(Helgoland) – Das ca. 14 Kilometer lange Geflecht aus Gängen und Schutzräumen gehört zu den letzten Mysterien der Hochseeinsel. Bekanntlich bot die Bunkeranlage den meisten Helgoländern am 18. und 19. April 1945 Schutz vor schweren Bombenangriffen, die sich gegen die Marinebasis und die Festung Helgoland richteten. Am Morgen des 18. April 1945 startete die britische Luftwaffe mit 979 Bombern in Südengland zum letzten Bombenangriff des Zweiten Weltkriegs auf Deutschland. Ihr Ziel: die Hochseeinsel Helgoland.

Viele Helgoländer und die rund 3.000 der auf der Insel stationierten Soldaten erlebten den Angriff in Luftschutzbunkern, zum Teil 18 Meter tief unter der Erde. Durch die Gänge der Zivilbunker wurden verletzte Soldaten von draußen zum Krankenhausbunker getragen. Insgesamt fielen innerhalb von rund 100 Minuten etwa 7.000 Bomben, bei der 285 Menschen ihr Leben ließen. Eine zweite, schwächere Angriffswelle mit 19 Flugzeugen folgte am nächsten Tag.

Helgoland nach den Bombenangriffen. Viele Häuser sind zerstört. Die obdachlosen Insulaner werden aufs Festland gebracht.

Besonders tragisch endete der Versuch einer Gruppe von 5 Helgoländern, Kontakt zu den Briten aufzunehmen, um ein Bombardement zu verhindern und die Insel friedlich zu übergeben. Ihr Plan flog auf, und die Männer wurden am frühen Morgen des 18. April verhaftet. Vier Tage später wurden sie in Cuxhaven Sahlenburg standrechtlich erschossen. Heute erinnern auf der Insel sogenannte Stolpersteine im Straßenpflaster an diese Widerständler.

Zwei Jahre später sollte die Bunkeranlage mit einer der größten Explosionen der Weltgeschichte, der Operation „Big Bang“, zerstört werden. Doch die Schutzbunker überstanden im Gegensatz zu anderen Inselteilen die gewaltige Detonation.

Aus den Schächten der britischen Flugzeuge prasseln Bomben auf die Insel nieder.

Nach vier Jahren Planung hat auf Insel nun der Bau eines neuen Bunkermuseums begonnen. Damit sollen die bisher nur auf 400 Meter frei zugänglichen Bunkeranlagen deutlich ausgeweitet werden. Die EU, das Land Schleswig-Holstein und die Gemeinde Helgoland fördern dieses Projekt.

Im Mittelpunkt der Schau wird die Aufarbeitung der Militärgeschichte des Eilands stehen. Die weitgehend unterirdische Anlage ist als Freizeitergänzung für Tagestouristen und Langzeitbesucher geplant. Im Jahr 2022 soll das 2,5 Millionen Euro teure Projekt eröffnet werden. „Zeitzeugen gibt es immer weniger. Und wir müssen es einfach für die junge Generation erhalten: Was ist gewesen, was bedeutet Krieg“, betont Museumsleiter Jörg Andres.

Erstmals könnten Gäste dann schon aus der Ortsmitte Zugang zu geschichtlichen Themen der Insel erhalten. Extra dafür soll der bestehende Stollen einen neuen Eingang im Unterland bekommen. Bisher starteten die herkömmlichen Bunkerführungen auf dem Oberland.

„Die Atmosphäre, die man hier unten wahrnimmt, die kann man nicht in einem Museum haben. Das ist ein Originalschauplatz. Und das empfindet der Besucher, wenn er hier reingeht – und das ist ganz wichtig, dass wir das vermitteln“, sagt Museumsleiter Jörg Andres. Die Neuaufstellung der Bunkeranlagen dient laut Jörg Andres dem wachsenden Interesse der Besucher an historischem Stoff.

von

Günter Schwarz – 03.01.2021

Foto: Archivbild