Bis zu 95 Prozent der Gäste in den Ferienhäuser an der Westküste sind deutsche Touristen. Sie wurden vermisst, und die ersten erschienen bereits in der Nacht zum Montag um 02:00 Uhr morgens. Es war dunkel. Ein Blick auf die Armbanduhr zeigte, dass es 01.55 Uhr ist. Fünf Minuten später öffneten die Vermietungsagenturen „Esmark“ in Blåvand und „Danibo“ auf Fanø ihre Büros.

Aber draußen standen schon die ersten Gäste und versuchten freundlich und geduldig, den Schlüssel für ihr gemietetes Ferienhaus übergeben zu bekommen.

„Es ist schön, die deutschen Touristen zurückzuhaben. Wir haben sie sehr vermisst“, sagt Regina Sørensen, Leiterin von „Esmark“ in Blåvand.

Das Büro der Vermietungsagentur „Esmark“ wurde in der Montagnacht um 02:00 Uhr geöffnet. Bereits zu dieser Zeit wartete der erste deutsche Tourist darauf, seinen Schlüssel zu seinem Haus zu bekommen.

„Es ist ein Festtag“, sagte „Danibo“-Büroleiterin auf Fanø, Hanne Thyssen.

Seit der Grenzschließung am 14. März konnten die deutschen Touristen aufgrund des Coronavirus nicht mehr in Dänemark Urlaub machen. Aber Montag um Mitternacht, um 00:00 Uhr, öffnete die dänisch-deutsche Grenze und ließ eine Karawane mit in Deutschland zugelassenen Autos nach Norden ziehen.

Bereits um 05.30 Uhr hatte das „Sommerhusbureau Danibo“ auf Fanø die ersten 60 deutschen Touristen empfangen.

Nicht lange danach wuchs die Warteschlange vor dem Anleger der Fanø-Fähre kontinuierlich an. Eine Autoschlange, die sich über zwei Kilometer Länge vorm Fähranleger bildete und Verkehrsprobleme verursachte, was zu einer Wartezeit von bis zu zwei Stunden führte, um auf die Fanø-Fähre zu gelangen.

Bei der Ankunft in den Büros von „Esmark“ und „Danibo“ wurden die deutschen Touristen mit einem breiten Lächeln, Schaumwein, Werthers Echte-Bonbons, Luftballons, Brownies und Kaffee begrüßt.

Die Fähre nach Fanø begann ihre Überfahrten mit deutschen Touristen um 02:00 Uhr.

„Wir freuen uns sehr, dass wir hier Urlaub machen konnten“, sagte der glückliche Tourist Rainer Muche aus Rellingen.

„Endlich! Super nett!“ schwärmte Elisabeth Wonneberg aus Berlin. Sie hat Fanø seit 1959 unzählige Male besucht und die Insel vermisst.

Hanne Thyssen von „Danibo“ auf Fanø: „ Es ist ein Festtag!“

Der Verband der Ferienhausvermietung hatte geschätzt, dass am Montag 19.000 Autos nach Dänemark kommen können. Es ist gut, deutsche Autos mit deutschen Touristen zu sehen. Sie wurden vermisst, ebenso wie das Geld, das sie im Urlaubsland ausgeben.

Wir können die verlorene Zeit nicht zurückgewinnen, aber es sieht so aus, als hätten wir eine historisch gute Zeit von mindestens drei Monaten vor uns, in der wir fast ausverkauft – oder komplett ausverkauft sind“, sagt Thomas Christiansen, Marketing Director von „Esmark“. Das Büro vermietet 2.800 Ferienhäuser an der Westküste Jyllands (Jütlands).

„Natürlich war es eine schwierige Zeit, als wir auf die deutschen Touristen verzichten mussten. Sie machen ungefähr 95 Prozent unserer Ferienhaus-Gäste aus, also ist heute ein richtiger Festtag“, sagt Hanne Thyssen von „Danibo“ auf Fanø.

Einige der deutschen Touristen tauchten mit einem Mund-Nasen-Schutz auf. Das Risiko, an Covid-19 zu erkranken, besteht weiterhin, obwohl die Freude am Urlaub – in Dänemark bei absolut fantastischem Wetter – leicht dazu führen kann, dass jemand das potenziell tödliche Virus vergisst.

von

Günter Schwarz – 16.06.2020

Fotos: Danibo