Seit geraumer Zeit ist unsere in Sønderborg ansässige Lokalredakteurin Charlotte auf Twitter unterwegs, um ihre Sicht der Dinge und ihre Beiträge zu posten. Inzwischen hat sie auch schon eine Followerschaft von knapp 1200 Followern. Charlotte kommentiert aufmerksam, hin und wieder scharf, bedient sich dabei aber weder Schimpfwörtern, noch „Hass oder Hetze“ im Sinne von Bedrohungen oder beleidigungen.

Nachdem sie sich jedoch kritisch zu dem Umstand geäußert hat, indem die LGBTQIA-Community sich durch Frauen, die als „Menschen mit Gebärmutter“ betitelt werden, diskriminiert fühlen, wurde ihr Kommentar mehrfach gemeldet. Die Folge ist eine zunächst 7-tägige Sperre. Da Charlotte, wie gesagt, keine Beleidigungen in die Welt geblasen hat, wird sie sich nun auf Twitter zu bestimmten Themen gar nicht mehr in deutscher Sprache äußern können.

Das deutsche „NetzDG“ scheint selbsternannte Sittenwächter aufzurufen, schlichtweg jeden Kommentar zu melden, der nicht in ihr eigenes Weltbild passt. Da das NetzDG den Betreibern bei „nicht-Löschung“ mit Strafen droht, werden solche gemeldeten Beiträge zunächst gelöscht und die Urheber sanktioniert. Da Facebook und auch Twitter diese gemeldeten Beiträge überwiegend in südostasiatischen Zentren sichten lassen, können die Verantwortlichen vermutlich bei deutschsprachigen Beiträgen nicht erkennen, ob es sich tatsächlich um eine Beleidigung handelt, oder nur einen „scharfen Kommentar“.

Ob es für die Meinungsvielfalt nützlich ist, dass Journalisten freiwillig schweigen, sollte man die berufsempörten NetzDG-Fans fragen. Bedenklich ist auch, dass in diesen Fällen die Meinungsfreiheit nicht etwa von staatlichen Behörden oder Gerichten beschnitten wird, sondern von einem überambitionierten Mob, ohne jede fachliche Kompetenz.

Unsere Charlotte wird in sieben Tagen wieder an den Start gehen. In deutscher Sprache dann auch eher schweigsam, ganz brav, systemkonform, unkritisch. Eben GANZ so, wie die Twitter-Blockwarte des Landes der Dichter und Denker sich Journalistinnen und Meinungen wünschen. Kritische Beiträge posten wir, wie bisher, natürlich hier auf unserer Seite und in sozialen Medien ggf. in dänischer Sprache.

Die dänische Bevölkerung hat bei weitem nicht so eine masturbative Inbrunst, Meinungen zum Schweigen zu bringen wie die deutschen Musterbürger. Den Deutschen empfiehlt Charlotte die Lektüre des Buches „Fahrenheit 451“ von Ray Bradbury.