(Berlin) – Stefan Seidler, der im September für die dänische Minderheitspartei SSW (Südschleswigscher Wählerverband / dänisch: Sydslesvigsk Vælgerforening) in den Deutschen Bundestag gewählt wurde, sprach am Mittwoch vom Rednerpult aus Dänisch.

Am Mittwoch wurde vom wichtigsten Rednerpult Deutschlands aus Dänisch gesprochen. Dieses geschah, als der Vertreter der dänischen Minderheit im Deutschen Bundestag, Stefan Seidler von dem SSW eine Rede anlässlich der ersten Regierungerklärung des neuen deutschen Bundeskanzlers, Okaf Scholz (SPD),hielt.

„Gestatten Sie mir, der neuen Ampelkoalition und der neuen Regierung in meiner eigenen Sprache zu Viel Glück und Erfolg zu wünschen!“, sagte Stefan Seidler als Schlusswort in seiner Rede. Die ersten Worte waren auf Deutsch, aber „Held og Lykke og god Vind“ (Viel Glück und guten Wind) wurde auf Dänisch gesagt – allerdings mit einer Übersetzung aus dem Dänischen am Ende. Er vertritt die dänische Minderheit im deutschen Bundestag, also macht es Sinn, Dänisch zu sprechen.

Im September wurde die SSW in den Bundestag gewählt – zum ersten Mal seit 60 Jahren trat die dänische Minderheitspartei bei einer Bundestagswahl in Deutschland an. Das ist seit 1961 nicht mehr passiert. Ein Deutschland-Analyst Mirco Reimer-Elster von TV 2 dagt dazu: „Es ist nicht überraschend, dass Stefan Seidler ein paar Worte auf Dänisch fallen ließ, Ich bin nicht überrascht. Es war fast das vorhersehbarste, denn so wird uns beweusst, warum er ausgewählt wurde und wofür er steht“, und er fährt fort „Stefan Seidler ist in etwa ein sogenannter „One Issue Candidate“ (Ein Fall Kandidat), der nur eine Aufgabe hat. Er muss den für die dänische Minderheit sprechen, also machte es Sinn, auch Dänisch zu sprechen.

Bei der Bundestagswahl im 26. September gewann die Partei mit 3,5 Prozent der Stimmen sensationell einen Sitz im Bundestag. Das waren 0,2 Prozentpunkte mehr als bei der Landtagswahl in Kiel und damit bundesweit eine bessere Wahl als regional. Für die Bundestagswahl gilt normalerweise eine Sperrklausel von fünf Prozent. Der SSW ist jedoch aufgrund ihres Status als Minderheitspartei von dieser Regelung ausgenommen. Damit erreichte die Partei mit 3,5 Prozent der Stimmen einen Sitz im Bundestag.

Der 42-jährige Stefan Seidler wurde in Flensburg geboren, hat Politikwissenschaft an der Universität Aarhus studiert und hat sich unter anderem für die Stärkung der dänisch-deutschen Zusammenarbeit der Region Syddanmark (Süddänemark) eingesetzt.

Außerdem verriet Stefan Seidler in einem Interview mit TV SYD Anfang des Jahres, dass er ein Fan von Vejle Boldklub ist. „Ich sehe die Grenzregion als einen zusammenhängenden Raum. Sowohl Vejle als auch Flensburg sind Fjordstädte, und die fantastische Entwicklung von Vejle kann eine Inspiration für Flensburg sein. Ich stehe einfach gerne im Vejle-Stadion und schaue VB, wie ich in Kiel Fußball von Holstein Kiel schaue – oder Handball in Flensburg oder Kiel“, sagte Stefan Seidler damals.

Quelle: TV SYD – übersetzt und bearbeitet von

Günter Schwarz – 15.12.2021

Foto: TV SYD