(Nuuk) – Während mehrere dänische Politiker über eine verstärkte Präsenz der USA in Grønland besorgt sind, zeigt sich der dänische Außenminister Jeppe Kofod (Socialdemokraterne) positiv.

Am morgigen Mittwoch wird die amerikanische Flagge in Grønland gehisst, wenn die USA ihr neues Konsulat in der Hauptstadt Nuuk eröffnet. Das Konsulat, das sich um die Interessen der USA im Land kümmern soll, wird nach dem gestiegenen Interesse der USA an Grønland eingeweiht.

Mehrere dänische Parteien haben zuvor Bedenken hinsichtlich dieser Interessen geäußert – darunter die moderate ökosozialistische und demokratisch-sozialistische Socialistisk Folkeparti und die rechtspopulistische Dansk Folkeparti (Dänische Volkspartei).

Die Arktis wird als von großer geopolitischer Bedeutung angesehen, und auch Russland und China haben ihre Bemühungen um Zugang zur Region verstärkt. Die Arktis enthält auch große natürliche Ressourcen im Untergrund, und wenn das Meereis schmilzt, eröffnen sich mehr Möglichkeiten für die Schifffahrt und den Abbau von Rohstoffen.

Laut Außenminister Jeppe Kofod ist die Eröffnung eines amerikanischen Konsulats positiv – mit dänischen Augen gesehen. „Es bedeutet, dass wir in der Staatengemeinschaft zusammen stärker stehen können – auch mit den Amerikanern. Es bedeutet eine stärkere und tiefere Zusammenarbeit auch in anderen Bereichen als nur dem Militär – so in der Tourismusentwicklung, Geschäftsentwicklung, Bildung und Kultur. Und das finde ich wirklich gut“, sagt Jeppe Kofod.

Auf die Frage, ob sich die militärische Präsenz der USA in Grönland erhöhen wird, antwortet der Minister: „Nein, hier geht es darum, die Perspektiven und Standpunkte des jeweils anderen zu verstehen. Ich kann verstehen, dass Grønland – als autonomer Bestandteil des Königreichs Dänemark – die Aufmerksamkeit der Welt auf sich zieht und das Land eine nachhaltige Entwicklung, Geschäftsverbindungen und Investitionen wünscht. Ein amerikanisches Konsulat kann zur Entwicklung der Zusammenarbeit zwischen Grønland und den Vereinigten Staaten beitragen. Dieses wird von der dänischen Regierung unterstützt.“

Am 15. August 2019 schrieben US-Medien, dass Präsident Donald Trump Pläne hatte, Grønland zu kaufen. Die Geschichte basierte auf anonyme Quellen. Am folgenden Tag erklärten sowohl der grönländische Präsident Kim Kielsen (Siumut / europakritische Partei) als auch die dänische Statsministerin Mette Frederiksen (Socialdemokraterne), dass Grønland nicht zum Verkauf steht. In diesem Zusammenhang nannte Mette Frederiksen den Vorschlag Donald Trumps „absurd“.

Dieser Kommentar gefiel dem US-Präsidenten Donald Trump gar nicht und war nicht glücklich darüber. Er nannte ihn sogar „böse“ und sagte daraufhin seinenam 2. und 3. September vorgesehenen Staatsbesuch in Dänemark ab. Kim Kielsen und der färöische Regierzungschef hätten anlässlich Trumps Besuch auch nach Dänemark kommen sollen, wo unter anderem Fragen der Arktis und der Sicherheitspolitik auf der Tagesordnung standen.

Am 24. August letzten Jahres berichtete die AP vor dem Hintergrund eines Briefes des US-Außenministeriums an den Kongress, dass die USA in Grønland wieder ein Konsulat eröffnen würden.

Im April dieses Jahres kündigte die grönländische Regierung an, dass die US-Regierung einen Betrag von 83 Mio. Kronen (11,13 Mio. Euro) für zivile Projekte in Grønland bereitstellen wird. „Wir sind daran interessiert, den Grönländern den Wohlstand zu geben, nach dem sie suchen“, sagte die US-Botschafterin in Dänemark, Carla Sands, im April gegenüber der grönländischen Rundfunkgesellschaft KNR (Kalaallit Nunaata Radioa).
Es wird der amerikanische Berufsdiplomat Sung Choi sein, der Konsul in Grønland sein wird.

Zuvor unterhielten die Vereinigten Staaten von 1940 bis 1953 bereits ein Konsulat in Nuuk.

2013 eröffnete Island ihr Konsulat in Nuuk, das die erste ständige diplomatische Präsenz in Grønland seit dem Zweiten Weltkrieg ist.

von

Günter Schwarz – 09.06.2020

Foto: Archivbild