Für die Familie Gylche wurde das Ende des Zweiten Weltkriegs zum Albtraum. Ein kurzer Brief von Anfang 1945 verbirgt eine ernste und tragische Geschichte der Familie Gylche Munch. Der Brief wurde im Westgefängnis von Preben Gylche geschrieben. Kurz zuvor war er erst 18 Jahre alt geworden, als er von den Deutschen hingerichtet wurde, weil er versucht hatte, einem deutschen Soldaten auf der Vesterbrogade in København die Waffe abzunehmen.

Sein Versuch schlug fehl, und ihm wurde bei dieser Gelegenheit ins Bein geschossen. Er versuchte noch zu fliehen, wurde aber kurz darauf festgenommen. In dem Brief, der der letzte ist, den seine Familie von ihm erhielt, hatte er seine Strafe noch nicht erhalten. Und somit ist der Brief kein Abschiedsbrief. Unter anderem geht es um Kleidung, die er verlangt. Und er sagt, er wird bald zu Hause sein.

Der letzte Brief, den Preben Gylches Mutter von ihrem Sohn erhalten hat.

Warum er so schrieb, fragt sich sein Neffe Preben Gylche Munch, der nach seinem Onkel benannt ist, der der Bruder seiner Mutter war. „Was ist ihm durch den Kopf gegangen? Er war sich bewusst, dass er nach seiner Genesung nicht nach Hause gekommen war“, sagt Preben Gylche Munch, der zusammen mit seinem Sohn Rasmus in die gewalttätige Familiengeschichte eingetaucht ist. Beide sind überzeugt, dass der junge Preben von einem Motiv getrieben wurde: Rache.

Es war wahrscheinlich ein ganz bestimmtes Ereignis im Jahr 1944, das Preben Gylche von einem Widerstandskämpfer in einer Warteposition zu einem aktiven Kampf gegen die Deutschen machte.

Sein Vater, Carl Poul Christian Gylche, Detektivassistent bei der København Politi (Kopenhagener Polizei), war einer der vielen der dänischen Polizei, die die Besatzungsmacht 1944 nach Deutschland deportierte. Der Vater hat den Aufenthalt im KZ nicht überlebt. Am 15. November 1944 starb er im Konzentrationslager Buchenwald an Krankheit im Alter von 54 Jahren.

Nur drei Monate später wurde der Sohn Preben erschossen, der jüngste Mann, den die Deutschen in der Hinrichtungsstätte Ryvangen in Hellerup bei København hinrichteten. Er ist heute in Mindelunden zusammen mit über hundert anderen dänischen Freiheitskämpfern begraben.

Preben Gylche wurde nur 18 Jahre alt. Er war der jüngste, den die Deutschen in Ryvangen hingerichtet haben.

Quelle: TV LORRY – übersetzt und bearbeitet von

Günter Schwarz – 24.04.2021

Fotos: TV LORRY