(Kolding) – Pastoren in der Folkekirke (Volkskirche) haben die Freiheit, selbst zu entscheiden, ob sie schwule Paare trauen wollen oder nicht. In der Kristkirken (Christkirche) in Kolding wurde in den letzten Jahren aufgrund der Haltung der Pastoren zur Ehe von Geschiedenen und Homosexuellen sowie über Pstorinnen viel diskutiert.

Bis vor kurzem waren alle Pastoren in der Kirche in Kolding dagegen. Jetzt ist der 30-jährige Jes Nedergaard Espersen als Pasto in die Kirche versetzt worden. Im Gegensatz zu seinen Kollegen möchte er Geschiedene trauen und setzt sich für Pastorinnen ein. „Genau diese Einstellungen waren Teil der Überlegungen bei der Einstellung – wie der neue Pastor diese Themen betrachtet – nachdem die Bischofin der Diözese Haderslev, Marianne Christensen, Kristkirken ermutigt hatte, einen Pastor mit diesen Einstellungen einzustellen“, sagt die Vorsitzende des Kirchengemeinderats, Laila Langelund Damm.

„Es war entscheidend, dass wir die richtige Person gefunden haben. Es ist schwer zu sagen, dass es eine Kardinalsfrage war, aber es war eine Frage, die wir ihnen gestellt haben“, sagt die Vorsitzende des Kirchengemeinderats, Laila Langelund Damm, in Bezug auf die Vorstellungsgespräche.

Der neue Pastor hingegen wird wie seine Pastorenkollegen in der Kristkirken keine Homosexuellen trauen. Im Jahr 2012 wurde es in Dänemark möglich, dass zwei Personen des gleichen Geschlechts heiraten, aber Priester haben, wie im Gesetz beschrieben, das Recht, die Trauuug von Homosexuellen zu verweigern.

„Meine Position ist völlig legitim und gesetzlich abgesichert. Wir sind jemand, der die Einstellung hat, dass die Bibel nicht die Möglichkeit eröffnet, dass zwei Menschen des gleichen Geschlechts heiraten“, sagt Jes Nedergaard Espersen und gibt an, dass er derzeit keine weiteren Kommentare zu dem Thema abgibt.

Zu dee Zeitung „JydskeVestkysten“ sagt er jedoch, dass er persönlich gerne Homosexuelle trauen würde, aber dass er dieses nicht auf der Grundlage dessen tun kann, was in der Bibel geschrieben steht.

Jes Nedergaard Espersen beginnt am 15. Mai als Priester in der Kristkirken. Foto: Kristkirken Kolding

Die 14 Kirchengemeinderatsmitglieder der Kristkirken haben sich zu der Ernennung geäußert. Hier sagt Laila Langelund Damm, dass es im Rat unterschiedliche Einstellungen zur Ehe von Homosexuellen gibt, aber dass dieses für die Anstellung des Pastors nicht entscheidend war. „Ich hoffe, dass die Menschen Jes akzeptieren, denn es gibt viele andere Dinge, die ein Pastor tun muss, als die drei Themen (Ehe von Geschiedenen und Homosexuellen und Einstellung zu Pastorinnen, Hrsg.) zu diskutieren.

„Er ist ein guter Mensch, und Hochzeiten nehmen in unserer Kirche nicht so viel Platz ein“, sagt sie und fügt an, dass sie letztes Jahr insgesamt zehn Hochzeiten hatten. Die Unterstützung für die Homo-Ehe in der dänischen Folkekirken ist ansonsten weit verbreitet. Das zeigte eine Umfrage von TV 2 aus dem Jahr 2017, in der 876 Priester gefragt wurden, ob sie Homosexuelle trauen würden. Hier antworteten vier von fünf Pastoren, dass sie Homosexuelle in der Folkekirke trauen täten.

Eheschlißungen von Homosexuellen in der Folkekirke

  • 2012: 51
  • 2013: 77
  • 2014: 84
  • 2015: 99
  • 2016: 105
  • 2017: 98
  • 2018: 126
  • 2019: 110
  • 2020: 83

Quelle: Statistik Danmark.

In den letzten Jahren hat sich die Zahl der Schwulenehen in der Folkekirken von 83 Eheschließungen im Jahr 2020 auf rund 100 Ehen pro Jahr erhöht. Bei zivilen Ehen haben im Jahr 2020 343 Eheschließungen stattgefunden.

„Es geht aber nicht unbedingt darum, dass Homosexuelle sich in der Kirche nicht im weitesten Sinne willkommen fühlen“, sagt Peder Holk Svendsen, der dem LGBT-Komitee angeschlossen ist und einen Abschluss in Theologie und Religionswissenschaft hat. „Im Allgemeinen ist es kein Problem. Die Leute werden wahrscheinlich eine Lösung finden, aber im Prinzip ist es ein Problem für diejenigen, die darauf eingehen“, sagt er.

Peder Holk Svendsen ist in der Debatte um LGBT-Rechte aktiv und hat Theologie und Religionswissenschaft an der Universität Aarhus studiert. Foto: Privat

Ihm zufolge ist die Ehe eine kirchliche Aufgabe für den Staat, die vor mehr als 500 Jahren begann, als es typischerweise Priester waren, die lesen und schreiben und so Heiratspapiere ausstellen konnten. Daher glaubt er, dass Pastoren im Prinzip die einzigen Beamten sind, die heute das Recht haben zu sagen, dass sie einer bestimmten Gruppe von Bürgern nicht dienen wollen.

„Für mich ist es eine Frage der Gleichstellung der Geschlechter, weil die Kirche eine Aufgabe übernimmt, die eine Bürgerpflicht ist, die im Auftrag des Staates übernommen wird, und es keine Bürger erster und zweiter Klasse gibt. Es gibt nur Bürger“, erklärt Peder Holk Svendsen.

Jes Nedergaard Espersen will derzeit nicht weiter darauf eingehen, warum er keine Homosexuellen trauen will.

Quelle: TV SYD – übersetzt und bearbeitet von

Günter Schwarz – 31.03.2021

Fotos: TV SYD / Kristkirken Kolding / Privat