(Aarhus) – Eine Frau aus Aarhus wird beschuldigt, die dänische Regierungschefin, Statsministerin Mette Frederiksen (Socialdemokraterne), bedroht zu haben. Die Polizei erhielt die Anzeige von einem Bürger.

Eine Frau in Aarhus wurde am vdergangenen Wochenende wegen Verstoßes gegen das Strafgesetzbuch angeklagt, weil sie auf einer Facebook-Seite ein Foto einer Puppe mit dem Gesicht von Statsministerin Mette Frederiksen veröffentlichte. Die Puppe wurde während einer Demonstration in Brand gesetzt.

Die Frau wurde verhaftet und wegen Verstoßes gegen § 119 StGB angeklagt, hat die Polizei der Tageszeitung „Politiken“ mitgeteilt. Diese Bestimmung betrifft unter anderem die Androhung von Gewalt gegen Personen im öffentlichen Dienst.

Die Østjyllands Politi (Ostjütland Polizei) informierte am Dienstag darüber, dass sie die Maßnahme ergriffen hat, nachdem sie eine Anzeige von einem Bürger erhalten hatte. Die Polizei will jedoch nicht darauf antworten, welche Überlegungen zur Berücksichtigung der Meinungsfreiheit angestellt wurden. Solange eine Untersuchung läuft, wird die Polizei den Hintergrund des Vorwurfs nicht näher erläutern oder weitere Informationen zu dem Fall liefern, heißt es in einer E-Mail der Østjyllands Politi.

Die Angeklagte ist Vivian Anita Alexandru, die 29 Jahre alt ist und sich laut „Politiken“ als Teil einer Bewegung sieht, die gegen die Covid-19-Beschränkungen protestiert. Die berühmte Puppe mit dem Gesicht der Statsministerin war auch mit einem Schild mit dem Text „Hun må og skal aflives“ (Sie muss und soll getötet werden) versehen.

Die Puppe wurde ursprünglich während einer Demonstration im Januar in København verwendet und in Brand gesteckt. Drei Männer wurden aufgrunddessen unter anderem wegen Drohung gegen die Statsministerin angeklagt, und das Gericht in Frederiksberg hat beschlossen, sie mehrere Wochen lang in Gewahrsam zu halten.

Am Freitag findet in diesem Fall eine Gerichtsverhandlung statt. Rechtsanwalt Jonas Christoffersen verteidigt die Frau. Er informierte „Politiken“ am Dienstag, dass sie das Bild von der Website von TV 2 heruntergeladen und auf ihrer Facebook-Seite veröffentlicht hatte. Er kritisiert das Verhalten der Polizei „Anscheinend wird jetzt gegen alles durchgegriffen, was auf eine deutliche Distanzierung von der Coronapolitik der Regierung hinausläuft“, sagt er gegenüber „Politiken“.

Der Direktor der Denkfabrik Justitia hat auf Twitter geschrieben, dass er von den Maßnahmen der Behörden „definitiv erschüttert“ sei. „Es ist verrückt, was gerade in Dänemark passiert. Polizei und Staatsanwaltschaft scheinen völlig außer Kontrolle zu sein, wenn man die Reaktionen auf Proteste gegen die Regierung betrachtet“, heißt es von Jacob Mchangama.

Quelle: TV2 ØSTJYLLAND – übersetzt und bearbeitet von

Günter Schwarz – 16.03.2021

Fotos: TV2 ØSTJYLLAND