Vor 800 Jahren waren die Aktivitäten unter den Strohdecken in vollem Gange. Ein mittelalterlicher Mann hatte viel guten Sex, sagt neues Buch der Historikerin Kaare Johannessen. Die schlechte Nachricht: Seitdem geht es bergab.

Zugegeben, die Entwicklungen seit dem Mittelalter haben viele gute Dinge mit sich gebracht, wie Elektrizität, Licht, Penicillin und Fernwärme. Aber die innere Wärme, die sich zwischen zwei Menschen ohne viel Kleidung entwickeln kann, hat beengte Verhältnisse. Tatsächlich hat es früher viel mehr Spaß gemacht, Sex zu haben, als es keine Tagungen und kein Homeoffice gab. Das sagt uns die Historikerin Kaare Johannessen in dem brandneuen Buch „Lyst og Lidenskab i Middelalderen“ (Lust und Leidenschaft im Mittelalter).

Durch die Untersuchung unter anderem alter kirchlicher Schriften hat die Autorin ein ansonsten weitgehend unbeschriebenes Thema in Dänemark beleuchtet: Das sexuelle Verhalten sowohl hier im Norden als auch in Europa in den Jahren 1000-1500. Das Ergebnis ist ziemlich enttäuschend. Rein sexuell haben wir uns gehenlassen, anstatt uns weiterzuentwickeln.

Im Mittelalter gehörten Sexualität und Kirche eng zusammen. Von einer liebevollen Beziehung zwischen den Paaren war jedoch keine Rede, denn Sex sollte nur dazu verwendet werden, sich fortzupflanzen, um die Linie voranzutreiben, und nicht um Lust und Freude. Sex außerhalb der Ehe war entschieden eine Straftat, ebenso wie der Genussanteil des ehelichen Sex auf ein Minimum beschränkt werden musste. Alles andere als die klassische Missionarsstellung konnte ebenfalls zu schweren Strafen führen.

Es durfte keinen Spaß machen, um Gottes willen. Und das war wörtlich gemeint. Denn wenn Sie zu beschäftigt waren, Sex zu genießen, konnten Sie nicht gleichzeitig Gott dienen. „In dem Moment, in dem es lustig wird, fällt der Hammer. Das darfst du nicht tun. Aber dass es nicht erlaubt ist, heißt nicht, dass sie es nicht tun“, sagt Kaare Johannessen, Historikerin und Autorin.

Gerade aufgrund des heutigen Verhältnisses der Kirche zur Sexualität ist es möglich, einen Einblick in die mittelalterliche Einstellung zum Sex zu gewinnen. Die Kirche hatte ein ganzes Genre von Büchern, in denen die Bußgelder für sexuelle Verfehlungen genannt wurden. Dieses war eine Art Faktenliste darüber, welche sexuellen Exzesse welche Strafen mit sich brachten.

Das Lustige daran ist, dass dieses geniale Strafsystem von Mönchen und Nonnen erarbeitet und berechnet wurde und ihre Fantasien darüber, was die Bevölkerung sexuell tat, die Realität weit übertrafen. Daher kann man über einige sehr kreative sexuelle Manifestationen lesen, die jedoch kaum stattgefunden haben dürften. „Manchmal fuhren sie völlig aus einer Tangente heraus und begannen, Strafen für ein Verhalten zu erfinden, das sich niemand jemals vorgestellt hatte“, sagt Kaare Johannesen.

Das Überraschendste für die Autorin war, dass in den 800 Jahren so wenig passiert ist. Alles, was wir heute rein sexuell erfinden, haben sie bereits im Mittelalter durchgestrichen. „Wir gehen herum und denken, wir sind an vorderster Front und passen uns an, dass der Nachbar zum Swingerclub geht, aber unter der Sonne gibt es nichts Neues. Das ist damals einfach unter dem Radar passiert“, sagt Kaare Johannesen.

Rede nicht so viel über Sex. Sprich es nicht zu Tode. So könnte der gute Rat von mittelalterlichen Sex-Experten klingen. Es scheint, dass es damals mehr Spaß gemacht hat, Sex zu haben als heute.

„Heute reden wir unglaublich viel über Sex, obwohl es für viele sehr problematisch geworden ist, und wir lesen Selbsthilfebücher und gehen in die Therapie. Im Mittelalter haben die Leute nicht so viel darüber gesprochen, aber anscheinend haben sie es mehr getan“, sagt Kaare Johannesen – wie gesagt: „Üben!“

Das Buch „Lyst og Lidenskab i Middelalderen“ von Kaare Johannessen erscheint am 9. April. (ISBN 9788740667912, Verlag: Turbine, Sprache: Dänisch)

Quelle: TV2 FYN – übersetzt und veröffentlicht von

Günter Schwarz – 07.04.2021

Foto: TV2 FYN