(Helsingør) – Ein Plakat der Socialistisk Ungdomsfront (Sozialistischen Jugendfront) hat in Helsingør eine hitzige Diskussion ausgelöst. Einige Bürger finden es vulgär und unangemessen, aber die Socialistisk Ungdomsfront ist völlig anderer Meinung.

In einem Bushäuschen am Jernbanevej in Helsingør hängt ein Plakat mit dem Text „Billige boliger eller vi boller på gaden“ (Billige Wohnungen oder wir landen auf der Straße). Allerdings sind es wohl die Wenigsten, denen der Slogan auf den ersten Blick auffällt. Das Plakat der Socialistisk Ungdomsfront SUF zeigt eine nackte Frau, die offenbar unter anderem Oralverkehr mit Wohnblocks betreibt.

In der Facebook-Gruppe „Helsingør“ hat ein Post mit einem Bild des Plakats eine hitzige Debatte unter den Bürgern der Stadt ausgelöst. In der aus knapp 300 Kommentaren bestehenden Kommentarspur des Beitrags herrscht große Uneinigkeit über das Erscheinungsbild und den Platz des Plakats im Stadtbild.

Laut der Frau, die das Foto des Plakats auf Facebook geteilt hat, hat die SUF nicht darüber nachgedacht, wer es tatsächlich sehen wird. Das Poster hängt direkt auf Kinderhöhe. „Können wir zustimmen, dass die Socialistisk Ungdomsfront gerne daran denken sollte, dass kleine Kinder auch an die Bushaltestellen kommen, wo sie illegal ihre vulgären Provo-Plakate aufgehängt haben?“, chreibt sie. Und nicht nur sie ist der Meinung, dass das Plakat nicht ins Stadtbild von Helsingör gehört.

„Geschmacklos… Ich dachte eigentlich auch, wir wären aus den 1970ern gekommen“, schreibt ein Facebook-Nutzer in die Kommentare. „Weg mit diesen widerlichen Plakaten“, schrieb ein anderer Nutzer auf Facebook. Laut Ayanle Farah, einem Mitglied der Pressegruppe der Socialistisk Ungdomsfront, hat das Plakat viele Bürger dazu veranlasst, sich an der Debatte über sein Motiv zu beteiligen.

Und die Jugendorganisation nimmt die negativen Kommentare nicht so ernst. „Wir haben eine Reihe von Reaktionen auf das Poster erhalten, und sie waren sehr gemischt – aber überwiegend positiv. Natürlich gibt es auch Leute, die das für beleidigend halten, aber darum kümmern wir uns bei der SUF nicht wirklich“, sagt Ayanle Farah und fährt fort: „Diejenigen, die es für vulgär und unangemessen halten, müssen einfach darüber hinwegkommen.

Laut der Autorin eines Facebook-Posts in der Gruppe „Helsingør“ besteht kein Zweifel über die Art des Bildes auf dem Plakat. „Es ist Porno. Und meiner Meinung nach sollen Kinder gerne von Pornos verschont werden, während sie auf den Bus warten“, schreibt sie in einem Kommentar.

Die SUF ist jedoch nicht der Meinung, dass das Poster pornographisch oder unangemessen ist. Andererseits glauben sie, dass die eigene Wahrnehmung und Sexualisierung des Betrachters über das Motiv gelegt wird. „Wir halten es überhaupt nicht für unangemessen oder vulgär. Es ist auch in keiner Weise sexuell stimulierend. Wer so denkt, sollte bei der Wahrnehmung des Plakats wohl etwas mehr in sich selbst hineinschauen“, sagt Ayanle Farah.

Ayanle Farah glaubt, dass das Poster weder vulgär noch unangemessen ist. Foto: Ayanle Farah / Privates Foto

Auf Facebook gibt es auch einige Helsingøraner, die Ayanle Farah zustimmen, dass das Motiv des Plakats harmlos ist. Ein paar Bürger finden es sogar humorvoll und nett. „Ich denke, jetzt macht es viel Spaß, und natürlich kann es an einer Bushaltestelle hängen. Ich bin absolut sicher, dass keine Kinder daran kaputt gehen“, schrieb ein Facebook-Nutzer in den Kommentaren. „Ich finde es ist ein schönes Poster“, schreibt ein anderer User.

Laut Ayanle Farah ist es gut, dass das Poster in der Gesellschaft für Diskussionen sorgt. Das bedeutet, dass seine Botschaft von den Bürgern gesehen wird. „Das Coole am Plakat ist, dass es Aufmerksamkeit und Öffentlichkeit schafft. Obwohl es in der Debatte sehr um das Erscheinungsbild des Plakats geht, geht es auch darum, was genau wir von der Socialistisk Ungdomsfront zu krtisieren versuchen“, sagt Ayanle Farah.

Seiner Meinung nach ist des eine wichtige Botschaft, die das Plakat an die Gesellschaft senden muss. „Wir haben das Plakat gemacht, um ein Bewusstsein für die Wohnsituation in Dänemark zu schaffen. Die Wohnungen seien einfach zu teuer geworden, und das schaffe zu viel Ungleichheit“, sagt Ayanle Farah und fährt fort: „Anstelle öffentlicher Wohnungen werden zu viele teure Privatwohnungen gebaut, die sich normale Bürger nicht leisten können. Wir von der SUF wollen dafür ein Bewusstsein schaffen.“

Die Socialistisk Ungdomsfront hat das Plakat an alle ihre Ortsverbände verschickt und plant, es im ganzen Land aufzuhängen. Bisher ist es neben Helsingør in København, Odense und Aarhus zu finden.

Quelle: TV2/LORRY – übersetzt und bearbeitet von

Günter Schwarz – 14.01.2022

Fotos: Ayanle Farah / Private Fotos