(Favrskov) – Sarah Alsandi befürchtet, dass sie an ihre irakische Familie ausgeliefert wird, wenn die dänischen Behörden ihr nicht helfen, bald nach Dänemark zurückzukehren. Die 17-jährige Sarah Alsandi aus TV2 Østjylland (Ostjütland) hofft, dass die dänischen Behörden ihr in einem sicheren Haus für gefährdete Frauen in Kurdistan helfen können, nach Dänemark zurückzukehren. Sie befürchtet, dass sie an ihre irakische Familie ausgeliefert wird, wenn nicht bald Hilfe kommt.

Es ist anderthalb Jahre her, seit Sarah Alsandi in Dänemark war. Im Sommer 2019 reiste sie mit ihrem Vater in den Irak. Sie dachte, dass die Familie ihre kranke Großmutter besuchen sollte, aber es stellte sich heraus, dass ihr Vater sie in ihr Heimatland bringen wollte, weil sie zu dänisch geworden war. Er wollte, dass sie umerzogen wurde.

Als der Vater wieder nach Dänemark zurückkehrte, wurde er verhaftet und am 8. Oktober 2019 verurteilte das Gericht in Randers den Vater zu vier Monaten Gefängnis, weil er Sarah Alsandi in den Irak entführt hatte. Er wurde auch für sechs Jahre aus Dänemark ausgewiesen. Trotzdem ist Sarah Alsandi noch nicht nach Dänemark zurückgekehrt. Stattdessen wird sie seit anderthalb Jahren von der Familie gegen ihren Willen festgehalten.

„Ich habe mein ganzes Leben in Dänemark gelebt und würde gerne zurückkehren“, sagt Sarah Alsandi, die wegen der Drohungen ihres Vaters um ihr Leben fürchtet. „Er sagt, dass er wahrscheinlich sicherstellen wird, dass ich tot sein werde, bevor ich jemals die Gelegenheit bekomme, Dänemark wiederzusehen“, sagt Sarah Alsandi.

Kurz vor Weihnachten wurde das 17-jährige Mädchen aus dem Haus der Familie im Nordirak befreit. Dieses geschah in einer dramatischen Aktion und in einer Zusammenarbeit zwischen einigen Kurden und dem dänischen Verband Ny Identitet, die jungen Menschen hilft, negative soziale Kontrolle und ehrenbezogene Konflikte zu überwinden.

Jetzt kritisiert der Vorsitzende von Ny Identitet, Nader Ashkani, die dänischen Behörden dafür, dass sie zu wenig getan und zu spät gehandelt haben, um Sarah Alsandi nach Dänemark nach Hause zu bringen. „Wir hätten Sarah damals noch mit Hilfe kurdischer Behörden nach Hause bringen können.“

Einige Tage vor der Befreiung schrieb das Außenministerium, Sarah solle in die Türkei kommen, um ihren Notfallpass abzuholen, aber sie konnte nicht. „Neulich schrieb das Außenministerium, dass sie sie gerne abholen würden. Aber jetzt wollen die kurdischen Behörden sie erst mit 18 Jahren gehen lassen. Ihre Situation ist also kritisch“, sagt Nader Ashkani.

Inzwischen haben die dänischen Behörden die Hilfspflicht verschärft. Sarah Alsandi wird in einem Monat 18 Jahre alt. Sie ist keine dänische Staatsbürgerin, aber in Dänemark geboren und aufgewachsen. Bevor sie entführt wurde, wurde sie von der Kommune Favrskov in eine Wohnung gebracht, und genau deshalb haben die dänischen Behörden eine größere Pflicht, Sarah zu helfen. Dieses ist die Einschätzung von Frederik Waage, Professor für Verwaltungsrecht an der Syddansk Universitet (Universität von Süddänemark).

„Sie wird von der Kommune Favrskov in einer Einrichtung außerhalb des Hauses untergebracht. In einem solchen Fall verpflichtet das Verwaltungsgericht die Kommune, das Mädchen zu unterstützen. Ich gehe daher davon aus, dass das Außenministerium Kontakt zu den kurdischen Behörden hat und dass sie sie so weit wie möglich bei der Heimreise unterstützen“, sagt Frederik Waage.

Das Außenministerium wird Sarah aus dem Irak abholen, wenn sie 18 wird. Seit Sarah Alsandi im kurdischen Sicherheitshaus angekommen ist, hat ihre Familie fünf Mal versucht, sie über das örtliche Gericht ausliefern zu lassen.

„Wenn ich jetzt zu meiner Familie zurückkomme, werde ich getötet. Daran habe ich überhaupt keinen Zweifel. Sowohl meine Mutter als auch mein Vater haben wiederholt gesagt, dass sie mich töten oder verletzen werden, wenn ich versuche, mich von der Familie zu trennen“, sagt Sarah Alsandi.

TV 2 hat Kontakt zu den kurdischen Behörden aufgenommen, die in einer E-Mail schreiben, dass Sarah Alsandi nach irakischem Recht ohne Zustimmung ihrer Eltern nicht außer Landes reisen darf, solange sie minderjährig ist. Daher kann das Außenministerium Sarah Alsandi erst mit 18 Jahren nach Hause helfen. Aber es könnte zu spät sein, befürchtet Sarah Alsandi.

Das Außenministerium wollte nicht interviewt werden, aber Presseberater Thorleif Ravnbak schreibt in einer E-Mail an TV2: „Der Bürgerdienst des Außenministeriums ist über den Fall informiert und leistet konsularische Unterstützung. Wir sind in persönlichen Angelegenheiten zur Vertraulichkeit verpflichtet und können daher keine weiteren Informationen geben.

TV2 hat Sarah Alsandis Vater mit ihren Aussagen in Verbindung gebracht. Er will nicht interviewt werden, sagt aber zu TV2, dass er nicht will, dass Sarah nach Dänemark zurückkehrt. Er bestreitet, Sarah Gewalt oder Drohungen ausgesetzt zu haben, und bestreitet, dass sie im Irak in Todesgefahr ist.

Quelle: TV2 ØSTJYLLAND – übersetzt und bearbeitet von

Günter Schwarz – 11.01.2021

Foto: TV2 ØSTJYLLAND