(Eckernförde) – Der Waffenhersteller schließt seinen deutschen Produktionsstandort in Eckernförde. An dem Rückzug ist jedoch nicht nur die Pandemie schuld. Schon zuvor konnte der Waffenhersteller keine großen Aufträge mehr für sich gewinnen. Als Grund sieht er seine internationale Ausrichtung.

Die hiesigen Standortnachteile erlaubten für die Zukunft keine wirtschaftliche Produktion von Sport- und Behördenwaffen, teilte das Unternehmen mit. Das Unternehmen verwies darauf, dass die deutsche Gesetzgebung die Nutzung von Sportwaffen immer mehr einschränke. Bei der Vergabe von Behördenaufträgen werden sowohl von der deutschen Polizei als auch von der Bundeswehr einige wenige lokale Produzenten bevorzugt. Sig Sauer werde wegen der internationalen Ausrichtung des Unternehmens von den Ausschreibungen systematisch ausgeschlossen. Die meisten Entwicklungen der Firma stammten aus den USA.

Von der Schließung sind rund 120 Mitarbeiter betroffen, wie Geschäftsführer Tim Castagne bestätigt.

Die Belegschaft und den Betriebsrat hatte Castagne am gestrigen Donnerstag über die Situation informiert. Den Mitarbeitern soll laut Castagne gekündigt werden. Aktuell prüft das Unternehmen, welche Aufträge noch abgearbeitet werden können.

Außerdem werden Verhandlungen mit dem Betriebsrat über einen Sozialplan für die Beschäftigten aufgenommen. Wann genau der Standort geschlossen werden soll, ist derzeit noch offen. Es wird allerdings gemunkelt, dass es zum Jahresende stattfinden wird.

Seit dem Jahr 2000 gehört nach Firmenangaben die Sig Sauer GmbH & Co. KG in Eckernförde zur L&O Holding in Emsdetten (Nordrhein-Westfalen), zu der zudem auch die US-Schwester Sig Sauer Inc. in Newington (US-Bundesstaat New Hampshire) und die schweizerische Swiss Arms in Neuhausen gehören.

von

Günter Schwarz – 05.06.2020

Foto: Archivbild