(Kiel) – Zwei Tage vor dem Start der Corona-Impfungen dämpft der Kieler Infektionsmediziner Professor Helmut Fickenscher, der auch die Landesregierung berät, Hoffnungen auf eine schnelle Besserung der Lage. Er ist Direktor des Instituts für Infektionsmedizin des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein (UKSH) und Präsident der Deutschen Vereinigung zur Bekämpfung der Viruskrankheiten.

Der Corona-Impfstart am Sonntag, dem 27.12.2020, in ganz Deutschland wird nach Einschätzung des Kieler Infektionsmediziners Helmut Fickenscher „die Epidemie vorerst nicht beeinflussen“. „Dieses liegt daran, dass wir einfach viel zu viele Leute zu impfen haben und noch längere Zeit nicht genügend Impfstoff zu Verfügung haben werden“, sagte Fickenscher der Deutschen Presse-Agentur.

Eine günstige Corona-Entwicklung 2021 hängt laut Fickenscher davon ab, ob die weitgehende Durchimpfung der Bevölkerung – seien es nun 60 oder 80 Prozent – vor dem Winter 2021/2022 abgeschlossen ist. Vor Ostern rechnet Fickenscher nicht mit deutlichen Lockerungen der Corona-Beschränkungen. Vielleicht könnten einige Branchen vorher schon wieder öffnen. Aber eine relevante Lockerung im Alltag erwarte er erst, wenn es deutlich wärmer wird. Daher wünsche er sich, dass der Frühling warm und frühzeitig beginne.

Jedenfalls breitet sich die Lungenkrankheit „Covid-19“ weiter rasant über den Globus aus. Laut der Johns Hopkins University in Baltimore (Maryland) sind 78,7 Millionen Infektionen mit dem Coronavirus weltweit mittlerweile bestätigt. 1,73 Millionen Covid-Patienten sind bereits gestorben.

Die deutschen Gesundheitsämter meldeten dem Robert Koch-Institut (RKI) am Heiligabend binnen 24 Stunden 25.533 Corona-Neuinfektionen. Außerdem wurden 412 Todesfälle verzeichnet, wie das RKI am Freitagmorgen bekanntgab. Die Zahlen sind jedoch nur bedingt mit den Werten der Vorwoche vergleichbar, da das RKI während der Feiertage mit einer geringeren Zahl an Tests und mit weniger Meldungen von den Gesundheitsämtern rechnet. Am vergangenen Freitag war mit 33.777 Neuinfektionen ein Höchststand verzeichnet worden, darin waren jedoch 3.500 Nachmeldungen enthalten. Der Höchststand von 952 Todesfällen war am 16. Dezember erreicht worden.

Professor Christian Drosten, Chefvirologe der Charoté Berlin, kritisiert, dass in der Öffentlichkeit eine „verzerrte Wahrnehmung“ zu den bevorstehenden Corona-Impfungen in Deutschland entstanden sei. Dafür seien „sicherlich“ auch die Erfolgsmeldungen aus der Politik verantwortlich. Es sei ein bisschen „unter den Tisch gefallen, über welche Mengen und Zeithorizonte man da eigentlich spricht“. Laut Christian Drosten werde es bis Ende Januar nicht so sein, dass schon ganz viele Leute in der Bevölkerung gegen das Coronavirus geimpft sind. „Diese zeitlichen Vorstellungen werden so einfach nicht zu erfüllen sein“, sagt er.

von

Günter Schwarz – 26.12.2020

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