Wir trinken seit mehreren tausend Jahren schon länger Bier als bisher angenommen, glauben dänische Forscher mit einer neuen Methode beweisen zu können. Bier ist seit Generationen ein Teil des Lebens der Dänen. Aber vielleicht reicht die Präsenz des Bieres in Dänemark mehrere tausend Jahre weiter zurück, als wir bisher gewusst haben.

Dänische Forscher und Archäologen versuchen dieses mit einer völlig neuen Methode zu beweisen. „Wir wissen heute, dass im Nahen Osten, einschließlich Ägypten und der Region Mesopotamien, bereits im 4. und 5. Jahrtausend v. Chr. Bier gebraut und getrunken wurde“, sagt Adam Cordes, Archäologe am Nationalmuseum in København und fügt hinzu: „Dass das Bier in diesen Gebieten so viel früher datiert werden kann – bis zu 4-5000 Jahre vor uns in Skandinavien – muss daran liegen, dass es bisher nicht möglich war, die Präsenz des Bieres in unserer Region nachzuweisen.“

Er gehört zur Gruppe der Forscher des Nationalmuseums, die mit Professor Kim Hebelstrup vom Institut für Agrarökologie der Universitet Aarhus zusammengearbeitet haben, um die neue Methode zur Bestimmung der frühesten Bierbrauereien in Dänemark zu entwickeln.

Die Methode besteht aus gesammeltem Getreide aus der Bauernsteinzeit und einem Elektronenmikroskop. – Die neue Methode arbeitet mit Elektronen, was bedeutet, dass sie im Gegensatz zu einem normalen Lichtmikroskop bis zu Mikrometern des Inneren der Kerne in den Körnern gelangen können. So können die Forscher beobachten, ob die Enzyme des Kerns in Zucker umgewandelt wurden und so Löcher in den kleinen Stärkekörnern erzeugt haben. Dieser biochemische Prozess ist als Mälzen bekannt und einer der ersten Schritte beim Brauen von Bier.

„Wenn wir Stärkekörner mit Löchern sehen, bedeutet es, dass das Getreide gekeimt und gemälzt wurde. Die Methode wurde an einigen der ältesten bekannten Malzkerne aus der Eisenzeit getestet“, sagt Peter Steen Henriksen, Museumsinspektor am Nationalmuseum und Mitglied des Forschungsteams, und er begrüßt die Möglichkeiten der Methode.

„Jetzt haben wir ein Tool, das tatsächlich beweisen kann, wann Menschen in Dänemark angefangen haben, Bier zu trinken. Jetzt, in den kommenden Jahren, werden wir die neue Methode anwenden und die alten Getreidefunde finden“, sagt Henriksen zuversichtlich.

FAKTEN: Getreide aus der Antike soll Wissenschaftlern helfen

  • In Zusammenarbeit zwischen dem Nationalmuseum und der Abteilung für Agrarökologie der Universitet Aarhus ist es möglich geworden, eine Methode zum Nachweis des Malzens von Getreide auf Getreidekernen aus der Antike zu entwickeln.
  • Forscher haben jetzt die Möglichkeit, mit einem Elektronenmikroskop noch näher an die Kerne heranzukommen.
  • Auf diese Weise können Forscher möglicherweise besser erkennen, ob das Getreide zum Brauen von Bier gemälzt wurde.
  • Mälzen ist ein biochemischer Prozess, der mit bloßem Auge nicht gesehen werden kann.
  • Wenn Getreide keimt, findet in der Pflanze ein natürlicher Wachstumsprozess statt, bei dem die Stärke in Energie in Form von Zucker umgewandelt wird.
  • Es sind Enzyme im Kern, die den Zucker erzeugen, indem sie Stärkekörner von innen abbauen, so dass Löcher in den einzelnen Stärkekörnern vorhanden sind.
  • Die Tatsache, dass die Löcher in Stärkekörnern beobachtet werden können, bildet die Grundlage für die neue Forschungsmethode.

Quelle: Adam Cordes, Archäologe im Nationalmuseum

Quelle: TV2 – übersetzt und bearbeitet von

Günter Schwarz – 10.01.2021

Foto: TV2