(Aalborg) – Justizminister Nick Hækkerup (Socialdemokraterne) nennt den Fall „empörend und zutiefst beschämend“. Ein jüdischer Friedhof in Aalborg wurde letzte Nacht gescändett. Dieses erklärt der diensthabende Beamte der Nordjyllands Politi (Nordjütland Polizei), Jess Falberg, gegenüber TV 2.

„Wir erhielten heute Morgen um 07.54 Uhr eine Meldung, dass ein Täter rote Farbe auf Mauerwerk geschmiert und zwei Grabsteine rot verschmiert hat. Gleichzeitig wurden Flyer mit antisemitischen Botschaften hinterlassen“, sagt Jess Falberg. Die antisemitischen Flyer sind von der Neonazi-Organisation „Nordfront“ signiert.

Nach Angaben der Polizei von Nordjylland werden sie nun eine Untersuchung des Falls auf der Grundlage der verstreuten Flyer einleiten. Hier wird die Polizei unter anderem versuchen, nach DNA-Spuren zu suchen. Gleichzeitig haben die Patrouillen um jüdische Institutionen zugenommen. „Wir haben nichts, was auf bestimmte Personen hinweist. Aber uns ist klar, wo wir jetzt nach potenziellen Tätern suchen sollten“, sagt Jess Falberg.

Auf der Website der „Nordfront“ wurden mehrere Bilder veröffentlicht. Nach Angaben der Organisation wurden in mehreren Städten des Landes Maßnahmen ergriffen, um das Bewusstsein für jüdische Traditionen zu schärfen, die die Organisation als Tierquälerei bezeichnet.

Eine der Städte ist Horsens, wo „Nordfront“ Bilder von Puppen und Flyern gepostet hat. Die Sydøstjyllands Politi (Südostjütland Polizei) bestreitet jedoch, dass es in der Stadt antisemitischen Vandalismus gegeben hat. Die Polizei kennt die Bilder auf der „Nordfront“-Website, die blutige Puppen in Horsens zeigen sollen, aber sie haben keinen Vandalismus gefunden.

Zu der Boulebardzeitung „Ekstra Bladet“ sagt Nordfront-Administrator Mikkel Pedersen, dass die „Nordfront“ zwischen einer Organisation und einer Widerstandsbewegung aufgeteilt ist. „Nordfront unterstützt natürlich den Aktivismus, den eine Widerstandsbewegung ausübt, und wir sind uns einig, das Sprachrohr und der enge Mitarbeiter der Widerstandsbewegung zu sein.“

Der Vandalismus in der Nacht hat Justizminister Nick Hækkerup zu einer Reaktion veranlasst. In einem schriftlichen Kommentar nennt er den Vandalismus gegen einen jüdischen Friedhof in Aalborg „empörend und zutiefst beschämend“.

„Der Fall wird derzeit von der Polizei untersucht, und es ist einfach verwerflich, dass wir erneut Zeuge der Entweihung von Grabstätten werden müssen“, heißt es in einem schriftlichen Kommentar des Ministers.

Anmerkung: Jüdische Ruhestätten sind Friehöfe mit Besonderheiten, die sich aus den Gesetzen des Judentums ergeben. So ist die Erdbestattung vorgeschrieben. Die dauerhafte Totenruhe gilt als verbindlich und steht einer begrenzten Ruhefrist auf christlichen Friedhöfen entgegen. Die Besucher legen statt Blumen in der Regel kleine graue Steine auf das Grab. Mit Bezug zu seinem lebensbejahenden Charakter und der Messias-Erwartung wird der jüdische Friedhof – nach einem jiddischen Ausdruck auch „guter Ort“ genannt.

Quelle: TV2 – übersetzt und bearbeitet von

ünter Schwarz – 04.04.2021

Foto: TV2