(Slagelse) – Zwischen Slagelse und Flakkebjerg wurde eine Grabstätte mit Kindergräbern gefunden. Der Fund wurde aus Angst vor ungebetenen Gästen geheim gehalten.

Der Tod war keine Seltenheit – und shon gar nicht bei Kindern. Trotzdem waren es die trauernden Eltern, die sich zwischen den Jahren 210 und 300 n. Chr. von ihrem 10-12-jährigen Mädchen würdig verabschiedeten. Mit ihr im Grab bekam sie ihre schöne Kleidung, die von einer Bronzennadel zusammengehalten wurde – und auf der Glasketten und Bernsteinperlen waren.

Jetzt wurde das verstorbene Mädchen von den Archäologen des Vestsjællands Museum (Westseeland Museum) geborgen, die auf der Verlegungsroute der Baltic Pipe-Gaspipeline auf der Suche nach historischen Funden sind. Die Entdeckung dieses Kindergrabes und weiterer Gräber von Kindern wurde zwischen Slagelse und Flakkebjerg gemacht.

„Wir haben eine größere Ansammlung von Kindergräbern gemacht. Sieben Kindergräber wurden sehr nahe beieinander gefunden – und das ist sehr ungewöhnlich“, sagt Louise Melchior Rasmussen, die die Ausgrabung durchgeführt hat.

Bei der Ausgrabung werden die Gräber nur als Ritze in der Erdoberfläche markiert. Nur ein kaum merklicher Farbunterschied zeigt, wo sie sich befinden. Plastik bedeckt die bereits ausgegrabenen Gräber. Die Planen sollen die Funde vor dem Austrocknen bei gutem Wetter schützen.

Die Baltic Pipe-Gaspipeline ist ein Projekt, mit dem Polen an die Gasfelder in der Nordsee und in Norwegen angeschlossen wird und somit eine bessere Energieversorgungssicherheit als bisher bietet. Die Pipeline verläuft eine lange Strecke unter anderem auch durch Sjælland (Seeland), wo Archäologen vor der Verlegung der Pipline den Boden untersuchen. In der Vergangenheit wurden in der Verlegungsstrecke bereits zahlreiche eisenzeitliche Innenhöfe gefunden und im Rahmen der Ausgrabungen auch eine fürstliche Halle.

Die Grabstätte des Kindes befindet sich auf einem Hügel mit Blick auf einen Bach. Hier sind die Toten seitlich begraben, mit dem Kopf nach Süden und den Beinen bis unter den Körper. Dies ist typisch für die Eisenzeit – aber eines fällt jedoch auf – nach Angaben des Museums sind die Grabstätten aus dieser Zeit normalerweise ebenso wie der Rest der Bevölkerung altersgemischt. Auf der Grabstätte bei Flakkebjerg wurden jedoch nur Kindergräber gefunden.

„Die Tatsache, dass wir nur Kindergräber finden, macht es zu einem ungewöhnlichen Fund. Natürlich können wir nicht ausschließen, dass Eltern direkt neben dem Ort begraben sind, an dem wir graben. Wir werden das nie herausfinden. Aber ein reiner Kinderfriedhof in dieser Zeit wäre eine Seltenheit“, sagt Louise Melchior Rasmussen.

Eine weitere Besonderheit der Gräber ist, dass die Kinder Bestattungsgeschenke erhalten haben – sowohl in Form von Perlen als auch in Form von Metallschmuck. Die Museumsleute sind fest davon überzeugt, dass derartige Bestattungsgeschenke für Kinder in dieser Zeit weit von der Norm entfernt waren.

„Ich würde nicht sagen, dass es eine echte Seltenheit war. Das war aber auch nicht typisch. Es zeugt von einem gewissen Wohlstand der Eltern, da wertvolle Gegenstände mit ins Grab gegeben wurden“, sagt Louise Melchior Rasmussen.

So sah das Grab des 10-12-jährigen Mädchens aus.

Die Entdeckung in Vestsjælland (Westseeland) wurde schon Ende Mai gemacht. Aus Angst vor ungebetenen Gästen wurde es jedoch bisher geheim gehalten, bis alle Kindergräber untersucht und alle Funde gesichert waren.

