Der gestrige Samstag war der Tag der großen Vogelzählung im Wattenmeer. Die Zählung kann auch einen Hinweis auf die Ausbreitung der Vogelgrippe geben.

Tausende Gänse, Nonnengänse, Enten und Schwäne treten an diesem Wochenende ins Rampenlicht, wenn ein Schwarm von Vogelfreunden an einer jährlichen Volkszählung der Vogelwelt entlang des Wattenmeeres teilnimmt. Am Rømø-Damm steht ein Professor für Wildökologie an der Universität Aarhus mit seinem Fernglas bereit. Er hofft auch, dass die Zählung dieses Wochenendes einen Hinweis auf das Ausmaß der Bedrohung durch die Vogelgrippe geben kann.

„Die Zählung ist eine jährliche Veranstaltung, bei der wir die Population überwachen, aber wir sind uns natürlich sehr bewusst, dass wir auch tote Vögel finden. Langfristig müssen wir beurteilen können, ob sich dieses auf die Bestände auswirkt“, sagt Jesper Madsen

In 30 Jahren ist der Bestand an Nonnengänsen von 70.000 auf eineinhalb Millionen gestiegen.

Am Donnerstag vergangener Woche haben die dänischen Behörden die Bedrohungsstufe für die Vogelgrippe von niedrig auf hoch geändert. Dieses geschah, nachdem in der Woche zuvor auf einer Hühnerfarm in Schleswig-Holstein die Infektion des Bestandes durch die Vogelgrippe festgestellt worden war.

In der vergangenen Woche wurde die Grippe HPAI H5N8 in mehreren toten Nonnengänsen bei Højer gefunden. Draußen am Damm macht sich Jesper Madsen jedoch keine Sorgen um die Population der Wasservögel rund um das Wattenmeer. In den letzten 30 Jahren ist die Population von beispielsweise Nonnengänsen von 70.000 auf eineinhalb Millionen angewachsen. Es sieht jedoch anders für die anderen Vogelarten in der Region aus, die in einer viel geringeren Anzahl gefunden werden.

„Mir sind die Vögel bekannt, die sich von Aas ernähren. Es sind Seeadler und Raben, die hier draußen in sehr großer Zahl vorkommen. Heute morgen habe ich ungefähr zehn Seeadler gezählt. Sie sitzen draußen auf Sandbänken auf den Watvögeln und fressen die toten Vögel, die sie finden. Es können Vögel darunter sein, die an der Vogelgrippe gestorben sind, und dann können die Aasfresser sie selbst bekommen und daran verenden“, sagt Jesper Madsen.

von

Günter Schwarz – 15.11.2020