Die auf Fünen gewählte Folketingsabgeordnete Mai Mercado (Det Konservative Folkeparti) hat die Bildungsministerin gefragt, warum es in dänischen Schulen kein Lehrmaterial über die Muhammed-Krise gibt.

Nach Angaben der Konservativen müssen die Grundschullehrer des Landes über die Muhammed-Krise unterrichten und gleichzeitig die Karikaturen zeigen, die den jahrelangen Konflikt zwischen Dänemark und den muslimischen Staaten des Nahen Ostens ausgelöst haben, was seinerzeit zu Angriffen auf diplomatische Einrichtungen und dänische Firmen sowie Flaggenverbrennungen führte.

Am Donnerstag wurde Bildungsministerin Pernille Rosenkrantz-Theil (Socialdemokraterne) unter anderem von Mai Mercado, der von den Konservativen gewählten Bildungssprecherin der Partei, zu einer Konsultation eingeladen. Dabei soll die Bildungsministerin antworten, warum es auf der Lernplattform EMU kein Lehrmaterial über diese Krise gibt.

Ich denke, und die Konservativen sind der Meinung, dass die Muhammed-Krise Teil des Geschichtskanons sein sollte, da sie Dänemark ebenso betroffen und beeinflusst hat wie andere Zeitgeschehen wie z. B. der Zweite Weltkrieg und der Fall der Mauer“, sagte Mai Mercado zuvor.

Gleichzeitig bittet die konservative Bildungssprecherin um eine Stellungnahme dazu, ob das Zeigen der Bilder im Rahmen des Unterrichts obligatorisch sein sollte. „Wenn wir die Lehrer bitten, über die Muhammed-Krise zu unterrichten, möchten wir wirklich auch, dass Sie die Karikaturen zeigen, und es ist nicht angebracht, dass das Bildungsministerium nicht einmal Lehrkurse zum Thema zur Verfügung gestellt hat“, sagt die Bildungssprecherin.

Mehrere Grundschullehrer fordern Unterricht über die Muhammed-Krise. „Es ist Teil der Geschichte Dänemarks und hat Auswirkungen darauf, wer wir als Volk sind und was wir für ein Land sind,“ sagt Simon Hempel Jørgensen, Vorsitzender des Schulleiterverbandes in Odense.

Im Gegenzug möchten die Grundschullehrer, dass die Schüler freiwillig die Karikaturen des Propheten Muhammed sehen können.

Am 16. Oktober wurde in Frankreich der Geschichtslehrer Samuel Paty getötet, nachdem er seinen Schülern im Rahmen eines Kurses über Rede- und Meinungsfreiheit Muhammed-Karikaturen der Satirezeischrift „Charly Hebdo“ gezeigt hatte. Seitdem ist die Debatte über die Karikaturen, die am 30. September 2005 in der dänischen Tageszeitung Jyllands-Posten unter dem Namen „Muhammeds Ansigt“ (Das Gesicht Mohammeds) erschienene Serie von zwölf Karikaturen bekannt, die den islamischen Propheten und Religionsstifter Mohammed zum Thema haben, auch in Dänemark wieder aufgeflammt.

von

Günter Schwarz – 19.11.2020

Foto: Archivbild