Gemessen an der Menge der Grabbeigaben ist das Grab mit dem 10 bis 12-jährigen Mädchen das bekannteste unter den sieben Gräbern. „Sie ist eindeutig diejenige, die am meisten im Grab hat. Und es sind die Geschenke, die uns denken lassen, dass es ein Mädchen ist“, sagt Louise Melchior Rasmussen.

Neben ihren Zähnen und einigen Knochen wurden im Grab eine Bronzenadel, viele Perlen und vier Steingutgefäße mit Opfergaben gefunden. „Wir konnten sehen, dass der Metalldetektor einen Einfluss beim Fund auf mehrere der unerforschten Gräber hatte – und wir möchten, dass dieses nochmals durchgeführt wird, bevor die Entdeckung veröffentlicht wird“, sagt Louise Melchior Rasmussen.

Es stellte sich heraus, dass die Metallausschläge der Detektoren nichts mit den anderen Gräbern zu tun hatten, denn sie enthielten unter anderem Perlen aus Glas sowie Bernstein- und Tongefäße, die möglicherweise Nahrung für die letzte Reise enthielten. Die Funde wurden nun zu weiteren Untersuchungen an einen Restaurator weitergeleitet – und sie müssen nun unter anderem geröntgt werden, um neue Erkenntnisse über diese Zeit zu erhalten.

„Es ist wichtig, dass die Funde schnell untersucht werden und erhalten bleiben. Zum Beispiel bleichen die Glasperlen aus, wenn sie Kontakt mit Luft und Licht ausgesetzt werden, also hoffe ich, dass sie bereits untersucht werden“, sagt sie.

Die Bronzenadel hielt ihre Kleidung zusammen. Sie wird als Fibula bezeichnet, und aufgrund der häufigen Veränderungen dieser Nadeln in der Eisenzeit kann das Grab nach unserer Zeit sehr genau auf 210 bis 300 n. Chr. datiert werden, wahrscheinlich wird die Bstimmung der Zeit noch genauer mit der Kohlenstoff-14-Methode.

„Die Fibula scheint sehr gut erhalten zu sein und ist etwas Besonderes, da sie auch am Reifen selbst verziert ist. Eine Fibula war ein ziemlich verbreitetes Schmuckstück – aber es war nicht jedermanns Sache“, sagt Louise Melchior Rasmussen.

Neben den Perlen und der Fibula sind auch die vier Schalen aus gebranntem Ton interessant. „Möglicherweise hat sie im Rahmen ihres Bestattungsrituals Essen oder etwas anderes mit ins Grab bekommen. Zumindest die vier Schalen sind heute erhalten – und vielleicht können wir mehr über die Gräber herausfinden, indem wir ihren Inhalt analysieren“, sagt Louise Melchior Rasmussen.

Die Perlen müssen auch genauer untersucht werden. Die Archäologen hoffen unter anderem, dass Sie mithilfe von Röntgenstrahlen feststellen können, wie die Ketten aufgebaut wurden. Gleichzeitig wird gehofft, dass die Zähne das Alter des Mädchens offenbaren können.

Wie es aussah, als Archäologen des Museums Vestsjælland das Grab des 10 bis 12-jährigen Mädchens ausgruben.

Da von den Toten nur noch sehr wenig übrig ist, konnten die Todesursachen noch nicht festgestellt werden. Die Theorie der Archäologen besagt jedoch, dass sie innerhalb von ein oder zwei Generationen gestorben sind. Die Gräber befinden sich in einem Abstand voneinander, was darauf hinweist, dass bekannt war, dass schon jemand im Boden lag.

„Wir können nicht sagen, ob sie sich gekannt haben. Aber das haben sie vielleicht getan“, sagt Louise Melchior Rasmussen. Sie traut sich nicht zu erraten, ob sie möglicherweise gleichzeitig an den Folgen einer Epidemie gestorben sind oder Opfer einiger Opferrituale geworden sind, von denen angenommen wird, dass sie in der Eisenzeit stattgefunden haben.

„Wir wissen nicht, warum sie gestorben sind, und wir werden es wahrscheinlich nicht herausfinden. Aber es ist wahrscheinlich am offensichtlichsten, eine hohe Kindersterblichkeit als Erklärung zu betrachten, als spekulative Theorien zu folgen“, sagt sie.

von

Günter Schwarz – 10.06.2020

Fotos: Vestsjælland Museum