Jens Galschiøt sagt, dass er über 40 Anfragen von Leuten erhalten hat, die die Skulptur kopieren wollen. Es gebe „viele“, die Jens Galschiøts Skulptur „Skamstøtten“ (Schamsäule) kopieren wollen, die kürzlich von den chinesischen Behörden an der Universität Hongkong entfernt wurde.

Der Künstler Jens Galschiøt. (Foto: Liselotte Sabroe)

So beschreibt es zumindest der Künstler selbst. Seit die Skulptur kurz vor Weihnachten abgebaut wurde, hat er über 40 Anfragen von Künstlern und Demonstranten erhalten, die Kopien von Statuen errichten wollen, um sich auf die Demokratiebewegung in Hongkong zu konzentrieren, und deshalb hat er sich entschieden, seine Rechte an dem Werk freizugeben.

„Es gab so viele Anfragen, dass ich endlich eine unterschriebene Erklärung abgeben musste, in der ich auf das Recht auf die Herstellung der Skulptur verzichte und die besagt, dass alle Gewinne der Demokratiebewegung zufließen müssen. Normalerweise geben Künstler ihre Kunst nicht kommerziell frei, aber ich habe dieses aus dem Gedanken heraus getan, dass es wichtig ist, dass die Kunst herauskommt. Und die Skulptur erinnere an das Massaker auf dem Tiananmen-Platz, die Demokratiebewegung und die Menschenrechte“, sagt Jens Galschiøt.

WAS PASSIERT AN DEM ORT DES HIMMLISCHEN FRIEDENS?

  • Im April 1989 versammelten sich mehrere Wochen lang bis zu einer Million Demonstranten auf dem Platz des Himmlischen Friedens in Peking – auch bekannt als Tiananmen-Platz. Hier forderten sie mehr Meinungsfreiheit, weniger Zensur und mehr politische Offenheit in China.
  • Schon damals wurde China stark von der führenden Kommunistischen Partei kontrolliert, die gespalten war, wie sie auf die Demonstrationen reagieren sollte.
  • Teile der Partei erklärten sich bereit, den Forderungen nachzukommen, während andere der Ansicht waren, dass die Demonstrationen zurückgedrängt werden sollten. Am Ende gewannen die Hardliner die Debatte und das Militär übernahm die Kontrolle über Peking.
  • Am 3. und 4. Juni rückten Truppen in Richtung des Platzes des Himmlischen Friedens vor, wo sie Demonstranten erschossen, schlugen und festnahmen.
  • Über die Zahl der Toten herrscht Uneinigkeit: 1989 gab die chinesische Regierung an, 200 Zivilisten seien ums Leben gekommen. Im Jahr 2017 tauchten Dokumente eines ehemaligen britischen Botschafters in China auf, in denen darauf hingewiesen wurde, dass mindestens 10.000 Menschen gestorben waren.
  • Mehrere Parteien schätzen, dass mehrere Tausend eine realistische Zahl seien.

Die Skulptur zeigt eine Reihe von verzerrten, übereinander gestapelten Körpern, die zum Gedenken an die Opfer der Proteste auf dem Tiananmen-Platz in Peking 1989 errichtet wurden. Während der blutigen Demonstrationen wurden mehrere Befürworter einer verstärkten Demokratie in China getötet, und das Thema ist in China hochgradig brisant.

Genau aus diesem Grund hat es auch weltweite Aufmerksamkeit erregt, dass die „Skamstøtten“ entfernt wurde.

Das Bild ist vom 10. Oktober an der Universität Hong Kong. (Foto: Peter Parks)

„Man sollte sich nicht täuschen, dass man als Künstler von der Öffentlichkeit getragen wird. Es ist vielleicht die weltweit am meisten diskutierte Skulptur, und es gibt der Skulptur, dem Massaker, etwas und es gibt auch etwas für mich. Ich könnte wahrscheinlich relativ viel Geld daraus gewinnen, wenn ich wollte. Aber Geld interessiert mich nicht besonders“, sagt Jens Galschiøt.

Riskieren Sie nicht, dass es private Akteure wie große Unternehmen gibt, die die Situation ausnutzen und missbrauchen, dass das Urheberrecht weg ist? Er antwortet: „Ja, aber ich bin mit dem Teufel ins Bett gegangen, aber so ist es, wenn man plötzlich in die große Politik verwickelt ist. Es lässt sich also nicht vermeiden, und das ist auch gut so. Ich beute sie aus und sie beuten mich aus. Es ist ein gegenseitiger „.Schlagaustausch‘. Aber wirklich, ich glaube nicht, dass diese Skulptur missbraucht werden kann, denn sie ist ein Symbol dafür, die Erinnerung an das Massaker und Hongkong wach zu halten. Das Schlimmste, was passieren könnte, wäre, wenn nichts passierte und niemand der ,Skamstøtten‘ störte.“

Im Moment befindet sich die Skulptur noch in Hongkong, und Jens Galschøit hofft, dass er sie bald zurückbekommt.

Hier sehen Sie, wie es aussah, als die Skulptur von der Universität Hong Kong geholt wurde

Quelle: Danmarks Radio – übersetzt und veröffentlicht von

Günter Schwarz – 02.01.2022

Fotos: Danmarks Radio