Überfüllte Krankenhäuser und Probleme für andere Patientengruppen machen die Epidemie gesellschaftskritisch, sagt Virologe. Allan Randrup Thomsen, Professor für Virologie an der Universität København, ist der Meinung, dass die Corona-Epidemie erneut als gesellschaftskritisch bezeichnet werden kann.

Er begründet dieses unter anderem mit der Risikobewertung der Sundhedsstyrelsen (Gesundheits- und Arzneimittelbehörde), in der nach Ansicht der Behörde „eine große Gefahr besteht, dass die Krankenhäuser im Herbst und Winter überlastet werden“. „Das bedeutet, dass die Epidemie auch andere Patientengruppen betrifft, und ich denke, das fällt unter den Begriff ,sozialkritisch‘, sagt er.

Gesundheitsminister Magnus Heunicke (Socialdemokraterne) hat am Freitagnachmittag die Epidemiekommission gebeten, zu prüfen, ob Covid-19 wieder als gesellschaftskritische Krankheit bezeichnet werden soll. Es war bereits vom 10. März 2020 bis 10. September 2021 der Fall.

Wird Covid-19 erneut als solches bezeichnet, erhält die Regierung eine Reihe von Befugnissen, um auf Grundlage des Epidemiegesetzes Maßnahmen gegen die Ausbreitung der Infektion einzuleiten. Dieses kann geschehen, ohne zwingend eine Mehrheit im Folketing zu erreichen. Wenn jedoch eine Mehrheit des Epidemieausschusses eine Maßnahme ablehnt, kann sie nicht eingeleitet werden.

Sollten neue Beschränkungen eingeführt werden, ist Allan Randrup Thomsen der Meinung, dass der Corona-Pass genau das ist, wofür er „steht“. „Hier könne man bei relativ eingeschränkter Bewegungsfreiheit der Menschen eine gute Wirkung auf die Ausbreitung der Infektion erzielen“, sagt er.

Die Infektionen sind in letzter Zeit auf dem Vormarsch. Bis Mitte August gab es typischerweise zwischen 800 und 1.000 Neuinfektionen pro Tag. Rund 100 Menschen wurden mit Covid-19 ins Krankenhaus eingeliefert. Seit Ende Oktober wurden jedoch täglich zwischen 1.400 und 2.000 Infizierte festgestellt, am Freitag lag die Zahl der stationären Patienten bei 246. Doch laut Allan Randrup Thomsen ist es noch möglich, das Schlimmste der Infektionswelle im Keim zu ersticken.

„Wichtig in diesem Zusammenhang ist, dass wir uns zu diesem Zeitpunkt nicht in der gleichen Situation wie im letzten Jahr befinden – aus vielen verschiedenen Gründen“, sagt er. Im Oktober letzten Jahres hatte das Sundhedsstyrelsen noch nicht damit begonnen, die Dänen gegen Covid-19 zu impfen. Inzwischen sind drei von vier Dänen geimpft.

„Aber es ist wichtig, unser Gesundheitssystem zu erhalten. Wir müssen etwas tun, denn es ist schwer zu erkennen, wo die Kurve sonst aufhören soll, wenn wir nichts tun“, sagt Allan Randrup Thomsen.

Quelle: TV2/Bornholm – übersetzt und bearbeitet von

Günter Schwarz – 06.11.2921

Foto: TV2/Bornholm