Nachdem der verurteilte Journalistin-Mörder Peter Madsen kurzzeitig aus dem Herstedvester-Gefängnis geflohen war, wurden mehrere Einschränkungen eingeführt. Die Sicherheit war nicht zufriedenstellend. Dieses ist die Schlussfolgerung in einer Erklärung, die das Justizministerium vom dänischen Gefängnis- und Bewährungsdienst erhalten hat, nachdem Peter Madsen Mitte Oktober aus dem Herstedvester-Gefängnis geflohen war, wo er eine lebenslange Haftstrafe verbüßt.

„Es ist völlig offensichtlich, dass es ernsthafte Sicherheitslücken gab. Es ist natürlich kritisch, heißt es von Justizminister Nick Hækkerup (Socialdemokraterne) in einer Pressemitteilung.

Aus diesem Grund hat der dänische Gefängnis- und Bewährungsdienst jetzt eine Reihe von weiteren Sicherheitsmaßnahmen eingeführt, um eine ähnliche Situation zukünftig zu verhindern. Die Aussage besagt, dass Peter Madsen ohne regelmäßige Aufsicht in einer speziellen Werkstatt gearbeitet hat, genauso wie er sich unbegleitet bewegen konnte, um einen Psychologen zu besuchen und mit einem Rucksack durch das Gefängnisgelände zu laufen.

Insassen können jetzt jedoch nicht mehr mit einem Rucksack oder einer Tasche herumlaufen, wenn sie Dinge dabei haben, die zwischen Arbeitsräumen und Zellen herumgetragen werden müssen. Nach den neuen Richtlinien dürfen Insassen nur transparente Plastiktüten verwenden, damit die Mitarbeiter sehen können, was sich in ihnen befindet. Darüber hinaus werden im Gefängnis zusätzliche Überwachungskameras eingerichtet, um die Kameraabdeckung zu verbessern und eine gezieltere Fokussierung auf bestimmte Gebäude zu ermöglichen.

Als Peter Madsen am 20. Oktober aus dem Herstedvester-Gefängnis floh, bedrohte er mehrere Menschen auf dem Fluchtweg. In der Erklärung sind weitere Details zur Flucht bekannt geworden. Peter Madsen begann seinen Tag um 07:30 Uhr in der Werkstatt. Er war zu der Zeit in der Buchbinderwerkstatt des Gefängnisses und arbeitete an Holzkisten. Er hatte dieses seit Mai getan, und die Vorarbeiter waren informiert worden, dass ein besonderes Auge auf Madsen gerichtet werden sollte.

Gegen 09:15 Uhr wurde Peter Madsen darauf aufmerksam gemacht, dass er ein Gespräch mit einem Psychologen führen sollte, und ungefähr fünf Minuten später tauchte er dort auf. Und dann ging es schief. Während des Gesprächs mit dem Psychologen sagte Peter Madsen, er habe eine Bombe und einen Zünder hergestellt. Der Psychologe beschrieb die Bombe später als „palästinensischen Bombengürtel“.

„Der Insasse teilte dem Psychologen dann mit, dass die Bombe explodieren würde, wenn der Psychologe um Hilfe rief oder wenn er nicht sicherstellte, dass er aus dem Gefängnis entlassen wurde. Auf dieser Grundlage sah der Psychologe keine andere Möglichkeit, als dem Insassen eine Hintertreppe zum Torgebäude des Gefängnisses hinunter zu folgen, heißt es in der Erklärung. Als der Psychologe und Peter Madsen zu dem Tor kamen, rief der Psychologe einen Gefängnisbeamten an, woraufhin Peter Madsen die Kommunikation übernahm.

Er sagte dem Gefängnisbeamten, dass er einen Bombengürtel und einen Abzug in der Hand trug und dass die Bombe explodieren würde, wenn er den Abzug loslassen würde – und wenn der Gefängnisbeamte das Tor nicht öffnen wollte. Peter Madsen wurde nach den Drohungen das Tor aufgeschlossen und laut Aussage folgten etwa 10 Gefängniswärter, von denen er zwei mit einer Scheinwaffe bedrohte. Während der kurzen Flucht bedrohte Peter Madsen auch den Fahrer eines weißen Lieferwagens mit einer Scheinpistole, und während der Verhaftung drohte er zwei Beamten mit der selbstgemachten Bombenattrappe.

Die Aussage besagt, dass sie immer noch auf die polizeilichen Ermittlungen in Bezug auf die Details der Dummies warten. „Es kann jedoch nicht ausgeschlossen werden, dass die Situation im Gefängnis entstanden ist, auch im Zusammenhang mit der Beschäftigung des Insassen“, heißt es in dem Bericht.

Die Polizei rückte in massiver Stärke aus, als Peter Madsen aus dem Herstedvester-Gefängnis floh.

Laut Aussage befindet sich Peter Madsen seit dem 23. August 2018 im Herstedvester-Gefängnis. Er wurde nach einer Gesamtbewertung des Falls dorthin gebracht, wo sie unter anderem seinen früheren Aufenthalt im Gefängnis und die Sicherheitsaspekte um ihn herum untersucht haben. Der dänische Gefängnis- und Bewährungsdienst kommt zu dem Schluss, dass die Bereitschaft, Möglichkeit und Fähigkeit des Mordverurteilten, schwere und gefährliche Angriffe zu planen und durchzuführen, um aus dem Gefängnis zu fliehen, nicht ausreichend berücksichtigt wurde. Nach der Flucht sahen sie sich auch die anderen Insassen im Gefängnis an und beschlossen, fünf Insassen in andere Gefängniseinrichtungen zu verlegen.

Nach dem Verhör der Polizei und dem Verhör der Staatsanwaltschaft wurde Peter Madsen als Häftling in einem anderen geschlossenen Gefängnis inhaftiert. Anschließend wurde er in ein drittes geschlossenes Gefängnis verlegt und in die speziell gesicherte Abteilung gebracht.

Peter Madsen steht hinter dem sogenannten U-Boot-Mord an dem schwedischen Journalisten Kim Wall. Er wurde im Jahr 2017 wegen des Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt.

Nach der Flucht wurden im Herstedvester Gefändnis eine Reihe von Sicherheitsmaßnahmen verschärft.

von

Günter Schwarz – 17.11.2020

Fotos: Herstedvester Fængsel