Die dänische Minderheit beendet eine hundertjährige Urlaubstradition. Sie will sich stattdessen auf einen aktuelleren Austausch über die Grenze hinweg konzentrieren.

Die dänische Minderheit südlich der Grenze arrangiert keine Urlaubsaufenthalte mehr für Minderheitskinder aus dänischen Familien. Der Bedarf ist nicht mehr vorhanden. Stattdessen werden Sommercamps und Studentenaustausch zwischen Kindern nördlich und südlich der Grenze organisiert, bei denen Kinder und Jugendliche abwechselnd eine Woche im Sommer miteinander leben.

Auf diese Weise versucht die Minderheit, einen zeitgemäßen Weg zu finden, um über die Grenze zwischen Dänemark und Deutschland hinweg menschlichen Kontakt herzustellen.

„Es ist sinnlos, an irgendetwas festzuhalten, nur weil wir das normalerweise tun“, sagt der Vorsitzende des Minderheitenschulverbandes, Udo Jessen, der die Entscheidung getroffen hat, aufzuhören.

„Zum Glück haben wir noch den Studentenaustausch“, meint Gitte Hougaard-Werner, Vorsitzende der Sydslesvigs Forening (Südschleswigscher Verein).

Im Jahr 2019 wurden nur 17 Kinder aus der Minderheit und neun neue Gastgeber in Dänemark für das Programm registriert. Es war das hundertjährige Jubiläum nach dem Feiertagskontakt im Jahr 1919, als Deutschland nach dem Ersten Weltkrieg stark verarmt war und die Kinder mit Familien in Dänemark auf die dringend benötigte Kur geschickt wurden. In vielen Fällen entstanden daraus lebenslange Beziehungen.

Von 1920 bis 1936 waren 22.000 Kinder aus Sydslesig (Südschleswig) in den Sommerferien in Dänemark, das für sie das gelobte Land war. Im Sommer 1947 kamen 8.000 Ferienkinder, 1948 9.900 und 1949 10.000 Kinder.

Der Bedarf nahm ab, als in Deutschland nach einem 2. Weltkrieg, den es selbst begonnen hatte, der Wirtschaftsaufschwung und das sogenannte -wunder begann. Im Sommer 2018 machten noch 96 Kinder aus Südschleswig Urlaub bei einer Familie in Dänemark, und 2019 fiel die Zahl, wie bereits erwähnt, auf siebzehn Kinder zurück.

Während der Ferien erhalten die Kinder einen Einblick in den Alltag einer dänischen Familie, vom Aufstehen bis zum Schlafengehen. „Es ist schwierig, diese Erfahrung durch Sommerlager zu ersetzen, aber zum Glück haben wir immer noch den Studentenaustausch“, sagt die Vorsitzende der Sydslesvigs Forening, Gitte Hougaard-Werner.

Quelle: TV SYD – übersetzt und bearbeitet von

Günter Schwarz – 28.02.2021

Foto: TV SYD