zeigen die Analysen der Miljøstyrelsens auch die Kieselalgen Guinardia flaccida. „Die Noctiluca scintillans leben von den Algen, und es kann zu einem Massenvorkommen gekommen sein, weil die Noctiluca von den Silica-Algen profitiert hat“, sagt Helene Sørensen. Beide Arten kommen normalerweise im Sommer in der Nordsee vor, und in den letzten Jahren wurden schon mehrere Male Massenvorkommen des Flagellaten Noctiluca scintillans beobachtet.

Bisher hat die Miljøstyrelsen nur Wasserproben aus dem Wattenmeer analysiert, aber es ist sehr wahrscheinlich, dass die rötliche Waserfärbung auf Fanø auch auf die Noctiliuca scintillans zurückzuführen ist. Die Noctiluca scintillans und die Kieselalge Alin Guinardia flaccida produzieren keine Toxine (Gifte). Es sollte jedoch beachtet werden, dass sich während des Massenvorkommens und des Anspülens von Plankton viele Bakterien im Wasser befinden können. Ein guter Rat ist, nur zu baden, wenn man den Boden sehen kann, wenn man bis zu den Knien im Wasser steht.

von

Günter Schwarz – 05.06.2020

Fotos: Ren Strand Fanø