Am Freitag teilte ein Sprecher des Unternehmens mit, dass der Bau der Erdgasleitung Nord Stream 2 wieder aufgenommen wurde, so die Nachrichtenagenturen dpa und AFP.

Teile der Pipeline verlaufen durch dänische Gewässer vor Bornholm. Etwa 90 Prozent davon sind fertig. Der Bau kam jedoch letztes Jahr zum Stillstand, nachdem die USA Sanktionen gegen das Projekt verhängt hatten. Dieses bedeutete, dass zwei Schweizer Schiffe, die vor Bornholm an der Verlegung von Rohren arbeiteten, aufgrund des amerikanischen Drucks ihre Arbeit einstellten.

Das russische Verlegeschiff „Fortuna“ lief am Freitag aus dem Hafen in Wismar aus und nahm Kurs auf die Baustelle. Jetzt gehen die Arbeiten in deutschen Gewässern wieder los, wo vor dem Neujahr planmäßig 2,6 Kilometer Rohre südlich des sogenannten Adlergrundes verlegt werden sollen.

Die US-Regierung unter Präsident Donald Trump glaubt, dass Nord Stream 2 insbesondere die Abhängigkeit Deutschlands von Russland erhöhen und damit die Sicherheit der EU gefährden wird. Die Bundesregierung geht dagegen davon aus, dass Nord Stream 2 Deutschland direkt und sicher mit Energie versorgen wird.

Donald Trump hat gedroht, dass die Werte der Unternehmen, die an dem Projekt teilnehmen, in den USA eingefroren werden und die Einreise von Mitarbeitern der Firmen in das Land verweigern werden könnte. Neben den USA sind auch Polen, die Ukraine und die baltischen Länder gegen Nord Stream 2, weil sie wie Trump befürchten, dass Europa zu stark von Russland abhängig wird.

Der russische Präsident Wladimir Putin kündigte an, die Arbeiten eigenständig zu Ende zu bringen – unabhängig von ausländischen Partnern. Durch die Pipeline von Nord Stream 2 sollen künftig pro Jahr 55 Milliarden Kubikmeter Erdgas von Russland nach Deutschland gepumpt werden.

Im Oktober erteilte die dänische Energieagentur die endgültige Genehmigung für die Fertigstellung des Baus und die Inbetriebnahme der Pipeline. Wenn Nord Stream 2 fertiggestellt ist, kann es doppelt so viel Gas von Russland nach Deutschland transportieren wie heute. Die Pipeline wird nicht nur über den dänischen Meeresboden verlaufen, sondern durch die gesamte Ostsee von Russland nach Deutschland. Daher musste das Projekt in mehreren Ländern genehmigt werden – Russland, Finnland, Schweden, Dänemark und Deutschland.

Nachdem der russische Oppositionsführer Alexei Navalny Anfang dieses Jahres in der Berliner Charité wegen Vergiftung ins Krankenhaus eingeliefert worden war, gab es Gerüchte, dass Deutschland sich aus dem Projekt zurückziehen könnte. Der Bundestag forderte, dass Deutschland darauf reagieren müsste, da mehrere deutsche Politiker die Tat als russischen Staatsterror empfanden, und das Projekt fallen lassen wollten.

von

Günter Schwarz – 12.12.2020

Fotos: Archivbilder