Das Luciafest ist ein Brauch, der auf ein Heiligenfest katholischen Ursprungs zurückzuführt, der vor allem in Schweden sowie in Dänemark, Norwegen und unter Finnlandschweden und dänischen Südschleswigern verbreitet ist. Lucia bedeudet „Licht“, und dieser Tag, der Luciatag, ist eine feste Größe in den skandinavischen Länder und Regionen. Mit dem Licht und dem weißen Gewand stellt Lucia ein Abbild der Christen dar, die das Licht des Christentums durch die Dunkelheit der Welt tragen. Junge Mädchen tragen daher weiße Gewänder und einen Kerzenkranz auf dem Kopf. Es wird traditionelles Safrangebäck gegessen und Lieder über die heilige Märtyrin gesungen.

Der Legende nach lebte Lucia in Syrakrus auf Sizilien. Sie starb um das Jahr 305 einen grausamen Märtyrertod. Um der Hochzeit mit einem Heiden zu entgehen, habe die Christin Lucia sich selbst beide Augen ausgerissen und sei ihm so entstellt gegenüber getreten, Daher sieht man oft Bilder von Lucia, die eine kleine Schüssel mit zwei darin liegenden Augen hält. Deshalb gilt Lucia auch als Patronin der Augenkranken und Blinden.

Nach der Reformation im Jahr 1536 hörten die Dänen auf, den Lucia-Dag als heiligen Tag zu feiern, aber die Schweden hielten trotz der Reformation weiterhin an dieser „katholischen“ Tradition fest. Seit etwa 1920 nahmen auch wieder Dänen an Lucia-Prozessionen in Schweden teil, und somit verbreitete sich der Brauch auch wieder in Dänemark.

Das Fest fällt auf den 13. Dezember, den Gedenktag der heiligen Lucia, der vor der Einführung des Gregorianischen Kalenders in Schweden im Jahr 1752 gut ein Jahrhundert lang die längste Nacht des Jahres war. Es wurde daher angenommen, dass diese Nacht voller Zauberei und bösen Geistern sei. Daher sollte man in der Lucianatten (Lucia-Nacht) nicht nach draußen gehen, und alle Arbeiten im Freien möglichst abgeschlossen haben.

Da der 13. Dezember in Schweden in den mehr als hundert Jahren vor 1752 auf die Wintersonnenwende fiel, steht das Luciafest letztlich in der Tradition älterer Sonnenwendfeierlichkeiten. Auf welchen Wegen aus diesen Feierlichkeiten das heutige Luciafest entstand, ist jedoch schwer zu rekonstruieren.

Eine besondere schwedische Ausprägung des Festes lässt sich frühestens für das Mittelalter nachweisen. Aus dieser Zeit gibt es Berichte über Feierlichkeiten, mit denen die Landbevölkerung das Ende der vorweihnachtlichen landwirtschaftlichen Arbeiten und den Beginn des Weihnachtsfastens beging. Damals war der 13.12. allerdings noch nicht der Tag der Wintersonnenwende, deren kalendarisches Datum sich im Julianischen Kalender im Laufe der Jahrhunderte verschob. Ab etwa 1760 berichten Zeitzeugen erstmals vom Tragen weißer Gewänder auf Gutshöfen in Westschweden. Dort entstand demnach, begrenzt auf einen kleinen Teil des Landes und der Bevölkerung, das heute auffälligste Element des Luciafestes.

Zu einem landesweiten Brauch entwickelte sich das Luciafest erst in den letzten hundert Jahren. Ende des 19. Jahrhunderts griff das Stockholmer Freilichtmuseum Skansen die westschwedischen Luciatraditionen auf, um sie für kommende Generationen zu bewahren. Gleichzeitig begann der Brauch, sich über seine ursprünglichen Grenzen hinaus in der Bevölkerung zu verbreiten. Dieser Prozess verstärkte sich, als eine Stockholmer Zeitung im Jahr 1927 zum ersten Mal die Lucia wählte. In der Folge fand das Luciafest einen festen Platz im gesamten schwedischen Brauchtum.

von

Günter Schwarz – 13.12.2020

Foto: Archivbild