Die Übersterblichkeit in Dänemark unter der Corona-Krise ist geringer als die Zahl der Dänen, die an dem Virus gestorben sind. Professoren und Gesundheitsexperten scheuen sich nicht, große Worte in den Mund zu nehmen, wenn sie Bilanz über die Zahl der Toten in Dänemark im Zusammenhang mit der bald zwei Jahre andauernden Corona-Epidemie ziehen müssen.

Zwei von ihnen verwenden gegenüber der Tageszeitung „Berlingske“ sogar den Begriff „Wunder“ darüber, dass die Übersterblichkeit in Dänemark in den zwei Jahren geringer war als die Zahl der als Corona-Toten registrierten Menschen. Mit anderen Worten, Einschränkungen und Verhaltensänderungen haben wahrscheinlich dazu geführt, dass weniger Menschen als sonst an anderen Ursachen als Corona gestorben sind – zum Beispiel an der Grippe.

„Es ist eigentlich ein Wunder, auf das ich schon lange versuche, aufmerksam zu machen“, sagt die Virologin Lone Simonsen, Professorin und Leiterin des PandemiX-Zentrums an der Universität Roskilde.

Basierend auf Zahlen der Weltgesundheitsorganisation WHO hat das Magazin „The Economist“ berechnet, dass Dänemark in den letzten zwei Jahren eine Übersterblichkeit von 2.500 hatte. Dieses entspricht in etwa der Übersterblichkeit im Zeitraum 2017-2019, als auch Grippeepidemien und schlechte Impfstoffe dazu beitrugen, dass die Zahl der Todesfälle höher als erwartet war.

Damit ist Dänemark weitaus sanfter durch die Epidemie gekommen als andere Länder, in denen überlastete Krankenhäuser und Gesundheitssysteme dazu geführt haben, dass das Corona-Virus am Ende auch andere als Corona-Infizierte das Leben gekostet hat. „The Economist“ geht daher davon aus, dass die tatsächliche Zahl der Todesfälle durch das Virus zwar weltweit bei 5,5 Millionen Menschen liegt, die tatsächliche Zahl der Toten jedoch wahrscheinlich zwischen 11,8 und 22,1 Millionen Menschen liegt.

„Die geringe Übersterblichkeit in Dänemark werde natürlich zu einer Diskussion darüber führen, ob die Beschränkungen streng gewesen seien“, sagt Jes Søgaard, Professor für Gesundheitsökonomie an der Süddänischen Universität. „Man muss nur bedenken, dass es in dieser Pandemie sehr schwierig war, für die Zukunft viel zu planen, sagt er zu „Berlingske“.

Quelle: TV2 – übersetzt und bearbeitet von

Günter Schwarz – 12.01.2022

Foto: TV2