Am 27. Januar 1945 befreite die Rote Armee mit der 322. Infanteriedivision der 60. Armee der I. Ukrainischen Front unter dem Oberbefehl von Generaloberst Pawel Alexejewitsch Kurotschkin die Gefangenen des Konzentrationslagers Auschwitz Birkenau, in dem die Nazis während der NS-Zeit anderthalb Millionen Männer, Frauen und Kinder emordeten.

Somit wurde Auschwitz zum Synonym für den Massenmord der Nazis an Juden, Sinti und Roma und anderen Verfolgten. Auschwitz ist Ausdruck des Rassenwahns und das Kainsmal der deutschen Geschichte.

Der 27. Januar, der Tag der Befreiung von Auschwitz, ist daher kein Feiertag im üblichen Sinn. Er ist ein „DenkTag“: Gedenken und Nachdenken über die Vergangenheit schaffen Orientierung für die Zukunft. Die beste Versicherung gegen Völkerhass, Totalitarismus, Faschismus und Nationalsozialismus ist und bleibt die Erinnerung an und die aktive Auseinandersetzung mit der Geschichte. In diesem Jahr 2021 jährt sich die Befreiung des KZ Auschwitz zum 76. Mal.

Doch auch 76 Jahre nach der Befreiung von Auschwitz beobachten wir ein Wiedererstarken des Antisemitismus in Deutschland und eine Zunahme antisemitischer Gewalttaten, die nicht zuletzt durch Parteien gefördert werden, die den „guten alten Zeiten“ nachtrauern, bezüglich der deutschen NS-Vergangenheit von einem „Vogelschiss der Geschichte“ reden, das jüdische Holocaust-Mahnmal in Berlon einen „Mahmal der Schande“ nennen und die sich inzwischen sogar schon im Bundestag und in vielen Landtagen breit machen, um ihre kranke Weltanschauung zu verbreiten.

Vor diesem Hintergrund ist die Auseinandersetzung mit den bedrückendsten Wahrheiten der Geschichte unseres Landes besonders gefordert, die jeden deutschen Bundesbürger unabhängig von seinem Alter angeht, denn gerade die nach dem Weltkrieg geborenen Generationen obliegt die Verpflichtung, darüber zu wachen, dass „ewig Gestrige“ nicht nochmals derartige Greueltaten an Menschen begehen.

Der ideologisch verbrämte Antisemitismus, abgeleitet aus den Rassentheorien des 19. Jahrhunderts, war ein grundlegendes Element nationalsozialistischer Weltanschauung. Beim reichsweit organisierten Boykott jüdischer Geschäfte entlud sich erstmals am 1. April 1933 der gesammelte Hass auf alles Jüdische.

Reichskanzler Adolf Hitler ließ 1935 auf dem „Reichsparteitag der Freiheit“ eine gesetzliche Regelung zum Verhältnis von „Ariern“ und „Nichtariern“ ausarbeiten. Am 15. September wurden das „Reichsbürgergesetz“ und das „Gesetz zum Schutze des deutschen Blutes und der deutschen Ehre“ verabschiedet. Beide „Nürnberger Gesetze“ stempelten unter anderem jüdischen Mitbürger zu Menschen minderen Rechts. Ebenso wurden Sinti und Roma verfolgt.

Der Kulminationspunkt des Terrors war die Reichsprogromnacht am 8. auf den 9. November 1938, als jüdische Geschäfte und Wohnungen zerstört und geplündert sowie Mitbürger jüdiscen Glaubens verhöhnt, bespuckt und geschlagen wurden. In der Nacht wurden 250 Synagogen in Brand gesteckt, 91 jüdische Bürger ermordet und mehr als 25.000 Juden in Konzentrationslager verschleppt.

Damit offenbarte sich zum ersten Mal offen die brutale Gewalt der Nazis gegen Juden, die für jedermann in allen Städten sichtbar war – und NIEMAND kann sich damit herausreden, er oder sie hätte nichts davon gewusst, denn diese Geschehnisse in Städten jeder Größe sprachen sich bis in die kleinsten Dörfer und Siedlungen herum.

von

Günter Schwarz – 27.01.2021

Fotos: Archivbilder