(København/ Kiev) — Die USA und die EU warnen Putin vor einem Einmarsch in die Ukraine und drohen mit harten Sanktionen. Und die dänische Verteidigungsministerin Trine Bramsen (Socialdemokraterne) ist am Samstag in der Ukraine, um Dänemarks Solidarität mit dem Land im Konflikt mit Russland zu zeigen.

Ukrainische Truppen bekämpfen seit der Annexion der Halbinsel Krim durch Russland im Jahr 2014 prorussische Separatisten in der Ostukraine. In einer Eskalation des Konflikts hat Russland in den vergangenen Monaten Zehntausende Soldaten an der Grenze zur Ukraine mobilisiert.

„Wenn ich in die Ukraine gehe, möchte ich damit ein deutliches Signal senden, dass wir uns der gegenwärtigen russischen Eskalation des Konflikts sehr bewusst sind. Wir stehen Seite an Seite mit der Ukraine“, sagte Verteidigungsministerin Trine Bramsen gegenüber TV 2

Sie betonte, dass es nicht geduldet wird, wenn Russland die Grenzen und Souveränität der Nachbarländer testet.

Verteidigungsministerin Trine Bramsen ist am Samstag in der Ukraine, um ihre Solidarität zu zeigen. Foto: Mads Claus Rasmussen

Vladimir Putin warnt: „NATO darf nicht nach Osten expandieren.“ Russland fordert unter anderem vom Westen, dass die NATO nicht nach Osten ausgeweitet wird. Dieses bedeutet, dass die Ukraine ihren Wunsch, der NATO beizutreten, zu keinem Zeitpunkt erfüllen kann.

„Putin hat gestern im Grunde gesagt, dass nicht ganz Osteuropa Teil der NATO sein soll – und in Zukunft schon gar nicht die Ukraine. Der Besuch Bramsens soll also Putin signalisieren, dass wir die Ukraine unterstützen“, sagt die sicherheitspolitische Korrespondentin von TV 2, Lotte Mejlhede.

Zeitgleich mit dem Besuch des dänischen Verteidigungsministers in der Ukraine sagt der Sicherheitsberater von US-Präsident Joe Biden, die Amerikaner seien bereit, Verhandlungen mit Russland aufzunehmen. „Wir sind zum Dialog mit Russland bereit und führen seit 20 Jahren einen Dialog mit Russland über die Sicherheit, so wie wir es Jahrzehnte zuvor mit der Sowjetunion getan haben. Manchmal hat es zu Fortschritten und manchmal zu einem Stillstand geführt“, sagte Bidens nationaler Sicherheitsberater Jake Sullivan gegenüber Reuters.

Er betonte, dass die Regierung von Präsident Biden immer bereit ist, einen Dialog mit Russland aufzunehmen. „Russland hat seine Besorgnis über die Aktivitäten der USA und der NATO geäußert. Und jetzt äußern wir unsere Besorgnis über russische Aktivitäten, die unseren Werten schaden. Gegenseitigkeit ist die Grundlage von Respekt“, sagt Jake Sullivan.

Verteidigungsministerin Trine Bramsen auf dem Myhailivska-Platz, wo sie sich bei ihrem Besuch in Kiew in der Ukraine mit fünf dänischen Gesandten trifft. Foto: Mads Claus Rasmussen,

Am Donnerstag endete der EU-Gipfel der europäischen Regierungschefs in Brüssel mit einer deutlichen Warnung an Präsident Putin. Die Staats- und Regierungschefs der EU-Staaten kamen darin überein und machten deutlich, dass Russland mit erheblichen Konsequenzen rechnen muss, wenn Russland in die Ukraine eindringt. Welche Sanktionen die EU gegebenenfalls verhängen wird, wurde nicht in Worte gefasst

Der Präsident der USA, Joe Biden. und der ukrainische Präsident Wolodymyr Selensky werfen Russland vor, mehr als 90.000 russische Soldaten und gepanzerte Fahrzeuge nahe der Grenze zur Ukraine geschickt zu haben. Die Truppen befinden sich sowohl in Russland in unmittelbarer Nähe der Rebellenprovinzen Donezk und Lugansk in der Ostukraine, im benachbarten Weißrussland als auch auf der Halbinsel Krim, die Russland 2014 von der Ukraine annektiert hat.

Dieses Satellitenbild vom November wurde am Sonntag, dem 5. Dezember, veröffentlicht und soll die Aktivitäten russischer Truppen in der Nähe von Jelnja, etwas mehr als 200 Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernt, zeigen. Foto: Handout

Umgekehrt wirft Russland der NATO und der Ukraine vor, ihre Kräfte jenseits der Grenze zu mobilisieren und die Spannungen zu eskalieren.

Die USA befürchten, dass Russland bereits im Januar 2022 eine Offensive gegen die Ukraine starten wird. Es sei ein „echtes und realistisches Szenario, das man mit einer Brille des amerikanischen Geheimdienstes sieht“, erklärt TV-2-Korrespondent Jesper Steinmetz: „Wir sehen das gleiche Muster wie in den Monaten vor der Annexion der Halbinsel Krim. Die gleiche Art von Truppenmobilisierung und die gleichen Aktivitäten in den sozialen Medien wie antiukrainischer Propaganda, der auf Russland zurückgeführt werden kann. Das ist es, was die Amerikaner so beunruhigt“, heißt von Jesper Steinmetz.

Quelle: TV2 – übersetzt und bearbeitet von

Günter Schwarz – 18.12.2021

Fotos: TV2