Laut Experten ist Grønland wichtig für die außenpolitischen Karten, die Dänemark zur Hand hat. Es ist so etwas wie eine Verbindung, die Dänemark und Grønland zusammenhält. Bis 1953 war Grönland eine dänische Kolonie. Und seitdem ist das Land auf dem Weg zu mehr Eigenständigkeit, um den Kurs und die Zukunft des Landes zu bestimmen.

Obwohl die Bindung zu Dänemark im Laufe der Zeit lockerer geworden ist, sind Dänemark und Grønland immer noch miteinander verbunden. Diese Verbindung besteht unter anderem durch das sogenannte Commonwealth, das aus Dänemark, Grønland und den Færøerne (Färöern) besteht.

Gleichzeitig erhält Grønland von Dänemark einen Blockzuschuss in Höhe von 3,9 Mrd. Kronen (534,2 Mio. Euro) pro Jahr. Und während die meisten grönländischen Politiker langfristig Unabhängigkeit wollen, sprechen viele dänische Politiker herzlich über das Commonwealth.

„Die Beziehung hat aber auch einen Einfluss darauf, wie sich Dänemark international positionieren kann“, sagt Rasmus Leander Nielsen, Sozialwissenschaftler an der Universität Grønland, Ilisimatusarfik. „ Grønland bedeutet viel für die Außenpolitik und für das dänische Selbstverständnis, ein wichtiger Akteur in der Arktis zu sein“, sagt der Sozialwissenschaftler

Derzeit erlebt Grønland aufgrund seiner Lage ein Tauziehen zwischen den Großmächten der Welt. Dieses liegt daran, dass die Arktis in den letzten Jahren von Ländern wie den Vereinigten Staaten, Russland und China größere Aufmerksamkeit erhalten hat. Sie haben sich in den Sattel gesetzt, um ihren Einfluss in der Region zu stärken, und dieses liegt zum Teil daran, dass die Region reich an knappen Ressourcen ist und das schmelzende Eis zu neuen und kürzeren Handelswegen führen kann.

Was ist der Arktische Rat?

  • Der Arktische Rat ist ein Forum für Länder rund um die Arktis. Hier werden Fragen im Zusammenhang mit dem Gebiet wie Klima, Gesundheit, Umweltschutz und wirtschaftliche Entwicklung erörtert.
  • Der Rat besteht aus den acht arktischen Staaten: Dänemark, Norwegen, Schweden, Island, Finnland, Kanada, den Vereinigten Staaten und Russland sowie sechs Organisationen, die die indigenen Völker der Region vertreten.

„Da Grønland Teil des Commonwealth ist und Dänemark seine Außen-, Verteidigungs- und Sicherheitspolitik verwaltet, hat Dänemark auch einen Platz bei den wichtigsten Ländern, wenn es um die Arktis geht“, sagt Rasmus Leander Nielsen, Sozialwissenschaftler an der Universität von Grønland, Ilisimatusarfik. „Wenn Dänemark ausgeht und sich selbst als arktische Supermacht bezeichnet, macht es nur in Grønland Sinn. Ohne Grønland sei Dänemark kein Akteur in der Arktis oder Teil des Arktischen Rates“, sagt er.

„Und es ist wichtig, dass Sie im Arktischen Rat am Tisch sitzen können. Denn wenn sich die Mitglieder des Rates treffen, steht die Zukunft der Arktis auf der Tagesordnung. Und hier können die dänische Mitgliedschaft und die Verbindung zu Grønland auch etwas über die Beziehung zu den USA aussagen“, erklärt Ulrik Pram Gad.

„Die Arktis ist ein wichtiger Ort für die Teilnahme Dänemarks, und Grønland ist ein guter Ort, um ihn den Vereinigten Staaten zur Verfügung zu stellen. Weil die USA sehr von der Thule-Basis in Grønland abhängig sind, um sich gegen Atomraketen verteidigen zu können“, erklärt der leitende Forscher, wie man auch die Bedeutung für Dänemark verstehen kann.

Es geht aber nicht nur um Dänemark in der internationalen Gemeinschaft. Weil in der Arktis mehr auf dem Spiel steht. „In den kommenden Jahren kann es auch ein Ort sein, an dem man sich ein wenig zwischen den Großmächten festsetzen kann. Und dann ist die Frage, ob es schön ist“, sagt Ulrik Pram Gad.

Obwohl Dänemark offiziell für die Außen- und Verteidigungspolitik zuständig ist, hat das große Interesse an der Region den Grønländern auch eine unschätzbare Karte gegeben. „Kurz gesagt, die grönländischen Politiker erkennen den Wert ihres Landes., weil es ihnen mehr Blut auf den Zahn gegeben hat“, sagt Ulrik Pram Gad.

„In Grønland besteht ein größeres Interesse von außen. Diese Interessen haben den grönländischen Politikern mehr Selbstvertrauen gegeben. Weil Sie jetzt sehen können, dass es andere gibt, die mit ihnen kooperieren wollen als die Dänen. Es gibt ihnen Mut, den Wunsch nach Unabhängigkeit umzusetzen“, sagt er.

Aber nicht nur bei den grönländischen Politikern hat der Großmachtkampf die Augen geöffnet, so Ulrik Pram Gad. Es hat auch dazu beigetragen, die Art und Weise zu ändern, wie dänische Politiker Grønlands Wünsche sehen und das Land erwähnen, sagt er.

„Wenn Sie den dänischen Politikern der letzten 15 Jahre zuhören, können Sie sehen, dass sich die Debatte sehr bewegt. Die Menschen sind sich viel bewusster geworden, den Wunsch nach Unabhängigkeit ernst zu nehmen, nehmen aber auch ernst, dass Grønland nicht so angesprochen wird, als wären sie Kinder“, erklärt der leitende Forscher.

Insbesondere glaubt der leitende Forscher, dass sich die Art und Weise, wie die Beziehung zwischen den beiden Ländern erklärt wird, geändert hat. „Es war leicht, eine Geschichte zu erzählen, dass Grønland nicht wirklich auf eigenen Beinen stehen kann oder alt genug ist, um Verantwortung zu übernehmen. Aber dänische Politiker sind besser darin geworden, solche Geschichten nicht zu erzählen, weil sie wissen, dass es in Grønland enorm provokativ wirkt“, sagt er.

Anmerkung: Am 6. April werden die Grønländer zur Wahl gehen, um ihre Stimmzettel auf der Grundlage der Partei oder des Kandidaten abzugeben, die sie im grönländischen Parlament Inatsisartut sehen möchten.

Quelle: Danmarks Radio – übersetzt und veröffentlicht von

Günter Schwarz – 03.04.2021

Foto: Danmarks Radio