(Kolding) – Die linksliberale Partei Radikale Venstre in der Kommune Kolding will, dass der Naturpark Lillebælt (Kleiner Belt) in einen Natur-Nationalpark umgewandelt wird. Die Bürgermeister der Region sind nicht einbezogen.

Der Vorschlag, den Lillebælt zu einem Natur-Nationalpark zu machen, stößt bei den Bürgermeistern der Lillebælt-Kommunen nicht auf eindeutige Zustimmung. Die Radikale Venstre in der Kommune Kolding schlägt vor, den Lillebælt als einen von 15 Natur-Nationalparks auszulegen, die in den kommenden Jahren in Dänemark eingerichtet werden sollen.

„Es gibt ene Waserstraße am Lillebælt, und es ist der falsche Weg“, sagt die Bürgermeisterkandidatin der Radikalen Venstre in Kolding, Merete Due Paarup, die den Vorschlag vorgelegt hat.

Merete Due Paarup geht davon aus, dass im Lillebælt mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Natur-Nationalpark entstehen kann. Foto: Nicklas Palner, TV SYD

Zuvor hatten neun Bürgermeister mit Küsten bis zum Lillebælt einen offenen Brief an Umweltministerin Lea Wermelin (Sozialdcmokraterne) geschickt. In dem Brief schreiben sie, dass die Artenvielfalt im Lillebælt durch Sauerstoffmangel und Fischmangel bedroht sei, was die vom Fischfang lebenden Berufsfischer bedrohe.

Unterschied zwischen Nationalparks und Natur-Nationalparks

  • Natur-Nationalparks haben ein eigenes Gesetz, aber es gibt keinen gesonderten Naturschutz im Gesetz. Aus diesem Grund sind in Nationalparks sowohl Forst- als auch Landwirtschaft üblich. Es behindert die Artenvielfalt der Nationalparks stark. Oft sind auch städtische Gebiete in Natur-Nationalparks eingeschlossen.
  • Für Naturparks gibt es noch keine eigenständige Gesetzgebung, aber eine solche ist in Vorbereitung, so der Umweltminister. Es wird erwartet, dass Naturparks zu 100 Prozent frei von Forst- und Landwirtschaft und jeglicher sonstigen Produktion gehalten werden und zunächst auf Staatsland errichtet werden.
  • In Natur-Nationalparks entwickelt sich die Natur weitestgehend aus sich selbst heraus und umfasst große, zusammenhängende Flächen. Die natürliche Hydrologie wird wiederhergestellt und Weidetiere werden ausgesetzt, um Dynamik und eine höhere Artenvielfalt zu schaffen.

Quelle: Miljøministeriet (Umweltministerium)

Aber auch wenn die Bürgermeister von fünf Kommunen des Lillebælts zuvor Mitunterzeichner des Schreibens waren, sind sie sich nicht sicher, dass ein Natur-Nationalpark die Antwort auf die Probleme des Lillebælts ist. Sie möchten zunächst untersucht haben, was es bedeutet, den Lillebælt zu einem Natur-Nationalpark zu machen.

„Viele der jetzt vorliegenden Vorschläge deuten darauf hin, dass es noch einige Wochen bis zu den Kommunalwahlen gibt. Ich weiß nicht, was es bedeutet, wenn man ein Wassergebiet zu einen Natur-Nationalpark bestimmt, und wir müssen es erst richtig untersuchen“, sagt Vejles Bürgermeister Jens Ejner Christensen (Venstre / Rechtsliberale Partei).

Diese Meinung teilt Koldings Bürgermeister Jørn Pedersen (Venstre), kritisiert aber auch die Radikale Venstre. „Der Stadtrat von Kolding, einschließlich der Radikalen Venstre, hat Stenderup Nørreskov zum Naturpark ernannt. Gleichzeitig hätten sie vorschlagen können, den Lillebælt einzubeziehen. Es sei reiner Wahlkampf“, sagt er.

Auch Jørn Pedersen hinterfragt, ob es überhaupt möglich ist, einen Natur-Nationalpark auf dem Wasser einzurichten. Merete Due Paarup (Radikale Venstre) bestreitet gegenüber TV SYD, dass es sich um einen „reinen Wahlkampf“ handele. „Es geht darum, dass wir den Lillebælt schon lange auf der Agenda haben und jetzt von den Natur-Nationalparks die Rede ist“, sagt sie.

Der Bürgermeister von Fredericia, Steen Wrist Ørts (Socialdemokraterne), steht einem Natur-Nationalpark im Lillebælt sofort positiv gegenüber. Er will vermeiden, Hafenschlamm abzuladen, neue Felsriffe anzulegen und in einen Dialog zu treten, wie man etwas mehr für den Lillebælt tun kann. „Wenn das die Richtung ist, in die es geht, dann ist es richtig“, sagt er.

TV2 FYN hat mit den Bürgermeistern auf der Ostseite des Lillebælts gesprochen, und auch hier stößt der Vorschlag auf Skepsis. Einer der Skeptiker ist Johannes Lundsfryd (Socialdemokraterne), Bürgermeister von Middelfart. „Ich habe großes Verständnis für die Idee eines Meeres-Nationalparks im Lillebælt. Aber ich bin mir nicht ganz sicher, ob die Einrichtung eines Natur-Nationalparks die Probleme lösen wird“, sagt er. Er glaubt, dass es in erster Linie notwendig ist, das Problem im Lillebælt aufzudecken.

Quelle: TV2 SYD – übersetzt und bearbeitet von

Günter Schwarz – 29.10.2021

Foto: TV SYD